Agathe Bienfait & Andreas Frey (Hrsg.)

Empirische Pädagogik 2016 – 30 (3/4):

Ausbildungs- und Studienabbrüche

Empirische Befunde, Ursachen und Möglichkeiten der Prävention

24,90

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Bibliographische Angaben

Herausgeber Agathe Bienfait
Andreas Frey
Autoren Agathe Bienfait
Ingo Blaich
Irmela Blüthmann
Ernst Deuer
Ingrid Dietrich
Bernd-Joachim Ertelt
Andreas Frey
Birgit Fritzsche
Ulrich Heublein
Sören Isleib
Gert-Holger Klevenow
Per Kropp
Till Mischler
Philipp Nolden
Daniela Rohrbach-Schmidt
Andreas Rottach
Jean-Jacques Ruppert
Jürgen Schiener
Evi Schmid
Alexander Schäfer
Alexandra Uhly
Angela Ulrich
Rainer Watermann
Laura Weber
Marold Wosnitza
Band/Heft 3/4
Erscheinungsjahr 2016
Jahrgang 30
ISBN-13 978-3-944996-31-8
ISBN-10 3-944996-31-3
ISSN 0931-5020
Seiten 304
Sprache Deutsch
Bindung Softcover

Inhaltsverzeichnis


Editorial

Agathe Bienfait und Andreas Frey
Ausbildungs- und Studienabbrüche. Empirische Befunde, Ursachen und Möglichkeiten der Prävention


Beiträge

Evi Schmid
Lehrvertragsauflösungen in der Schweiz:
Statistische Indikatoren und Quotenberechnung

Daniela Rohrbach-Schmidt und Alexandra Uhly
Betriebliches Vertragslösungsgeschehen in der dualen Berufsausbildung. Eine Analyse des BIBBBetriebspanels zu Qualifizierung und Kompetenzentwicklung

Till Mischler und Jürgen Schiener
Die vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen im Handwerk.
Multivariate Analysen auf Basis einer Kammerstatistik

Per Kropp, Ingrid Dietrich und Birgit Fritzsche
Die vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen.
Ergebnisse einer Befragung von Auszubildenden in Berufsschulen und Arbeitsagenturen

Ernst Deuer
Früherkennung und Prävention von Ausbildungsabbrüchen
- Ursachenanalyse, Handlungsfelder und relevante Akteure

Gert-Holger Klevenow und Laura Weber
Ausbildungs- und Studiengangwechsel
– Eine explorative Studie zur Veränderung von Entscheidungsstrategien und -kriterien

Alexander Schäfer und Angela Ulrich
Das Präventionsprojekt PraeLab
- rechtliche Rahmenbedingungen

Sören Isleib und Ulrich Heublein
Ursachen des Studienabbruchs und Anforderungen an die Prävention

Andreas Rottach, Irmela Blüthmann und Rainer Watermann
Studienqualität und Verbleibsquote im Masterstudium.
Eine Analyse auf Studiengangsebene zum Zusammenhang von Qualitätsmerkmalen von Masterstudiengängen mit der Verbleibsquote

Andreas Frey und Ingo Blaich
Wie nutzen Studienberechtigte das Internet im Berufsorientierungsprozess?
Potentiale und Grenzen internetbasierter Informationsangebote

Philipp Nolden und Marold Wosnitza
Webgestützte Selbstreflexion von Abbruchrisiken bei Studierenden

Agathe Bienfait und Angela Ulrich
Netzwerke als kollektive Güter:
Hindernisse und Anreize gelungener Vernetzung in der dualen Berufsausbildung

Andreas Frey, Bernd-Joachim Ertelt und Jean-Jacques Ruppert
Abbrüche in der beruflichen Ausbildung:
Gründe, Folgen und Möglichkeiten der Prävention


Beschreibung der Beiträge

Lehrvertragsauflösungen in der Schweiz:
Statistische Indikatoren und Quotenberechnung

