Julia Fluck et al. (Hrsg.)

Empirische Pädagogik 2018 – 32 (1):

Überfachliche Kompetenzen als kompetenzgenerierende Lösungsmuster

15,90

Inhaltsverzeichnis


Editorial

Thomas Prescher, Christian Marquardt und Julia Fluck
Überfachliche Kompetenzen als kompetenzgenerierende Lösungsmuster


Beiträge

Jana Groß Ophoff, Sandra Schladitz und Markus Wirtz
Motivationale Zielorientierungen als Prädiktoren der Forschungskompetenz Studierender in den Bildungswissenschaften

Manuel Förster und Roland Happ
Studiengangsspezifische Unterschiede im finanziellen Wissen und Verstehen in Deutschland

Jennifer Stemmann
Problemlösen im Umgang mit technischen Geräten –
eine allgemeine oder kontextspezifische Kompetenz?

Veronika Verbeek und Franziska Perels
Modellierung und Validierung überfachlicher Kompetenzen angehender Erzieherinnen und Erzieher

Carolin Hass, Julia Fluck und Michael Zimmer-Müller
Wahrgenommener Fortbildungsbedarf von Lehrkräften –
eine explorative Studie zum Vergleich von Fortbildungswünschen mit den Anforderungen an das Professionswissen von Lehrpersonen

Christoph Giehl, Christian Bogner, Jochen Mayerl und Thomas Prescher
Bildungskultur-Inventar: Entwicklung und Validierung eines Instruments zur Erfassung überfachlicher Kompetenzen


Rezension

Reinhold S. Jäger
Kansteiner, K. & Stamann, C. (2015): Personalentwicklung in der Schule zwischen Fremdsteuerung und Selbstbestimmung


Beschreibung der Beiträge

Motivationale Zielorientierungen als Prädiktoren der Forschungskompetenz Studierender in den Bildungswissenschaften

Jana Groß Ophoff, Sandra Schladitz und Markus Wirtz

Die Fähigkeit bildungswissenschaftlich fundierte Informationen zielgerichtet zu erschließen, zu durchdringen, kritisch zu reflektieren und ggf. auf konkrete Problemstellungen anzuwenden (Bildungswissenschaftliche Forschungskompetenz) ist grundlegend für kontinuierliche Professionalisierung in pädagogischen Berufsfeldern und soll schon während des Studiums vermittelt werden. Da Lernprozesse auch im Hochschulbereich durch motivationale Aspekte beeinflusst werden, widmet sich dieser Beitrag der Frage, ob und in welchem Ausmaß Zielorientierungen die mit einem Kompetenztest gemessen bzw. selbst eingeschätzte Forschungskompetenz von Studierenden der Bildungswissenschaften vorhersagen. Die Daten stammen aus zwei Studien (1. 1 360 Studierende, 6 Hochschulen, WS2012/2013 und SoSe2013; 2. 114 Studierende, 1 Hochschule, SoSe2014), die basierend auf IRT- und Strukturgleichungsmodellen ausgewertet wurden. Während sich die Lernorientierung als positiver Prädiktor für die selbsteingeschätzte Forschungskompetenz und Arbeitsvermeidung als negativer Prädiktor für die Leistung im Kompetenztest erwiesen haben, ergaben sich keine Effekte für die Annäherungsleistungszielorientierung. Außerdem zeigte sich entgegen der in der Literatur berichteten Befunde tendenziell ein positiver Effekt der Vermeidungsleistungszielorientierung auf die Entwicklung von BFK. Die Ergebnisse werden abschließend kritisch diskutiert, in den Stand der Forschung eingeordnet und Vorschläge für weitere Forschung formuliert.

Schlagwörter: bildungswissenschaftliche Forschungskompetenz – Hochschulbildung – Professionalisierung – Zielorientierungen

Motivational goal orientations as predictors of Educational Research Literacy of Educational Science students

The ability to purposefully access, reflect, and use evidence from educational research (Educational Research Literacy) is fundamental for continuous professionalization in educational practice and is expected to be acquired during higher education. Because motivational aspects influence learning processes, this contribution delves into the question, whether and to what effect goal orientations predict the proficiency of Educational Science students assessed by competency tests or self-reports. The samples stemmed from two studies (1. 1 360 students, 6 German universities, winter semester 2012/2013 and summer semester 2013; 2. 114 students, 1 university, summer semester 2014), and were analyzed based on IRT- and structure equation modeling. While a learning orientation proved as positive predictor of self-reported research literacy and work avoidance as negative predictor of test performance, no effects could be found for performance- approach goal orientation. Somewhat contrary to reported findings, a tendency could be shown that performance-avoidance goal orientation has a positive effect on the development of Educational Research Literacy. Subsequently, the results are critically discussed with regard to the current state of research, and recommendations for future research are stated.

