Gabriele E. Dlugosch et al. (Hrsg.)

Empirische Pädagogik 2016 – 30 (2):

Gesundheit und Bildung: Schülergesundheit

18,90

Bibliographische Angaben

Herausgeber Gabriele E. Dlugosch
Julia Fluck
Christian Marquardt
Autoren Andreas Beelmann
Yvonne Blumenthal
Michaela Brohm
Gabriele E. Dlugosch
Andrea Dokter
Julia Feldmann
Julia Fluck
Bodo Hartke
Sarah Heid
Heike Hendl
Reinhold S. Jäger
Vera Kaltwasser
Constance Karing
Wolfgang Knörzer
Niko Kohls
Mirjam Kretschmer
Arnold Lohaus
Christian Marquardt
Dennis Nitkowski
Fridtjof W. Nussbeck
Franz Petermann
Ulrike Petermann
Stefanie Roos
Maren Schwab
Christina Storck
Milena Uhlemayr
Dominic Vogt
Annemarie Weber
Band/Heft 2
Erscheinungsjahr 2016
Jahrgang 30
ISBN-13 978-3-944996-28-8
ISBN-10 3-944996-28-3
ISSN 0931-5020
Seiten 192
Sprache Deutsch
Bindung Softcover

Inhaltsverzeichnis


Editorial

Gabriele E. Dlugosch, Julia Fluck und Christian Marquardt
Gesundheit und Bildung: Schülergesundheit


Beiträge

Fridtjof W. Nussbeck und Arnold Lohaus
Personale und soziale Ressourcen von Kindern und Jugendlichen mit psychosozialen Auffälligkeiten:
Ein Beitrag zu einer Fragebogenvalidierung

Annemarie Weber, Mirjam Kretschmer, Milena Uhlemayr, Vera Kaltwasser und Niko Kohls
Achtsamkeit in der Schule (AISCHU):
Ein Konzept zur Integration von Achtsamkeit in den Schulalltag

Heike Hendl und Maren Schwab
Konzeption, Durchführung und Evaluation eines Selbstwerttrainings auf gestalttherapeutischer Basis für Schüler der Sekundarstufe I am Gymnasium

Sarah Heid und Wolfgang Knörzer
Schüler stark machen
– ein Projekt in der Tradition des Empowermentansatzes der Gesundheitsförderung

Michaela Brohm und Dominic Vogt
Leistungsmotivation:
der Einfluss von Flowerleben und Reflexionsfähigkeit

Yvonne Blumenthal, Ulrike Petermann, Bodo Hartke, Stefanie Roos, Dennis Nitkowski und Franz Petermann
Intensivförderung im schulischen Setting:
Das „Training mit aggressiven Kindern“ im Rahmen des Rügener Inklusionsmodells

Julia Fluck
Formen von Onlineaggression unter Schülern
– eine Analyse latenter Klassen

Christina Storck, Andrea Dokter und Julia Feldmann
Konzepte der Verbreitung und nachhaltigen Implementation schulbasierter Präventionsprogramme am Beispiel Klasse2000

Constance Karing und Andreas Beelmann
Wirksamkeit und Implementation von Präventionsmaßnahmen in der Schule

Reinhold S. Jäger
Gesundheit und Bildung
– ein theoretischer Impetus, welcher den bedeutsamen Forschungsbereich theoretisch und praktisch voranbringen kann


Beschreibung der Beiträge

Personale und soziale Ressourcen von Kindern und Jugendlichen mit psychosozialen Auffälligkeiten:
Ein Beitrag zu einer Fragebogenvalidierung

