Empirische Pädagogik 2014 – 28 (4)

15,90

Bibliographische Angaben

Autoren Herbert Altrichter
Christin Celebi
Gabriele E. Dlugosch
Antje Ehlert
Annemarie Fritz
Reinhold S. Jäger
David Kemethofer
Jennifer Koss
Barbara Krahé
Gerlinde Lenske
Daniela Ofner
Nadine Spörer
Michael Wingert
Annika Wolf
Band/Heft 4
Erscheinungsjahr 2014
Jahrgang 28
ISSN 0931-5020
Seiten 132
Sprache Deutsch
Bindung Softcover

Inhaltsverzeichnis


Beiträge

Christin Celebi, Nadine Spörer und Barbara Krahé
Förderung professionsbezogener Selbstregulation im Umgang mit Beanspruchung bei Lehramtsstudierenden im Vergleich mit einer alternativen Intervention

Daniela Ofner
Wie hängen Wissen und Handeln in der Sprachförderung zusammen?
Eine explorative Untersuchung der Sprachförderkompetenz frühpädagogischer Fachkräfte

Antje Ehlert, Annika Wolf, Jennifer Koss und Annemarie Fritz
Schülerkompetenzen zum Dividieren beim Übergang zwischen Primar- und Sekundarstufe

David Kemethofer und Herbert Altrichter
Fördert Vertrauen Schulentwicklung im Kontext von Schulinspektionen?

Gerlinde Lenske und Michael Wingert
Zur Ausprägung des interkulturellen Wissens bei deutschen Lehrkräften


Forum

Reinhold S. Jäger
Warum die Förderung in der Schule nicht vorankommt?
Eine Kritik an Bedingungen der schulischen Förderung - zehn Thesen


Rezension

Gabriele E. Dlugosch
Finkmann, C. (2013). Gesundheitsmanagement für Lehrerinnen und Lehrer: Eine empirische Untersuchung zum Leitungshandeln von Schulleiterinnen und Schulleitern


Beschreibung der Beiträge

Förderung professionsbezogener Selbstregulation im Umgang mit Beanspruchung bei Lehramtsstudierenden im Vergleich mit einer alternativen Intervention

Christin Celebi, Nadine Spörer und Barbara Krahé

In einer quasiexperimentellen Studie mit N = 120 Lehramtsstudierenden wurde die Wirksamkeit des Interventionsprogramms „Gestärkt für den Lehrerberuf“ untersucht. In einem Prä-Posttest-Vergleichsgruppen-Design wurde eine Interventionsgruppe, deren Treatment eine Selbsteinschätzung berufsbezogener Selbstregulationskompetenzen mit einer Beratung und einem Zieleffektivitätstraining verbindet, einer Vergleichsgruppe mit einem alternativen Treatment gegenübergestellt, in der Kommunikations- und Konfliktlösungsstrategien und Distanzierungsfähigkeit in emotional belastenden Situationen eingeübt wurden. Als abhängige Variablen wurden die AVEM-Selbstregulationsmuster, das berufsbezogene Engagement und die Widerstandsfähigkeit sowie als Kontrollvariable die soziale Akzeptanz der Intervention erfasst. Die soziale Akzeptanz war in beiden Bedingungen vergleichbar gut. Zum Posttest wies die Interventionsgruppe eine höhere Widerstandsfähigkeit sowie günstigere Selbstregulationsmuster auf als die Vergleichsgruppe. Die Befunde sprechen für die inhaltsspezifische Wirksamkeit des Interventionsprogramms.

Schlagwörter: Lehramtsstudierende – professionelle Kompetenzentwicklung – Beanspruchung – Lehrergesundheit

Work-related self-regulation in dealing with stress:
Effects of an intervention for teacher training students in comparison with an alternative intervention

A quasi-experimental study with N = 120 teacher training students examined the effects of the intervention program “Strengthened for the teaching profession”. In a pretest-posttest design, the participants of the intervention which integrated a self-assessment of professional self-regulation competencies, counseling, and a goal-effectiveness training were compared to an alternative-treatment comparison group, in which communication and conflict resolution strategies and distancing ability in emotionally stressful situations were trained. AVEM self-regulation patterns, work-related engagement and hardiness served as dependent variables. The social validity served as a control variable. The intervention condition was more successful in promoting work-related self-regulation than the comparison condition. The social validity was equally good in both conditions. The findings demonstrate the content-specific efficacy of the intervention.