Evi Schmid

Eine Lehrvertragsauflösung stellt für Jugendliche und junge Erwachsene das größte Risiko dar, ohne Ausbildungsabschluss auf der Sekundarstufe II zu bleiben (Schmid, 2013). Die Zahl der Lehrvertragsauflösungen ist in Ländern mit dualen Ausbildungen somit eine wichtige Kenngröße: Sie gilt auch als Indikator für die Leistungsfähigkeit des Berufsbildungssystems sowie die Qualität und die Effizienz der betrieblichen und schulischen Ausbildung (Uhly, 2013). Nichtsdestotrotz gibt es in der Schweiz auf nationaler Ebene bisher kaum verlässliche und aktuelle statistische Informationen zum Ausmaß von Lehrvertragsauflösungen und zu den weiteren Ausbildungsverläufen von betroffenen Jugendlichen. Das ist vor allem damit zu begründen, dass eine zuverlässige Berechnung der Auflösungsquote nicht einfach ist. Die Einführung eines Personenidentifikators auf Bundesebene im Jahr 2011 eröffnet neue Möglichkeiten zur statistischen Berichterstattung und legt die Frage nach der Vorgehensweise bei der Berechnung einer Lehrvertragsauflösungsquote und nach der Notwendigkeit weiterer Indikatoren in diesem Bereich nahe. Der vorliegende Artikel fasst den bisherigen Kenntnisstand über die statistischen Daten rund um Lehrvertragsauflösungen, deren Häufigkeit und Konsequenzen zusammen und gibt einen Überblick über verschiedene Berechnungsarten von Lehrvertragsauflösungsquoten sowie deren Vorund Nachteile. Dabei steht die Frage im Zentrum, welche Informationen und Analysen im Zusammenhang mit Lehrvertragsauflösungen besonders wichtig sind und zukünftig regelmäßig ermittelt und publiziert werden sollten, um die Bildungspolitik bei der Prävention von Lehrvertragsauflösungen zu unterstützen.

Schlagwörter: Berufsbildung – Lehrvertragsauflösung – Statistik – Wiedereinstieg

Apprenticeship contract terminations in Switzerland:
Statistical indicators and quota calculation

For youths and young adults, early termination of an apprenticeship contract constitutes the biggest risk of remaining without an upper-secondary level qualification (Schmid, 2013). The number of apprenticeship contract terminations is an important parameter in countries with a dual VET system: It is an indicator of the effectiveness of the VET system as well as the quality and effectiveness of school and work-based training (Uhly, 2013). Nevertheless, there is a lack of reliable and up-to-date statistical information in Switzerland on the amount of apprenticeship contract terminations and the subsequent pathways taken by the youths concerned. This is mainly due to the fact that a reliable calculation of a rate of early apprenticeship contract terminations is not easy at all. The introduction of a personal identifier on national level in 2011 creates new possibilities for statistical reporting and raises the issue of how to go about calculating such a rate and the necessity of further indicators in this field. The present article summarises the current state of research in the field of apprenticeship contract terminations, their amount and consequences. It also provides an overview of different methods of calculating a rate of early apprenticeship contract terminations, together with an explanation of the pros and cons of each approach. The main aim is to ascertain what information and analyses in relation to this phenomenon is particularly important and therefore needs to be gathered and published at regular intervals for both education policy purposes and prevention of early apprenticeship contract terminations.

Keywords: early apprenticeship contract termination – vocational education and training – reentry – statistics

Betriebliches Vertragslösungsgeschehen in der dualen Berufsausbildung. Eine Analyse des BIBBBetriebspanels zu Qualifizierung und Kompetenzentwicklung

Daniela Rohrbach-Schmidt und Alexandra Uhly

Der Beitrag untersucht vorzeitige Lösungen von Ausbildungsverträgen des dualen Systems auf Basis des für deutsche Betriebe repräsentativen Betriebspanels zu Qualifizierung und Kompetenzentwicklung (BIBB-Qualifizierungspanel). Hierzu werden zunächst das betriebliche Vertragslösungsgeschehen und die Problemwahrnehmung der Betriebe betrachtet. Es folgt eine Analyse der Zusammenhänge zwischen dem Auftreten von vorzeitigen Vertragslösungen im Betrieb und Merkmalen des betrieblichen Ausbildungsverhaltens, der betrieblichen Arbeits- und Beschäftigungsperspektiven sowie sonstiger Betriebsmerkmale. Diese Analysen zeigen, dass vorzeitige Vertragslösungen für zahlreiche Betriebe ein großes Problem darstellen, Betriebe der Wirksamkeit von Maßnahmen zu ihrer Vermeidung aber eine große Skepsis gegenüberbringen. Die multivariaten Ergebnisse sprechen dafür, dass die Stabilität von Ausbildungsverhältnissen in Betrieben positiv durch folgende betriebliche Faktoren beeinflusst ist: ein investitionsorientiertes Ausbildungsmodell, eine direkte Rekrutierungsstrategie, eine kollektive Interessenvertretung sowie eine Beschäftigtenstruktur, die durch höhere Anteile hochqualifizierter Tätigkeiten gekennzeichnet ist.