Fridtjof W. Nussbeck und Arnold Lohaus

Personale und soziale Ressourcen können einen protektiven Effekt zur Unterstützung einer positiven Entwicklung entfalten. Der Fragebogen zu Ressourcen im Kindes- und Jugendalter (FRKJ 8- 16) dient der Erfassung von Entwicklungsressourcen im Altersbereich von 8 bis 16 Jahren. Dazu werden sechs personale und vier soziale Ressourcen einbezogen: (1) Perspektivübernahmefähigkeit, (2) Selbstwirksamkeit, (3) Selbstwertschätzung, (4) Kohärenzsinn, (5) Optimismus und (6) Selbstkontrolle als personale Ressourcen und (7) elterliche Unterstützung, (8) autoritativer Erziehungsstil, (9) Integration in die Peergruppe und (10) schulische Integration als soziale Ressourcen. In dieser Studie werden die Ressourcen von psychosozial auffälligen und unauffälligen Kindern und Jugendlichen (N = 56 bzw. 314 mit einem Durchschnittsalter von 10.2 bzw. 11.7 Jahren) kontrastiert, um dadurch einen Beitrag zur Validierung des FRKJ 8-16 zu leisten. Es zeigt sich, dass sowohl im Selbst- als auch im Elternbericht bei den klinisch auffälligen Kindern und Jugendlichen durchschnittlich weniger Ressourcen angegeben werden als bei unauffälligen Kindern und Jugendlichen. Weiterhin zeigt sich, dass die Zusammenhänge zwischen den zehn Ressourcen in der Gruppe der auffälligen Kinder und Jugendlichen konsistent geringer ausfallen als in der unauffälligen Gruppe. Die Befunde weisen damit auf die Validität des FRKJ 8-16 und legen nahe, dass eine Ressourcensteigerung (z. B. im Familien- und Schulkontext) zur Prävention von psychischen Auffälligkeiten beitragen kann.

Schlagwörter: psychosoziale Ressourcen – Prävention – klinische Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen – Ressourcenstärkung – Fragebogenvalidierung

Personal and social resources of children and adolescents with psychosocial problems:
A contribution to the validation of a questionnaire

Personal and social resources may be associated with positive effects supporting positive developments in children and adolescents. Thus, a resource questionnaire was constructed to assess the psychosocial resources of children and adolescents being 8 to 16 years old. It addresses six personal and four social resources: (1) perspective taking, (2) self-efficacy, (3) self-esteem, (4) sense of coherence, (5) optimism and (6) self-control as personal resources, and (7) parental support, (8) authoritative parenting, (9) integration in the peer-group and (10) school integration as social resources. In this study, we compare the resources of children and adolescents with and without psychosocial problems (clinical: N = 56 and non-clinical sample: N = 314 with a mean age of 10.2 and 11.7) to examine the validity of the constructed resource questionnaire. It was shown that the children and adolescents in the clinical sample report less personal and social resources than their counterparts in the non-clinical sample. These results are also reflected in the parental reports. Moreover, the correlations between the resource scales are consistently lower in the clinical than in the non-clinical sample. The results support the validity of the resource questionnaire and underline the significance of promoting the personal and social resources of children and adolescents (e. g. in family or school contexts) to contribute to the prevention of psychosocial problems.

Keywords: psychosocial resources – prevention – clinical problems in children and adolescents – strengthening resources – questionnaire validation

Achtsamkeit in der Schule (AISCHU):
Ein Konzept zur Integration von Achtsamkeit in den Schulalltag

Annemarie Weber, Mirjam Kretschmer, Milena Uhlemayr, Vera Kaltwasser und Niko Kohls

Rezenten Studien zufolge weisen viele Schüler eine hohe Stressbelastung mit deutlichen Symp-tomen auf und zeigen Defizite in sozialen und emotionalen Kompetenzen. Achtsamkeitsbasierte Programme können im Schulkontext einen Beitrag zum besseren Umgang mit Stress sowie zur Förderung personaler Kompetenzen leisten. Die vorliegende Studie erfasst mithilfe quantitativer Prä- und Postmessung Effekte eines 12-wöchigen achtsamkeitsbasierten Stressreduktionstrai-nings auf das Stressempfinden und die Emotionsregulation von Schülern einer 5. Jahrgangsstufe eines hessischen Gymnasiums. Qualitative Interviews mit teilnehmenden Schülern ermöglichen Aussagen zur Zielgruppenerreichbarkeit und subjektiven Wirksamkeitseinschätzung. Vertiefende Interviews mit involvierten Lehrkräften geben über Einflussfaktoren der Implementierung des Achtsamkeitstrainings Auskunft. Die quantitative Messung der Stressvulnerabilität, Stresssymp-tomatik und konstruktiv-palliativen Emotionsregulation erfolgte mit dem Fragebogen zur Erhe-bung von Stress und Stressbewältigung im Kindes- und Jugendalter (SSKJ 3-8). Die Ergebnisse der quantitativen Erhebung zeigten im Prä-Post-Vergleich signifikante Verbesserungen bei der physischen Stresssymptomatik sowie bei der Emotionsregulation, jedoch nur bei der physischen Stresssymptomatik einen signifikanten Unterschied zwischen Experimental- und Kontrollgruppe (p=.007). Nach subjektiver Einschätzung von Lehrkräften und Schülern wird die Klasse als ruhiger und konzentrierter im Vergleich zum Schulbeginn wahrgenommen.