Keywords: student teachers – competence development – work related stress – teachers’ health

Wie hängen Wissen und Handeln in der Sprachförderung zusammen?
Eine explorative Untersuchung der Sprachförderkompetenz frühpädagogischer Fachkräfte

Daniela Ofner

In dieser explorativen Studie wird untersucht, wie das Wissen über Sprache und Sprachförderung mit dem konkreten Handeln im pädagogischen Alltag zusammenhängt und welche weiteren Faktoren in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Mithilfe eines standardisierten Tests wurde das bereichsspezifische Wissen von 19 Erzieherinnen erfasst sowie jeweils eine Sprachfördereinheit videografiert und von fünf Experten anhand eines hochinferenten Ratings hinsichtlich ihrer Qualität bewertet. Die Ergebnisse von Korrelationsanalysen deuten darauf hin, dass das Handeln pädagogischer Fachkräfte, die über ein hohes Maß an Wissen über Sprache, Spracherwerb und Mehrsprachigkeit verfügen, in der Praxis tendenziell qualitativ hochwertiger ist, als von Kolleginnen mit weniger Wissen.

Schlagwörter: Durchführungsqualität – pädagogische Fachkräfte – Sprachförderung – Wissen

How does knowledge relate to pedagogical actions in language training?
An explorative study of early childhood educators’ language training competence

This study explores the relationship between (a) early childhood educators’ linguistic content knowledge and (b) other relevant variables such as level of education, professional development or experience and their pedagogical actions in language training situations. We videotaped nineteen early childhood educators from southern Germany during a language training session and developed a highly inferent rating system that was used by five experts to judge the quality of the language training. We previously tested educators’ knowledge about language, first and second language acquisition, assessment, and training with a standardized test for language training competence. Correlational analyses show that more knowledgeable educators tend to provide better language training.

Keywords: early childhood educator – instructional quality – language training – linguistic knowledge

Schülerkompetenzen zum Dividieren beim Übergang zwischen Primar- und Sekundarstufe

Antje Ehlert, Annika Wolf, Jennifer Koss und Annemarie Fritz

Die Division gilt als schwierigste und fehleranfälligste der vier Grundrechenarten, zugleich als Operation, auf der weiterführende arithmetische Operationen aufbauen. Der vorliegende Artikel stellt eine Querschnittsstudie zur Grundrechenart Division vor. Insgesamt bearbeiteten 92 Viert- und 394 Fünftklässler einen Test mit Divisionsaufgaben, die dem Lehrplan des zweiten und dritten Schuljahres entnommen wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass den Schülerinnen und Schülern klassenstufenübergreifend Aufgaben, die durch prozedurales Wissen zu lösen sind, besser gelangen. Schwierigkeiten zeigten beide Klassenstufen bei Anforderungen, die konzeptuelles Wissen erforderten.

Schlagwörter: arithmetische Basiskompetenzen – Division – Grundschule – Sekundarstufe

Competencies of students for dividing in the transition from primary to secondary school

The division is considered as the most difficult and highest error-prone one of the 4 basic arithmetic operations. At the same time it is an operation which forms the basis for advanced arithmetic operations. This article presents a cross-sectional study on the basic arithmetic operation “Division”. In total, 92 fourth- and 394 fifth-graders processed a test with division tasks taken from the curriculum of the second and the third school year. The results demonstrate that through procedural knowledge the pupils were more successful in solving cross-class tasks. Both grades experienced difficulties in tasks which required conceptual knowledge.

Keywords: basic arithmetic competencies – division – primary school – secondary education

Fördert Vertrauen Schulentwicklung im Kontext von Schulinspektionen?

David Kemethofer und Herbert Altrichter

Vertrauen wird in der Pädagogik ein hoher Stellenwert zugeschrieben und gilt als wesentliches Element gut funktionierender Schulen. Empirische Befunde weisen darauf hin, dass Vertrauen das Ausmaß möglicher Initiativen zur Schulentwicklung beeinflusst, sodass Vertrauen als Kernressource im schulischen Entwicklungsprozess erscheint. Der vorliegende Beitrag fragt, ob Vertrauen ein treibendes Element für Schulentwicklung im Kontext der Schulinspektion ist, und stellt ein erstmals eingesetztes Instrument zur Operationalisierung von Vertrauen vor. Eine Online-Befragung von Schulleitungen im österreichischen Bundesland Steiermark zeigt, dass „innerschulisches Vertrauen“ (zwischen Lehrpersonen und Schulleitung) und „schulexternes Vertrauen“ in die jeweilige Schule durch das Inspektorat differenziert betrachtet werden müssen. Wenn Schulleitungen Vertrauen durch den/die zuständige/n Inspektor/in verspüren, dann bewerten sie die vermitteln-den Prozesse, die durch Inspektion stimuliert werden und zu Schulentwicklung führen sollen, positiver. Ein hohes Maß an innerschulischem Vertrauen führt aber per se nicht zu mehr Entwicklungsaktivitäten.