Keywords: educational research literacy – goal orientations – higher education – professionalization

Studiengangsspezifische Unterschiede im finanziellen Wissen und Verstehen in Deutschland

Manuel Förster und Roland Happ

In dem Beitrag wird untersucht, inwieweit zwischen Studieneinsteigern aus unterschiedlichen Studiengängen Unterschiede im finanziellen Wissen und Verstehen als Facette der überfachlichen Kompetenz Financial Literacy bestehen. Studierende der Rechtswissenschaften, der Wirtschaftswissenschaften, der Wirtschaftspädagogik, der Sozialwissenschaften und der Psychologie schneiden deutlich besser ab als Studierende der Translationswissenschaften und der Bildungswissenschaften. Weiterführende statistische Modellierungen zeigen, dass sich die Differenzen zwischen den Studiengängen über personelle Eigenschaften der Studieneinsteiger, die sich durch Selektionsprozesse bei der Wahl des jeweiligen Studiengangs unterscheiden, größtenteils erklären lassen. Gerade das Geschlecht, der Migrationshintergrund, das Interesse an finanzwirtschaftlichen Themen und die Note der Hochschulzugangsberechtigung tragen zu studiengangsspezifischen Differenzen zwischen den Studieneinsteigern bei. Die Befunde verweisen darauf, dass für bestimmte Studiengänge eine Förderung des finanziellen Wissens und Verstehens zu Studienbeginn ansetzen sollte.

Schlagwörter: finanzielles Grundverständnis – Interesse an finanzwirtschaftlichen Themen – Studieneinsteiger – Test of Financial Literacy

Differences in knowledge and understanding of personal finance in Germany related to the degree course of beginning students

The paper examines to what extent differences between beginning college students’ interdisciplinary competence of financial literacy are related to the different degree courses. Students of law, business and economics, business and economics education, social sciences, and psychology perform significantly better than students of translation and educational science. Further statistical models show that these differences can be explained by differences in students’ personal characteristics stemming from study selection processes. In particular, gender, migration background, interest in financial issues, and the grade of the university entrance qualification contribute to differences between beginning students’ financial literacy in various degree courses. The findings indicate that financial literacy should be fostered at an early stage within certain degree courses.

Keywords: beginning college students – Financial Literacy – Interest in financial issues – Test of Financial Literacy

Problemlösen im Umgang mit technischen Geräten –
eine allgemeine oder kontextspezifische Kompetenz?

Jennifer Stemmann

Probleme lassen sich nicht immer eindeutig in eine der beiden Kategorien fachübergreifend und fachspezifisch einordnen. Das Lösen von Problemen, die in einem spezifischen Kontext eingebunden sind, kann durch Vorwissen beeinflusst werden. Allerdings ist das dabei benötigte Wissen nicht immer so spezifisch, dass ein Ausgleich von Wissensdefiziten nicht noch während der Problembearbeitung möglich ist. Dieser Beitrag untersucht, ob sich die Kompetenz zum Lösen von solchen kontextspezifischen aber wenig fachspezifischen Problemen von einer fachübergreifenden Problemlösekompetenz abgrenzt. Der Kontext aus dem die Probleme in dieser Untersuchung stammen ist der Umgang mit technischen Alltagsgeräten. 147 Studierende einer technischen Fachrichtung explorierten und steuerten hierfür an einem Computer simulierte technische Systeme. Neben dem Einsatz eines ebenfalls computerbasierten allgemeinen Problemlösetests zur Prüfung diskriminanter Validität wurde außerdem ein Test zur Erfassung fluider Intelligenz eingesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Problemlösekompetenz im Umgang mit technischen Geräten von einer fachübergreifenden Problemlösefähigkeit trotz der hohen Zusammenhänge empirisch voneinander trennen lässt. Diese Zusammenhänge werden bei Berücksichtigung der Intelligenz deutlich geringer, was außerdem für eine Differenzierbarkeit der beiden Konstrukte spricht.

Schlagwörter: computerbasierte Kompetenzdiagnostik – diskriminante Validität – kontextspezifisches Problemlösen – technische Alltagsgeräte

Problem solving in handling technical devices –
a general or contextspecific competence?