Schlagwörter: Achtsamkeit – Evaluation – Schüler – Stress

Mindfulness in schools (AISCHU):
A concept to integrate mindfulness into the classroom

According to recent studies many students report high levels of stress with concomitant symp-toms of tension as well as deficits in social and emotional competencies. Mindfulness-based pro-grams in school may increase students’ abilities to cope with distress as well as their social and emotional competencies. The following study investigated the effects of a 12-week mindfulness-based stress reduction program in 5th grade students on stress perception and emotion regula-tion. Qualitative interviews with participating students were additionally conducted to gauge the program’s efficacy. In-depth interviews with involved teachers provide useful insights concerning factors for successful program implementation. Stress vulnerability, distress levels and the con-structive-palliative emotional regulation capacity were measured with a psychometrically valid scale (SSKJ 3-8). Quantitative results in a pre-post-comparison indicated, inter alia, a significant improvement of self-assessed constructive-palliative emotional regulation and of psychological distress levels, but only a significant intersample difference was found for physical stress levels (p=0.007). According to teachers and students subjective assessment students in the mindfulness class appeared to be calmer and more concentrated in comparison to start of school.

Keywords: evaluation – mindfulness – stress – students

Konzeption, Durchführung und Evaluation eines Selbstwerttrainings auf gestalttherapeutischer Basis für Schüler der Sekundarstufe I am Gymnasium

Heike Hendl und Maren Schwab

In der psychologischen Forschung gelten Selbst und Selbstwert als bedeutende Größen mit Einfluss auf Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Die vorliegende Arbeit stellt die Konzeption, Durchführung und Evaluation eines Selbstwerttrainings für Schüler vor. Im Schulalltag ist positiver Selbstwert vorwiegend an gute Leistungen gebunden, die das Selbstvertrauen stärken. Dagegen zielt das dargestellte Training auf Selbstakzeptanz, die leistungsunabhängig ist und in der Literatur als eine tragfähigere Säule des Selbstwertes gilt (Potreck-Rose & Jacob, 2004). Es basiert auf der Gestalttherapie, die als humanistisch-psychologisches Verfahren besonders die Selbstakzeptanz stärkt. Das Training wurde nach einem Einführungswochenende 7 Wochen lang einmal wöchentlich für 90 Minuten mit Schülern der Klassenstufen 5-7 eines Gymnasiums durchgeführt und evaluiert. Quantitative Auswertungen ergaben zwar keine signifikanten Ergebnisse, aber die subjektive Einschätzung der Schüler und Eltern zeigte eine positive Selbstwertentwicklung auch noch zum Zeitpunkt der Follow-up-Erhebung, so dass von einer anhaltenderen Veränderung durch das Training ausgegangen werden kann.

Schlagwörter: Gestalttherapie – leistungsunabhängiger Selbstwert – Selbstakzeptanz – Selbstwerttraining

Design, implementation, and evaluation of a self-esteem training based on gestalt therapy for high school students

In psychological research, self and self-esteem are considered important concepts with impact on health and quality of life. This article presents the design, application and evaluation of a selfesteem training for high school students. In everyday school life, positive self-esteem is mainly linked to academic achievement to strengthen the students’ self-confidence. In contrast, this training aims to improve self-acceptance, which is independent of performance and therefore seen as a more solid cornerstone of self-esteem (Potreck-Rose & Jacob, 2004). The training is based on gestalt therapy, a humanistic-psychological method which particularly strengthens selfacceptance. Following an orientation weekend, the training was conducted with high school students from grades 5-7 for 90 minutes once a week over a 7 week period. The training was evaluated quantitatively and qualitatively. While quantitative evaluations showed no significant results, the subjective evaluation of students and parents showed the development of positive self-esteem to the point of follow-up-measurement.