Schlagwörter: Vertrauen – Schulentwicklung – Schulinspektion – Systemsteuerung

Trust in the process of school development

Summary: In education, trust has always been an important concept as it is seen as a vital element in a well-functioning school. A range of empirical studies indicate that trust affects the scope of possible development initiatives and conceptualise trust as a core resource for school development. The paper discusses the concept of trust as an stimulus of school development in the context of school inspections and presents a newly developed instrument to operationalise trust. An online questionnaire for principals in the Austrian province of Styria indicates that the dimensions of in-school trust and external trust by the inspectorate have to be distinguished. School leaders who experience trust by their inspector assess the intermediate processes of school inspection which are to promote school improvement more positive. A high level of inschool trust is not directly connected to more development activities.

Keywords: trust – school development – school inspection – governance

Zur Ausprägung des interkulturellen Wissens bei deutschen Lehrkräften

Gerlinde Lenske und Michael Wingert

Wie internationale Vergleichsstudien verdeutlicht haben, sind Migranten in Deutschland bildungsbenachteiligt. Eine mögliche Ursache für die Bildungsbenachteiligung könnte ein Wissensdefizit im interkulturellen Wissen von Lehrkräften sein. Schließlich ist die Interkulturelle Pädagogik vielerorts in Deutschland nicht systematisch in die Lehrerbildung integriert. Über die Ausprägung des interkulturellen Wissens deutscher Lehrkräfte liegen bislang noch keine empirischen Befunde vor. Zur Erfassung und Beschreibung des interkulturellen Wissens wurden in einer ersten Studie Lehrkräfte gebeten, ihr interkulturelles Wissen selbst einzuschätzen und in einer zweiten Studie, einen neu entwickelten Wissenstest auszufüllen. Das interkulturelle Wissen der teilnehmenden Lehrkräfte lässt sich auf Basis der Studien als nicht ausreichend ausgeprägt bezeichnen. Auf Basis der Befunde wird eine systematische Verankerung der interkulturellen Pädagogik empfohlen.

Schlagwörter: Bildungsbenachteiligung – interkulturelles Wissen – pädagogisch-psychologisches Professionswissen – professionelle Kompetenz

Cross-cultural knowledge of German teachers

Migrants are educationally disadvantaged in Germany. A gap of cross-cultural knowledge of teachers could be a possible reason for the educational disadvantage. Finally cultural pedagogy is not systematically integrated into teacher training. Currently, there are no investigations dealing with cross-cultural knowledge of German teachers. Two studies have been carried out to capture and describe cross-cultural knowledge of German teachers. The first study is based on self-assessment. In the second study a newly constructed knowledge test was used. Both studies indicate that the cross-cultural knowledge of the participating teachers is not yet sufficiently developed. Based on the results, we strongly recommended anchoring cultural pedagogy in German teacher education.

Keywords: cross-cultural knowledge – educational disadvantage – pedagogical knowledge – professional competence


Forum

Warum die Förderung in der Schule nicht vorankommt?
Eine Kritik an Bedingungen der schulischen Förderung - zehn Thesen

Reinhold S. Jäger

Förderung ist ein Megathema unserer Zeit. Dieses wird zwar von den Ministerien und Schulverwaltungen sehr hoch gehalten, in der Realität und Breite von Schule aber nicht umgesetzt. 10 Thesen dieses Beitrags stehen für eine Kritik an jenen Bedingungen, welche Förderung behindern oder sogar ihr diametral entgegenstehen. Hierzu zählen (1) die permanenten Veränderungen im System Schule, (2) die einseitige Betrachtung von Förderung unter dem Blickwinkel des Kostendrucks, (3) das defizitäre Wissen über Förderung auf Seiten der Lehrkräfte, (4) fehlende Anreize für die Förderung, (5) unzureichende Ausbildung der Förderer, (6) fehlende Evaluation bei der aktuellen Förderung, (7) nicht-regelgeleitete Förderung in der Realität von Schule, (8) die Veränderung des Wissen unter der Perspektive des demographischen Wandels, (9) das Fehlen der volkswirtschaftlichen Perspektive bei der Förderung und (10) die einseitige Orientierung der Förderung an Handicaps. Der Autor fordert den Mut zu Leadership in Ministerien, Behörden und Schulen mit Blick auf eine Priorisierung der Förderung sowie eine Forcierung der Fähigkeiten und des Willens der geforderten Lehrkräfte zum Fördern.

Schlagwörter: Förderung – Behinderung von Förderung – Fähigkeiten – Anreize – Kosten – Nutzen – Leadership