Schlagwörter: Betriebspanel – duale Berufsausbildung – Stabilität von Ausbildungsverhältnissen – vorzeitige Vertragslösungen

Premature dissolutions of apprenticeship contracts in German training firms: an analysis based on the BIBB training panel

The paper studies premature dissolutions of apprenticeship contracts in the dual system based on a representative sample of German firms, i.e. the German BIBB Training Panel – An Establishment Panel on Training and Competence Development. In a first step, firms‘ perceptions on premature dissolutions are examined. This is followed by an analysis of factors that are associated with the incidence of premature contract dissolutions in firms. These factors include characteristics of the firms’ training behavior, the firms’ work and employment perspectives and further general firm properties. The results demonstrate that for numerous firms premature dissolutions of apprenticeship contracts present a major problem. However, firms show quite large skepticism to the efficacy of prevention measures. Results from multivariate analyses suggest that the stability of apprenticeships in firms are positively linked to an investment-oriented training model, a direct recruitment strategy, a collective representation of interests in form of staff councils, and an employment structure that is characterized by highly qualified tasks.

Keywords: dual vocational education and training – german panel of training firms – premature dissolution – stability of apprenticeships

Die vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen im Handwerk.
Multivariate Analysen auf Basis einer Kammerstatistik

Till Mischler und Jürgen Schiener

Der Artikel befasst sich mit den Besonderheiten des Handwerks in Bezug auf die vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen. Der Zuständigkeitsbereich des Handwerks zeigt im Vergleich zu anderen Bereichen, z. B. öffentlichem Dienst und Industrie, außergewöhnlich hohe Quoten vorzeitiger Vertragslösungen, die sich – zumindest teilweise – auf grundlegende Strukturmerkmale des Handwerks zurückführen lassen. Die empirischen Analysen stützen sich auf neue Daten der Handwerkskammer der Pfalz zu 14 608 Ausbildungsverträgen, die zwischen 2007 und 2011 geschlossen wurden. Deskriptive und multivariate Analysen erschließen eine Vielzahl an Merkmalen der Auszubildenden, ihrer Verträge, Ausbildungsberufe und Betriebe, die mit dem Risiko einer vorzeitigen Vertragslösung zusammenhängen, z. B. der Schulabschluss, der Monat des Ausbildungsbeginns, die Betriebsgröße und der Frauenanteil im Ausbildungsberuf.

Schlagwörter: Dropout – Handwerk – Mehrebenenanalyse – vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen

The premature dissolution of apprenticeship contracts in the craft sector.
Multivariate analyses based on data of a chamber of crafts

This article deals with the specifics of the craft sector with regard to the premature dissolution of apprenticeship contracts. The craft sector shows remarkably high rates of premature dissolution in comparison to other sectors, e. g., the public or industrial sector, which are – at least partially – attributable to fundamental structural characteristics of this sector. The empirical analyses are based upon new data of the Palatine Chamber of Skilled Crafts with regard to 14 608 apprenticeship contracts, concluded in the period from 2007 to 2011. Descriptive and multivariate analyses reveal that a multitude of characteristics of the apprentices, their contracts, their occupations and their companies are associated with the risk of a premature contract dissolution, e. g., the schoolleaving certificate of the apprentices, the starting month of the apprenticeship, the size of the company, and the proportion of women in the vocational training program.

Keywords: craft sector – dropout–multilevel analysis – premature dissolution of apprenticeship contracts

Die vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen.
Ergebnisse einer Befragung von Auszubildenden in Berufsschulen und Arbeitsagenturen

Per Kropp, Ingrid Dietrich und Birgit Fritzsche

Die vorzeitige Lösung von Ausbildungsverhältnissen ist ein wichtiger Hinweis auf Probleme im Ausbildungsprozess. Obwohl sich in Sachsen-Anhalt und Thüringen die Ausbildungsbedingungen in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, sind die Lösungsquoten nicht zurückgegangen. In der vorliegenden Studie wird die Bedeutung verschiedener Einflussfaktoren für die vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen untersucht. Eine Primärbefragung in Berufsschulklassen im Raum Halle (Saale) und in Südthüringen sowie in Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt und Thüringen bildet die Datengrundlage für die Analysen. Es liegen Angaben zu knapp 1 500 Ausbildungsverhältnissen vor, darunter etwa 380 vorzeitig gelösten. Die Auswertung der Befragung unterstreicht die Bedeutung der Kosten der Ausbildung bzw. Ausbildungsvergütung, der persönlichen Betreuung im Betrieb und des Betriebsklimas und zeigt, dass für die untersuchte Region wesentliche Befunde aus anderen Untersuchungen anwendbar sind.