Keywords: achievement-independent self-esteem – gestalt therapy – self-acceptance – selfesteem training

Schüler stark machen
– ein Projekt in der Tradition des Empowermentansatzes der Gesundheitsförderung

Sarah Heid und Wolfgang Knörzer

Das Projekt „StarkmacherSchule“ wurde im Rahmen des ESF-geförderten Projekts XENOS an 23 Schulen der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt. Ein Mentaltrainingsprogramm und eine erlebnispädagogisch orientierte Musicalwoche sollten die Schüler in ihrer Persönlichkeitsent-wicklung nachhaltig stärken. In einer Pilotstudie wurde das Projekt an einem Standort untersucht. Die Ergebnisse der Varianzanalysen mit Messwiederholung zeigen, dass das Projekt die Selbstre-gulation und Selbstwirksamkeit der Schüler signifikant gegenüber einer Kontrollgruppe steigerte. Die Selbstregulation sank über das Schuljahr hinweg jedoch wieder auf das Ausgangsniveau zu-rück. Der Selbstwert stieg in beiden Gruppen signifikant über die Zeit an. Eine Triangulation mit qualitativen Daten aus Interviews mit Lehrkräften und Schulleitung stützte die Ergebnisse. Wei-tere Ergebnisse werden aufgeführt und die Notwendigkeit einer ressourcenorientierten Schul-entwicklung diskutiert.

Schlagwörter: Empowerment – Persönlichkeitsbildung – Selbstregulation – Selbstwirksamkeit

Empowering students
– a project in the tradition of empowerment theory of health promotion

The project “StarkmacherSchule” was conducted at 23 schools in Germany in line with the ESF-funded project XENOS. A mental training program was combined with a musical project in order to strengthen sustained personal development in students. Repeated measures analyzes of vari-ance showed that the intervention significantly increased scores of self-regulation and self-effi-cacy compared to a control group. However, self-regulation declined over the school year to baseline level. Students’ self-worth increased in both groups over time. A triangulation with qual-itative data derived from interviews with teachers and headmaster supported the quantitative re-sults. Further results are presented and the necessity of resource oriented school development is discussed.

Keywords: empowerment – personal development – self-regulation – self-efficacy

Leistungsmotivation:
der Einfluss von Flowerleben und Reflexionsfähigkeit

Michaela Brohm und Dominic Vogt

Leistungsmotivation, Flowerleben und soziale Eingebundenheit bei Lernprozessen sind grundle-gende Faktoren für akademischen Erfolg. Ziel dieser Studie war es, den möglichen Einfluss von Faktoren der sozialen Kompetenz und des Flowerlebens auf die Leistungsmotivation zu unter-suchen. Wir haben Flow, Leistungsmotivation (Leistungsstreben, Ausdauer und Fleiß, Angst vor Erfolg, Prüfungsangst) und soziale Kompetenz (soziale Orientierung, Selbststeuerung, Reflexibili-tät) anhand von Fragebögen in zwei Stichproben erhoben. Stichprobe 1 setzte sich aus 252 Schü-lern (50.8 % weiblich) der Jahrgangsstufen 4 und 5 zusammen, Stichprobe 2 aus 402 Schülern (55.6 % weiblich) der Jahrgangsstufen 7 und 9 sowie der Oberstufe. In beiden Stichproben haben wir anhand von Mehrebenenanalysen Assoziationen zwischen Sozialkompetenz sowie Flow mit Leistungsmotivation analysiert. Ein hohes Flowerleben war in beiden Stichproben signifikant mit hohem Leistungsstreben und hohen Werten für Ausdauer und Fleiß assoziiert. Hohe Reflexibilität ging ebenfalls in beiden Stichproben mit hohen Werten für Leistungsstreben einher, aber auch mit hohen Werten für Angst vor Erfolg und Prüfungsangst. Zusätzlich fanden wir in Stichprobe 1 hohe Werte für Aus-dauer und Fleiß bei hoher Reflexibilität. In Stichprobe 2 war hohe Selbststeuerung signifikant as-soziiert mit hohen Werten für Fleiß und Ausdauer, niedriger Angst vor Erfolg und niedriger Prü-fungsangst. Flowerleben, Reflexibilität und Selbststeuerung von Schülern sind stark mit verschie-denen Aspekten der Leistungsmotivation assoziiert. Flowerleben und Autonomie sind wichtige Faktoren für die Entstehung intrinsischer Motivation. Reflexibilität weist sowohl negative als auch positive Zusammenhänge mit Leistungsmotivation auf. Daher scheint besonders eine ressourcenorientierte Selbstreflexion sinnvoll, um positive Effekte zu stärken und negative Effekte zu schwächen.