Problems cannot always be clearly and unequivocally classified into one of the two categories interdisciplinary and subject-specific problems. Solving of problems, that are involved in a specific context can be influenced by prior knowledge. However, the knowledge required is not always so specific that a compensation of knowledge deficiencies is not possible during problem processing. This paper examines whether the competence for solving such context-specific but little subject-specific problems is differentiated from a cross-disciplinary problem-solving competence. The context of the problems in this study is the use of technical everyday devices. 147 students of a technical discipline explored and controlled simulated technical systems on a computer for this purpose. In addition to the use of a computer-based general problem-solving test for the examination of discriminant validity, a test for the detection of fluid intelligence was also used. The results show that the problem-solving competence in handling of technical devices can be separated empirically from a cross-disciplinary problem-solving capability despite the high correlations. These relationships are significantly reduced when the intelligence is considered, which also indicates the differentiability of the two constructs.

Keywords: computerbased competence diagnostics – context-specific problemsolving – discriminant validity – technical everyday devices

Modellierung und Validierung überfachlicher Kompetenzen angehender Erzieherinnen und Erzieher

Veronika Verbeek und Franziska Perels

Ziel einer Längsschnittstudie an insgesamt 534 Fachschülerinnen und Fachschülern während der dreijährigen Erzieherausbildung war die Modellierung und Messung berufsrelevanter überfachlicher Kompetenzen und die Validierung der Skalen an Ausbildungserfolgsmaßen. Nach der erfolgreichen Modelltestung einer Taxonomie von 22 überfachlichen Kompetenzen in den drei Modulen Personale und Interpersonale Kompetenzen (Modul 1), Motivationale und Volitionale Kompetenzen (Modul 2) sowie Kognitive und Metakognitive Kompetenzen (Modul 3) wurden die Auswirkungen überfachlicher Kompetenzen nach der zweijährigen schulischen Ausbildungsphase auf den multikriterial erhobenen abschließenden Ausbildungserfolg untersucht. Überfachliche Kompetenzen ließen drei der sechs untersuchten Ausbildungserfolgskriterien (Fachschulnoten, Theorie-Praxis-Transfer, Berufspraktische Kompetenz) praktisch bedeutsam vorhersagen. Die Studie leistet einen Beitrag zur Professionsforschung und bietet Ansatzpunkte für eine verbesserte Qualifizierung angehender Erzieherinnen und Erzieher.

Schlagwörter: Erzieherin/Erzieher – Evaluation – Fachschulen für Sozialpädagogik – überfachliche Kompetenzen

Modeling and validation of cross-curricular competences of prospective state certified educators

This longitudinal study aimed at the modeling, measuring and validating of professional crosscurricular competences with regard to the three year vocational training of state-certified educators in Germany. In a sample of 534 students, 22 cross-curricular competences were successfully tested by differentiating three questionnaire modules: personal and interpersonal skills (module 1), motivational and volitional learning skills (module 2), and cognitive and metacognitive learning skills (module 3). Furthermore, the impact of cross-curricular competences on the final outcome, which was captured with multiple criteria, was examined during the apprenticeship in the first two years. Cross-curricular competences significantly predicted three out of six criteria of training success (school grades, theory-practice transfer, professional competence in practice). The study provides a contribution to professional research and to an enhanced qualification of prospective educators.

Keywords: cross-curricular competences – education personnel – evaluation – social education

Wahrgenommener Fortbildungsbedarf von Lehrkräften –
eine explorative Studie zum Vergleich von Fortbildungswünschen mit den Anforderungen an das Professionswissen von Lehrpersonen

Carolin Hass, Julia Fluck und Michael Zimmer-Müller

Im vorliegenden Beitrag wird der im Rahmen einer explorativen Studie erfasste Fortbildungsbedarf von N = 176 Lehrpersonen berichtet und hinsichtlich der Variablen Schulart, Berufserfahrung und Geschlecht analysiert. Darüber hinaus wird ein Vergleich mit dem als für den Lehrerberuf erforderlichen Professionswissen (Baumert & Kunter, 2006) sowie mit den in den Standards der Lehrerbildung (Kultusministerkonferenz, 2004) beschriebenen erforderlichen Kompetenzen für den Lehrerberuf vorgenommen. Die Lehrpersonen nennen eine Vielzahl verschiedener Themen, wobei besonders oft ein Bedarf zu fachspezifischer Fortbildung sowie darüber hinaus zu den Themen Heterogenität und Differenzierung, Inklusion, Medien(-einsatz), Schüler mit besonderen Problemen und Didaktik und (besondere) Methoden geäußert wird. Es zeigen sich Unterschiede in den Bedarfen je nach Schulart, an der die Lehrpersonen unterrichten, außerdem äußern berufserfahrene Lehrpersonen häufiger einen Bedarf an fachspezifischer Fortbildung. Geschlechterunterschiede zeigen sich nicht. Die Ergebnisse werden vor dem theoretischen Hintergrund zu Wissensbereichen des Professionswissens von Lehrpersonen diskutiert.