Schlagwörter: Dropout – Vertragslösungen

Prematurely dissolved training contracts.
Results of a survey of students in vocational schools and employment agencies

Prematurely dissolved training contracts indicate problems in the vocational education system. Although the vocational training market has improved significantly for apprentices in Saxony- Anhalt and Thuringia, early dissolution quotas of training contracts did not decline. In the present study, the importance of various factors for prematurely dissolved training contracts is examined. The analyses are based on a survey in vocational school classes in the Halle (Saale) and in southern Thuringia, and in Job Centers in both regions. Almost 1 300 trainees provided information about their current vocational training, or about 380 prematurely dissolved contracts. The analyses underline the importance of the cost of training and training allowance, of personal attention and the working atmosphere within the firms, and show that significant findings from other studies are relevant for the investigated region as well.

Keywords: dropout – prematurely dissolved training contracts

Früherkennung und Prävention von Ausbildungsabbrüchen
- Ursachenanalyse, Handlungsfelder und relevante Akteure

Ernst Deuer

Die absolute Zahl vorzeitiger Vertragslösungen sowie die relative Lösungsquote haben sich seit vielen Jahren auf einem hohen Niveau eingependelt. Trotz vielfältiger Anstrengungen ist es bislang nicht gelungen, diese Zahlen nachhaltig zu senken, der aktuelle Berufsbildungsbericht weist sogar nahezu historische Höchststände aus. Dies deutet darauf hin, dass die bisherigen Studien sowie die hieraus abgeleiteten Maßnahmen noch nicht ausreichend waren. Vor diesem Hintergrund greift der vorliegende Beitrag auf ein Modell aus der Medizinsoziologie zurück, welches auf den Kontext der Berufsausbildung übertragen wurde und neue Einblicke und Schlussfolgerungen ermöglichen soll. Ebenso wurde untersucht, welche präventiven Maßnahmen in Frage kommen und welchen Akteuren hierbei besondere Relevanz zukommt.

Schlagwörter: Ausbildungsabbruch – Früherkennung – Gratifikationskrisen

Recognizing and preventing the termination of apprenticeship contracts

The number of apprenticeship contracts that are terminated early has remained high throughout the last years. In spite of many initiatives it has not been possible to lower this number. The new „Report on Vocational Education and Training“ (Berufsbildungsbericht) even shows a recent increase. It seems that existing studies and instruments used in consequence of the findings have not been sufficient. Against this background this article looks at a model drawn from the field of Medical Sociology. This model transferred into the context of apprenticeships promises new insides and ideas. The article also looks at what kind of preventive measures could fit the aim of lasting apprenticeship contracts and finally it asks the question who the most relevant actors in this context are.

Keywords: termination of apprenticeship contracts – recognizing – Effort-Reward-Imbalance

Ausbildungs- und Studiengangwechsel
– Eine explorative Studie zur Veränderung von Entscheidungsstrategien und -kriterien

Gert-Holger Klevenow und Laura Weber

Dem Phänomen scheiternder beruflicher Erstwahlen und darauf folgenden Um-Entscheidungen von Jugendlichen näherten wir uns in dieser explorativen Studie (Spath, 2015) unter der paradigmatischen Perspektive „begrenzter Rationalität bei Entscheidungen“. Aufbauend auf Ergebnissen der Forschungsarbeiten zu „intuitiven Entscheidungen“ (Gigerenzer, 2000, 2008), erkundeten wir, ob sich die schon bekannten Heuristiken auch bei der Berufswahl identifizieren lassen.Mittels problemzentrierter Interviews wurden insgesamt 13 jugendliche Berufswähler nach einem kritischen Ereignis (Ausbildungs- bzw. Studienwechsel) zu ihren Entscheidungs- und Umentscheidungsüberlegungen befragt: Erkundet wurden die argumentativ vorgestellten Entscheidungs- Heuristiken sowie die dabei verwendeten Kriterien, die zu ihren Entscheidungen geführt hatten. In Anlehnung an das methodische Vorgehen von Dhami & Ayton (2001), wurden aus den transkribierten Interviews zunächst die Entscheidungs-Heuristiken für die beiden Entscheidungen abgeleitet und in einem zweiten Schritt mit einander verglichen. Die zentralen Befunde sind: Bei allen Befragten des Samples ließ sich als plausibelste Rekonstruktion die „Take-the-Best“- Heuristik identifizieren, in die größtenteils andere Heuristiken integriert waren. Bei ihren Um- oder Neuentscheidungen nutzten die Berufswähler im Wesentlichen dieselben Heuristiken, die sie schon bei der Erstwahl verwendet hatten; dabei berücksichtigten sie ein bis maximal drei Kriterien. Bei der zweiten Entscheidung wurden entweder die bisher berücksichtigten Kriterien anders gedeutet, teilweise durch andere Kriterien ersetzt oder selten durch weitere Kriterien ergänzt. Den Informationsstand zur ersten Entscheidung bewertet die Mehrheit der Befragten nachträglich als gut und hinreichend. Die Befunde werden hinsichtlich einiger ihrer Implikationen diskutiert.