Schlagwörter: Flow – Leistungsmotivation – Sozialkompetenz

Achievement motivation:
associations with flow experience and ability to reflect

Achievement motivation, experiencing flow and social inclusion during the learning process are basic factors for academic success. Aim of this study was to estimate possible associations between social competence, flow experience and achievement motivation. We collected questionnaire data for flow, achievement motivation (dedication to performance, endurance and diligence, fear of success, test anxiety) and social competence (social awareness, self-guidance, self-reflexiveness) in two different student samples. Sample 1 consisted of 252 primary school and lower level students (50.8% female), sample 2 of 402 middle and upper school students (55.6% female). In both samples, we used multilevel linear modeling to estimate possible asso-ciations between social competence and flow with achievement motivation. High flow experience was associated with high dedication to performance and high endurance and diligence in both samples. Also in both samples, high self-reflexiveness was linked to high dedication to performance, however also with high fear of success and test anxiety. In addition, in sample 1, we found higher endurance and diligence when self-reflexiveness was high. In sample 2, high self-guidance was significantly associated with high endurance and diligence, low fear of success and low test anxiety. Experiencing flow, self-reflexivness and self-guidance of students are strongly linked to different aspects of achievement motivation. Experiencing flow and auto-nomy are important factors for the development of intrinsic motivation. Self-reflexivness is re-lated to achievement motivation both in a positive and a negative way. Therefore a resource-oriented self-reflexion seems to be reasonable to strengthen positive effects and to weaken neg-ative effects.

Keywords: achievement motivation – flow – social competence

Intensivförderung im schulischen Setting:
Das „Training mit aggressiven Kindern“ im Rahmen des Rügener Inklusionsmodells

Yvonne Blumenthal, Ulrike Petermann, Bodo Hartke, Stefanie Roos, Dennis Nitkowski und Franz Petermann

Das Rügener Inklusionsmodell ist ein Schulungskonzept, das darauf abzielt, Kinder mit Förderbe-darf in der sozial-emotionalen Entwicklung frühzeitig zu erkennen, um nach einem gestuften Mehrebenenansatz spezifische Fördermaßnahmen einzusetzen. Der Erfolg der ausgewählten Maßnahme wird dabei kontinuierlich überprüft. Es wurden 18 Rügener Grundschüler (Alters-durchschnitt: 8.05 Jahre; SD = .03), die zu Beginn des zweiten Schuljahres durch aggressives Ver-halten auffielen und deutliche Defizite im sozial kompetenten Verhalten aufwiesen, ausgewählt, um an einer schulbasierten Version des „Trainings mit aggressiven Kindern“ (Petermann & Petermann, 2012) teilzunehmen. Das Training wurde von Sonderpädagogen unter Supervision realisiert. Klassen- und Bezugslehrer schätzten die Grundschüler vor, während und einen Monat nach dem Training hinsichtlich Sozial- und Problemverhalten ein. Nach dem Training sahen die Lehrkräfte vor allem die Fähigkeiten zur Selbstwahrnehmung, Selbstkontrolle und zur angemessenen Selbstbehauptung gestärkt; zudem wurden ein Rückgang an sozialen Problemen und eine Abnahme von Aufmerksamkeitsproblemen beobachtet.

Schlagwörter: Aggression – Grundschule – Rügener Inklusionsmodell – sozial-emotionale Entwicklung

Promoting social and emotional competence in elementary school:
The Training with Aggressive Children within the project “Rügener Inklusionsmodell”

The “Rügener Inklusionsmodell” (RIM) is a project, which aims to detect pupils with special needs in their social-emotional development in order to provide specific support and secure school attendance. Being a staged multi-level approach, the RIM-interventions can be successively in-tensified if necessary. 18 elementary school-pupils (mean age=8.05 years; SD=.03) with marked social-emotional deficits and aggressive children receiving support at the highest RIM-level ad-ditionally participate on the Training with Aggressive Children (Petermann & Petermann, 2012). The training was conducted by social education workers. Teachers filled in questionnaires to rate pupils’ social behaviour and psychopathology before, during and after the intervention. After training completion teachers stated an increase in self-perception adequacy, self-control and self-assertion. With regard to psychopathology, teachers reported a decrease in social problems and attention problem.