Schlagwörter: Fortbildungsbedarf – Professionswissen – Standards der Lehrerbildung

Teachers‘ perceived need for retraining –
a comparison with teachers’ professional knowledge

This paper presents the results of an exploratory study on teachers’ demands for continuing education in the third phase of teacher education. 176 teachers were asked to name the five most important topics, for which they see a need for retraining. First exploratory analyses investigate the influence of gender, professional experience and school form. Results are compared with teachers’ professional knowledge (Baumert & Kunter, 2006) and the standards for teacher education (Kultusministerkonferenz, 2004). Teachers name a great number of different topics, such as (most commonly named) retraining relating to specific school subjects, heterogeneity and differential teaching, inclusion, media use, children with specific needs and problems as well as didactics. Older teachers were more interested than younger teachers in retraining relating to specific school subjects. Also, the type of school, where teachers work, has an influence on their needs for continuing education. However, no gender differences were found in this study. Results are discussed against the theoretical background of teachers’ professional knowledge.

Keywords: need for retraining – professional knowledge – standards for teacher education

Bildungskultur-Inventar: Entwicklung und Validierung eines Instruments zur Erfassung überfachlicher Kompetenzen

Christoph Giehl, Christian Bogner, Jochen Mayerl und Thomas Prescher

Der Kern der Bolgna-Reform für die Lehre an Universitäten kann in der Forderung nach einer kompetenzorientierten Lehre gesehen werden. Im Zentrum stehen neben fachlich-inhaltlichen Kompetenzen, die Förderung überfachlicher Kompetenzen, insbesondere der sozialen und personalen Kompetenz. Bildungsinstitutionen müssen sich so zunehmend die Frage stellen, inwiefern ihre Bildungsangebote tatsächlich kompetenzförderlich gestaltet sind, um dem Willen der Akteure von Bologna gerecht zu werden und selbst am Markt der Bildungsträger wettbewerbsfähig zu bleiben. Hierzu wurde am Fachgebiet Pädagogik der Technischen Universität Kaiserslautern das „Bildungskulturinventar“ (BKI), ein Instrument zur Lehrveranstaltungsevaluation, entwickelt, welches neben reinen summativen Elementen auch Indikatoren für das Kompetenzmonitoring enthält. Im vorliegenden Beitrag werden die Ergebnisse einer konfirmatorischen Faktorenanalyse zur Testung und Validierung des Kompetenzmonitoring präsentiert.

Schlagwörter: Bildungskultur-Inventar – konfirmatorische Faktorenanalyse – Messmodelle – überfachliche Kompetenz

Inventory of educational culture: development and validation of an instrument to measure social and personal competences

The core of the Bologna reform for teaching at universities can be seen in the demand for a competence-oriented teaching. In addition to professional competencies, the focus is on the promotion of interdisciplinary, social and personal competences. For educational institutions the question must be raised about the extent to which their educational offers are actually designed to promote competence. This is crucial in order to be able to live up to the will of Bologna and to be competitive on the market of education providers. For this purpose the “Bildungskultur-Inventar” (BKI; engl.”Inventory of Educational Culture”) was developed at the Department of Pedagogy at the Technical University of Kaiserslautern. It is an instrument for the student apprenticeship evaluation, which contains not only pure summative elements but also indicators for students’ competence monitoring. The paper presents the results of a confirmatory factor analysis for the testing and validation of the competence monitoring.

Keywords: confirmatory factor analysis – inventory of Educational Culture – measurement models – social and personal competences

Zusätzliche Informationen

Herausgeber Thomas Prescher
Christian Marquardt
Julia Fluck
Autoren Christian Bogner
Julia Fluck
Manuel Förster
Christoph Giehl
Jana Groß Ophoff
Roland Happ
Carolin Hass
Christian Marquardt
Jochen Mayerl
Franziska Perels
Thomas Prescher
Sandra Schladitz
Jennifer Stemmann
Veronika Verbeek
Markus Wirtz
Michael Zimmer-Müller
Band/Heft 1
Erscheinungsjahr 2018
Jahrgang 32
ISBN-13 978-3-944996-49-3
ISBN-10 3-944996-49-6
Seiten ca. 124
Sprache Deutsch
Bindung Softcover