Schlagwörter: Berufswahl – Heuristiken – Ausbildungsabbruch – Studienabbruch

Drop out of formal training or study and reorientation
– an explorative study of changes in decision-making process

In the reported study (Spath 2015) we explored the vocational choice of adolescent looking for an appropriate recognized occupation requiring formal training or for an appropriate degree course. We focused on persons who stopped the first occupational training and had to decide newly. Based on the results of the paradigm of Bounded Rationality (Gigerenzer, 2000, 2008) we intended to identify the well-known heuristics in the field of vocational choice. We interviewed 13 persons shortly after breaking-off their occupational training respectively their degree course. We assumed that the critical incident would facilitate access to the considerations of the persons. During the face-to-face interviews we focused on the thoughts about the first decision, the dropout and the criteria for the new decision. Following Dhami & Ayton (2001) in the methodical approach we first transliterate the interviews. Based on the text we identified and reconstructed the heuristics used by the interviewees. Central findings are: It was possible to reconstruct the take-the-best-heuristic for every person of the sample. Further heuristics was integrated into the take-the-best-heuristic. The adolescent used for the second decision essentially the same heuristics they had used for the first decision. For the decision they considered one to three aspects or criteria. These were interpreted in a different way during the second phases of decision or partly substituted by other criteria. Some persons added one further aspect. The majority of the interviewees evaluated the level of information as adequate at the first decision. Results will be discussed for some implications.

Keywords: breaking-off the recognized occupation requiring formal training – breaking-off the degree course – heuristics – vocational choice

Das Präventionsprojekt PraeLab
- rechtliche Rahmenbedingungen

Alexander Schäfer und Angela Ulrich

PraeLab ist ein Projekt zur frühzeitigen Diagnose von Ausbildungsabbruch-Tendenzen. Es arbeitet kompetenzorientiert. Da Auszubildende in den Berufsschulen aufgesucht und präventiv beraten werden, stellt es eine Neuerung zu vielen bisherigen Berufsberatungs- und Orientierungsansätzen dar. In der Praxis stellt sich immer wieder die Frage, ob dieser Ansatz in den rechtlichen Rahmen passt, innerhalb dessen die Bundesagentur für Arbeit agiert. Dieser Artikel stellt die gesellschaftliche Bedeutung einer diversifizierten Berufsorientierung heraus und legt dar, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen nicht im Widerspruch zu einem präventiven, aufsuchenden Beratungsansatz stehen.

Schlagwörter: Ausbildungsabbruch – Beratung – berufliche Bildung – Berufsorientierung

Praelab – a prevention project – regulatory framework

PraeLab is a project aiming at the early diagnosis of tendency to discontinuing VET. It works competence-oriented and is an innovative approach towards vocational counseling. The apprentices are being visited in school and get an immediate offer of drop-out-preventive counseling. Whether this approach fits into the existing regulatory framework of the Federal Labour Office is subject to raised questions amongst practioners. This article points out the importance of a diversified range of vocational counseling instruments. It explains at the same time why the regulatory framework and the PraeLab concept fit with each other.