Keywords: aggression – elementary school – “Rügener Inklusionsmodell” – social-emotional development

Formen von Onlineaggression unter Schülern
– eine Analyse latenter Klassen

Julia Fluck

Onlineaggression bzw. Cyberbullying hat verschiedene Erscheinungsformen, die in der Literatur üblicherweise mit Taxonomien über verschiedene Verhaltensweisen (z. B. Beleidigungen, Ausgrenzungen) oder mit Taxonomien über verschiedene Kommunikationswege (z. B. Telefonanrufe, E-Mails) kategorisiert werden. Kombiniert man beide Taxonomien, so resultieren zehn Arten von Onlineaggression. In der vorliegenden Studie wird untersucht, ob sich anhand dieser Formen Typen von Opfern identifizieren lassen, die sich dahingehend unterscheiden, welche Formen von Onlineaggression sie erlebt haben. Latente Klassenanalysen (LCAs) mit einer bis fünf Klassen favorisieren eine Dreiklassenlösung, bei der sich die Klassen jedoch nur hinsichtlich der Anzahl der erlebten Arten von Onlineaggression unterscheiden, qualitative Unterschiede zwischen den Klassen wurden nicht gefunden. Die Ergebnisse der LCAs werden dargestellt und ihre Implikationen diskutiert.

Schlagwörter: Cyberbullying – Klassifikation – latente Klassenanalyse – Onlineaggression

Types of online aggression among students
– a latent class analysis

Cyberaggression and Cyberbullying can have many different faces, which scientific literature usually summarizes under types of action (e. g. harassment, exclusion) or types of media (e. g. calls, e-mails). Combining these two approaches yields ten forms of online aggression. This study investigates if there exist types of cybervictims, which differ in respect to the kind of forms they experience. Analyses of latent classes (LCA) with one, two, three, four and five classes favour a solution with three classes. However, the members of these classes do not differ in respect to the types of aggression they experience, but in respect to the extent they experience it. The results of the LCAs are presented and their implications are being discussed.

Keywords: cyberaggression – cyberbullying – classification – latent class analysis

Konzepte der Verbreitung und nachhaltigen Implementation schulbasierter Präventionsprogramme am Beispiel Klasse2000

Christina Storck, Andrea Dokter und Julia Feldmann

Das im Juni 2015 verabschiedete Präventionsgesetz stärkt die Bedeutung der Prävention im Setting und damit auch der schulischen Gesundheitsförderung. Einige Programme der Gesundheitsförderung und Suchtvorbeugung an Schulen können ihre Wirksamkeit in kontrollierten Studien belegen. Nach dem Stadium der Entwicklung und Evaluation fehlen jedoch häufig Struktur und Finanzierung, um wirksame Programme in die breite Praxis zu bringen und nachhaltig zu implementieren. Ein Good Practice-Beispiel bildet Klasse2000, ein Unterrichtsprogramm zur Gesundheitsförderung, Gewalt- und Suchtvorbeugung in der Grundschule. Die Langzeitwirkung auf den Substanzkonsum konnte in einer Kontrollgruppenstudie noch am Ende der 7. Klasse bestätigt werden (Isensee, Maruska & Hanewinkel, 2015). Mit seiner Verbreitung in 14 % der Grundschulklassen in Deutschland erreicht es eine so große Anzahl an Kindern, dass es tatsächlich eine gesellschaftliche Wirkung entfalten kann. Am Beispiel von Klasse2000 werden Strategien aufgezeigt, die eine Dissemination in die Praxis befördern und zu einer erfolgreichen Implementation beitragen können. Diese sind z. B. der Einsatz externer Gesundheitsförderer, eine dezentrale Finanzierungsstruktur und Unterstützung durch zahlreiche Akteure der Zivilgesellschaft.

Schlagwörter: Implementation – schulbasierte Präventionsprogramme – Suchtprävention

Concepts of dissemination and high-quality implementation of schoolbased prevention programs using the example of Klasse2000

The Prevention Act passed in June 2015 emphasizes the importance of prevention in settings and strengthens school-based health promotion in Germany. Some evaluated programs for health promotion and substance abuse prevention in schools already exist. After developing and evaluating the program, however, there is often a lack of structural and financial support in order to disseminate evidence-based programs and to achieve a long-term implementation. A good practice example is Klasse2000, a program for health promotion and substance abuse prevention in elementary schools. The long-term effects could be confirmed at the end of the 7th grade (Isensee, Maruska & Hanewinkel, 2015). Klasse2000 is implemented in 14% of all elementary schools in Germany and therefore reaches a number of children large enough to develop social outcomes. Using the example of Klasse2000 this article reveals strategies underlying a highquality implementation, e.g. the involvement of Klasse2000 health experts, a decentralized financing structure and the support of numerous volunteers and other social actors.