Keywords: drop out – counseling – vocational education – occupational orientation

Ursachen des Studienabbruchs und Anforderungen an die Prävention

Sören Isleib und Ulrich Heublein

Der vorliegende Beitrag untersucht Ursachen und Präventionsmöglichkeiten des Studienabbruchs. Das Phänomen des Studienabbruchs stellt sich dabei als Prozess dar und erfährt eine entsprechende theoretisch-konzeptionelle Rahmung, die sich am studentischen Lebenslauf mit verschiedenen Phasen orientiert. Mittels einer logistischen Regressionsanalyse (Berechnung von average marginal effects) werden zentrale Einflussgrößen aus diesen Phasen hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Wahrscheinlichkeit eines Studienabbruchs untersucht. Es zeigt sich, dass Faktoren der vorhochschulischen Bildungswege, der Studienwahl und -vorbereitung einen Abbruch des Studiums begünstigen können. Letztgenannte Effekte lassen sich zum Teil durch individuelle (soziale Integration) hochschulische (Betreuung im Studium) und außerhochschulische Faktoren (Erwerbstätigkeit und sichere Finanzierungslage) kompensieren. Sie vermögen es allerdings bislang nicht, den Einfluss vorhochschulischer Bildungswege entscheidend zu mindern. Die daraus folgenden Implikationen für die Prävention von Studienabbrüchen werden abschließend kritisch diskutiert.

Schlagwörter: Modell des Studienabbruchs – Prävention von Studienabbruch – Studienabbruch – studentischer Lebenslauf

Causes of higher education drop-out and requirements for the prevention

This paper studies the causes of higher education drop-out and possibilities of its prevention. The phenomenon itself is characterized and theoretically framed as a process which follows the student lifecycle with different phases. Derived from these phases the main influencing variables on the probability of a higher education drop-out are analyzed by use of a logistic regression model (average marginal effects). The results show that variables prior to study are a key factor for the probability of a higher education drop-out. The probability of a drop-out can be reduced by factors of the study process (institutional support, social integration, financial situation and work during study). However, these factors cannot minimize the effect of educational pathways prior to study decisively. Finally we discuss the resulting implications on the prevention of higher education drop-outs critically.

Keywords: diagnostic quality – classroom assessment – comparison of school types – teachers

Studienqualität und Verbleibsquote im Masterstudium.
Eine Analyse auf Studiengangsebene zum Zusammenhang von Qualitätsmerkmalen von Masterstudiengängen mit der Verbleibsquote

Andreas Rottach, Irmela Blüthmann und Rainer Watermann

Die vorliegende Studie untersucht den Zusammenhang von Merkmalen der Studienqualität und dem Verbleib im Studium. Merkmale der Studienqualität wurden in einer Stichprobe von N = 2.146 Studierenden in 60 fachwissenschaftlichen Masterstudiengängen erfasst, auf Studiengangsebene aggregiert und mit der Verbleibsquote (im dritten Fachsemester) aus der Statistikdatenbank zusammengeführt. Bivariat ergaben sich positive Zusammenhänge zur Verbleibsquote für die Merkmale Lehrqualität, Betreuung, soziale Integration und inhaltliche Kohärenz der Module. In Regressionsanalysen, in denen für die Fächergruppe und Merkmale der Komposition der Studiengänge kontrolliert wurde, zeigte sich ein positiver und hoch bedeutsamer Effekt der Lehrqualität und Betreuung auf die Verbleibsquote. In Studiengängen mit höherer Lehrqualität und besserer Betreuung war die Verbleibsquote höher. Der positive Effekt der sozialen Integration verschwindet, wenn man für die Komposition der Studiengänge kontrolliert. Es werden Implikationen für die Qualitätsentwicklung an Hochschulen diskutiert.

Schlagwörter: Masterstudium – Studienqualität – Verbleibsquote – Studienabbruch

Correlating program quality and retention rates for MSc degrees.
A program-level analysis examining the influence of program characteristics, structure, and content on student retention rates

This study examines the extent to which student retention is influenced by the quality of study programs. Measures of study quality were gathered in a sample of N = 2.146 students enrolled in 60 master study programs. Students’ individual data were aggregated to the level of study program and subsequently matched with programs’ retention rates. Bivariate analyses show a positive relation between retention rates and teaching quality, academic support by teachers, social integration, and the perceived coherence of the study program. Based on regression analyses that controlled for the subject group and measures of student composition, the quality of teaching and academic support by teachers was found to be strongly related to retention rates. The positive effect of social integration on retention rates disappeared after controlling for student composition. The findings are discussed with regard to implications for quality improvement in higher education.

Keywords: master's degrees – program quality – retention rates – student drop-out

Wie nutzen Studienberechtigte das Internet im Berufsorientierungsprozess?
Potentiale und Grenzen internetbasierter Informationsangebote

Andreas Frey und Ingo Blaich

Im Internet finden Jugendliche und junge Erwachsene zu allen Aspekten ihrer Berufsorientierungen vielfältige Informationen und Beratungsangebote unterschiedlichster Anbieter, die auch sehr umfangreich genutzt werden. Dennoch liegen wenig detaillierte Kenntnisse über die Nutzungsweisen des Internets und deren Bewertung im Berufsorientierungsprozess vor. Wo liegen die besonderen Stärken der Online-Angebote? Welche Rückwirkung zeigt sich auf die Nutzung anderer Informationsquellen? Liegen in der Interneteinbindung in Berufsorientierungsprozesse Potentiale zur Reduzierung von Entscheidungsproblemen und Ausbildungs-/Studienabbrüchen? Die Ergebnisse des Forschungsprojekts vermögen auf diese Fragen erste Antworten zu geben. Untersucht wurde das Informationsverhalten von 808 Studienanfängern an Universitäten und Fachhochschulen in Bezug auf die Bewältigung des nachschulischen Übergangs. Der Beitrag verdeutlicht, dass Internetangebote nur ausgewählte Aspekte des komplexen Berufsorientierungsprozesses adressieren und dort ihre Stärken ausspielen, wogegen die Lücken durch die Informationssuchenden deutlich erkannt und reklamiert werden. Hierin drückt sich eine Nachfrage nach einem, für den nachschulischen Übergang relevanten, alltags- und berufsweltbezogenen Erfahrungswissen aus, welches primär – und durch das Internet nicht substituierbar – über den direkten Erfahrungsaustausch mit Gleichaltrigen und Älteren sowie professionellen Beratungsgesprächen vermittelt wird. Dafür spricht, dass die jungen Erwachsenen weder Internetforen noch die sozialen Netzwerke umfangreich in den Berufsorientierungsprozess einbinden.

Schlagwörter: Berufswahl – Internet – Schule-Beruf-Übergang – Studienabbruch

How do people eligible for higher education use the internet in their vocational orientation process?
Potentials and limits of internet-based information offers

The internet provides young adults with a mass of information about vocational orientation as well as counselling offers from various providers. However, there is little detailed knowledge regarding the different ways in which the internet is actually used, and how internet-based information relating to the vocational orientation process is evaluated by its users. What are the strengths and weaknesses of the various online offers? Can using the internet in vocational orientation processes reduce difficulties in decision-making and prevent dropout from vocational training and university? This research project provides first answers to these questions. The project investigated the information-seeking behaviour of 808 first year students at universities and universities of applied sciences as a function of how they coped with the transition from school to university. The paper illustrates that the internet offers only address selective aspects of the complex vocational orientation process. Despite certain strengths, information-seekers clearly recognise and complain about gaps. Interestingly, young adults do not widely use internet forums or social networks during the vocational orientation process. This indicates that both common- place and career-related information which is relevant for the transition from school to university, is primarily imparted through the direct contact with peers and older adults as well as through professional counselling. And this expertise cannot be substituted by the internet.

Keywords: choice of career – internet – transition from school to profession – university drop-out

Webgestützte Selbstreflexion von Abbruchrisiken bei Studierenden

Philipp Nolden und Marold Wosnitza

„Wie geht es Ihnen im Studium?“ Diese Frage stellt das in diesem Beitrag vorgestellte Online Tool zur Selbstreflexion der Studiensituation an Studierende. Um die Komplexität dieser Frage zu erfassen, wurde in einem mehrstufigen Prozess ein Instrumentarium entwickelt, das zentrale Faktoren zur Erklärung der Kriterien „Studienabbruchneigung“ und „Studienzufriedenheit“ berücksichtigt. Die ausgewählten Skalen wurden an einer Studie mit N = 781 Studierenden normiert, sodass das Tool den Studierenden ein Feedback zu den eigenen Angaben geben kann. Auf dieser Basis kann das Tool in die Beratungs- und Unterstützungsangebote von Hochschulen eingebunden werden. Der Beitrag beschreibt die Ziele sowie den Entwicklungs- und Normierungsprozess des Tools. Abschließend werden Anwendungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten für verschiedene Zielgruppen und Zielsetzungen diskutiert.