Keywords: dissemination – implementation – school-based prevention programs – substance abuse prevention

Wirksamkeit und Implementation von Präventionsmaßnahmen in der Schule

Constance Karing und Andreas Beelmann

Der schulische Kontext eignet sich aus zahlreichen Gründen besonders gut für die Umsetzung von Präventionsmaßnahmen. Insbesondere vor dem Hintergrund der hohen Zusammenhänge zwischen gesundheitlichen, kognitiven und sozialen Entwicklungsproblemen ist die Implementation von Präventionsmaßnahmen im schulischen Kontext auch für das schulische Lernen bedeutsam. Im vorliegenden Beitrag wird zunächst skizziert, welche Präventionsbereiche einen hohen Stellenwert in der schulischen Präventionsarbeit haben und welche tatsächlichen Präventionsmaßnahmen im schulischen Setting durchgeführt werden. Anschließend werden die am häufigsten angewandten Präventionsprogramme ausführlicher dargestellt sowie hinsichtlich deren Wirksamkeit diskutiert. Abschließend werden neben Wirksamkeitsfaktoren ebenso Faktoren erörtert, die für eine erfolgreiche Implementierung solcher Maßnahmen im schulischen Kontext entscheidend sind.

Schlagwörter: Implementationsbedingungen – Prävention – Schule – Wirksamkeitsforschung

Effectiveness and implementation of preventive interventions in the school setting

Schools are ideal settings for the implementation of preventive interventions. Against the background that there are high relations between health, cognitive and social developmental problems, the implementation of prevention programs in the school setting should be very important for learning. The article describes what kind of prevention has a high priority in the prevention activities at school and what kind of prevention programs are implemented in the school setting. Then the most commonly used prevention programs are presented and discussed in regard to their effectiveness. The article closes by discussing effectiveness and factors that are important for the implementation of preventive interventions.

Keywords: effectiveness – implementation – prevention – school

Gesundheit und Bildung
– ein theoretischer Impetus, welcher den bedeutsamen Forschungsbereich theoretisch und praktisch voranbringen kann

Reinhold S. Jäger

Dieser Beitrag geht von zwei Modellen aus, denen im Kontext von Bildung und Gesundheit eine besondere Bedeutung zugemessen wird: Zum einen wird ein Makromodell formuliert, das Randbedingungen expliziert, unter denen die Thematik Gesundheit zu behandeln ist. Hieraus geht hervor, dass sowohl hinsichtlich der singulären Schulen, Klassen und Einzelpersonen besondere spezielle Bedingungen zu berücksichtigen sind, die für weitere Bildungsforschung im Allgemeinen und Gesundheitsforschung im Besonderen eine prominente Bedeutung haben. Zum zweiten erfolgt eine Orientierung am Modell des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM), das auf Schule übertragen wird. Die dabei verwendeten Ordnungskategorien Diagnostik, Intervention und Evaluation werden aufgegriffen und problematisiert. Hierbei werden verschiedene als relevant erachtete Einzelaspekte auf der Basis von unterschiedlichen Fragestellungen aufgegriffen, die einerseits die Notwendigkeit unterstreichen, in einzelnen Unter-suchungen präziser zu handeln, damit andererseits erkenntnistheoretisch wertvollere Aussagen als bislang gewonnen werden, die zugleich nützlich und für die Betroffenen nachhaltig sind.

Schlagwörter: Diagnostik – Evaluation – Gesundheitsforschung – Intervention – Randbedingungen

Education and health
– a theoretical impetus, which can promote the important area of research in theory and practice

This paper is based on two models of significant importance in the context of education and health: Firstly, a macro model is formulated. It explicates boundary conditions under which the subject health has to be treated. From that model it can be deduced that in singular schools, classes and individuals special constraints have to be considered which have a prominent importance for further educational research in general and health research in particular. Secondly, there is a focus on the model of occupational health management that is transferred to the school setting. The order categories diagnostics, intervention and evaluation are discussed and the problems are expounded. Different aspects considered as relevant are reflected. They are described with regard to questions and following answers. They all emphasize the need for more accurate formulated and planned individual studies on one hand, on the other hand epistemologically valuable statements are gained that are sustainable and useful for persons concerned.

Keywords: boundary conditions – diagnosis – evaluation – health research – intervention