Schlagwörter: Selbstreflexion – Self-Assessment – Studienabbruch – Studienzufriedenheit

Web supported self-reflection of university students on drop-out risks

„How are you?“ – This is the question the presented online tool for self-reflection asks students regarding their study situation. In order to fully grasp the complexity of this question, an instrument was developed in a multi-stage process taking the main factors that explain the criteria ‘drop-out intention’ and ‘study satisfaction’ into account. The selected scales were tested and normalized in a study with N=781 students, enabling the tool to give students feedback on their statements. On this basis, the tool can be implemented in university advisory- and support offers. The paper describes the goals as well as the development and normalization process of the tool. Opportunities for application and further development for different target groups and goals are briefly discussed.

Keywords: self-assessment – self-reflection – study satisfaction – university drop-out

Netzwerke als kollektive Güter:
Hindernisse und Anreize gelungener Vernetzung in der dualen Berufsausbildung

Agathe Bienfait und Angela Ulrich

Das Modellprojekt „Prävention von Lehrabbrüchen (PraeLab)“ der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) zielt darauf ab, Jugendliche mit Ausbildungsabbruchrisiko zu identifizieren und ihnen frühzeitig einzelfallorientierte Beratungs- und Unterstützungsangebote anzubieten. Dabei ist die systematische Initiierung und Stabilisierung beratungsbezogener professioneller Unterstützungsnetzwerke ein wesentlicher Bestandteil der PraeLab-Methode. Auf Dauer soll das Netzwerken zu stabilen Bildungsketten führen, durch die den Auszubildenden ein kontinuierliches, ineinandergreifendes Beratungs- und Unterstützungsangebot angeboten werden kann. Im Juni 2015 wurden 210 Berufsbildungsfachkräfte, die seit 2012 an den PraeLab-Schulungen teilgenommen haben, über das inzwischen bestehende Vernetzungsniveau befragt. Die Ergebnisse der 62 Personen, die den Fragebogen ausgefüllt haben, geben einen exemplarischen Einblick in die institutionellen und finanziellen Herausforderungen einer erfolgreichen Netzwerkgestaltung. So zeigt sich, dass erfolgreiche Netzwerke auf Anreize und Rahmenbedingungen angewiesen sind, die die einzelnen Akteure zu nachhaltigem kollektivorientiertem Handeln motivieren. Sind diese Ressourcen nicht in ausreichendem Maße verfügbar, werden bestehende Netzwerke ausgehöhlt und in ihrer Intensität zurück gefahren.

Schlagwörter: Ausbildungssystem – Bildungsketten – Drop out – Netzwerk

Networks as collective goods.
Barriers and incentives for successful networking in the dual vocational training system

The project „Prevention of dropping out of an apprenticeship” (PraeLab) of the University of the Federal Employment Agency (HdBA) aims to identify young people with drop out risk and to offer them an early individual case-oriented counselling and support service. In this regard, the systematic initiation and stabilization of professional support networks is an essential part of the PraeLab-method. In the long run, the networking should increase the permeability of the education system in form of stable education links to offer continuous, interlocking guidance and support measures for young trainees. In June 2015, 210 experts in vocational counselling who have participated the PraeLab trainings since 2012 have been questioned about their actual networking level. The results of the 62 people who completed the questionnaire give an exemplary insight into the institutional and financial challenges of a successful network design. They also show that successful networking relies on incentives and conditions that motivate the various stakeholders to sustained collective oriented action. If these resources are not sufficiently available, existing networks will be eroded and driven back in their intensity.

Keywords: drop out – educational links – network – vocational training system

Abbrüche in der beruflichen Ausbildung:
Gründe, Folgen und Möglichkeiten der Prävention

Andreas Frey, Bernd-Joachim Ertelt und Jean-Jacques Ruppert

Für das Jahr 2014 wurde für Deutschland in der beruflichen Ausbildung eine Vertragslösungsquote von 24.6 Prozent berechnet. Somit ist die Lösungsquote seit Jahrzehnten immer noch auf sehr hohem Niveau. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und mehrdimensional. In diesem Artikel werden unterschiedliche Gründe und Folgen von Ausbildungsabbrüchen dargestellt und Möglichkeiten der Abbruchprävention exemplarisch vorgestellt.

Schlagwörter: Vertragslösungen – Abbruchgründe – Abbruchprävention – Beratung

Dropouts in vocational training:
Reasons, consequences, and ways of prevention

In 2014, the dropout rate from vocational training in Germany was 24.6 percent. This figure has been uncomfortably high for decades due to factors which are complex and multidimensional. In this paper, the authors present various causes and consequences of dropout from vocational training. They also provide practical examples of how to prevent dropout.

Keywords: dropout from vocational training – reasons for dropout – dropout prevention – counselling