Empirische Pädagogik 2017 – 31 (1)

15,90

Bibliographische Angaben

Autoren Alex Buff
Matthias Böhm
Iris Dinkelmann
Melanie Döring
Ludwig Haag
Elke Heizmann
Katharina Jonas
Reinhold S. Jäger
Jochen Kramer
Lucas Lohbeck
Andreas Michler
Jutta Mägdefrau
Anke Schmitz
Gabriele Strobel-Eisele
Albrecht Wacker
Band/Heft 31
Erscheinungsjahr 2017
ISSN 0931-5020
Seiten ca. 128
Sprache Deutsch
Bindung Softcover

Inhaltsverzeichnis


Beiträge

Iris Dinkelmann und Alex Buff
Motiviert, happy und engagiert in Mathematik?
Im Fokus: potenzielle Geschlechtsunterschiede und eine Mediationshypothese

Anke Schmitz
Wirkung der globalen Textkohäsion auf das Leseverständnis von Schülern mit heterogenen Lesevoraussetzungen

Lucas Lohbeck
Psychische Belastung und Beanspruchung von Studierenden in der Erzieherausbildung

Jutta Mägdefrau, Andreas Michler, Matthias Böhm und Katharina Jonas
Lernstrategieeinsatz von Schülern im Geschichtsunterricht – Aufgabenbezogene Erfassung der Nutzung kognitiver Lernstrategien im Schüler-Experten-Vergleich

Melanie Döring, Albrecht Wacker, Gabriele Strobel-Eisele, Jochen Kramer und Elke Heizmann
Neue Formen der Leistungsmessung – Eine Untersuchung zur Einstellung von Lehrkräften in Baden-Württemberg zu kompetenzorientierten Prüfungsverfahren in der Sekundarstufe


Forum

Ludwig Haag und Reinhold S. Jäger
„Die Kunst der manipulativen Berichtlegung“. Eine kritische Stellungnahme zur Expertise „Nachhilfeunterricht in Deutschland: Ausmaß – Wirkung – Kosten“ der Bertelsmann Stiftung


Rezension

Reinhold S. Jäger
Balzer, L. & Beywl, W. (2015). Evaluiert. Planungsbuch für Evaluationen im Bildungsbereich


Beschreibung der Beiträge

Motiviert, happy und engagiert in Mathematik?
Im Fokus: potenzielle Geschlechtsunterschiede und eine Mediationshypothese
[1]

Iris Dinkelmann und Alex Buff

Ausgehend von Pekruns Kontroll-Wert Ansatz zu Leistungsemotionen (KWALE) untersuchte diese Studie zum einen potenzielle Geschlechtsunterschiede hinsichtlich subjektiver Kontrolle, subjekti­ver Valenz, Lernfreude und lernbezogenen Engagements im Fach Mathematik (Messinva­rianz, In­varianz der latenten Mittelwerte, Invarianz der strukturellen Zusammenhänge). Zum an­deren stand die im KWALE formulierte Hypothese im Fokus, wonach Lernfreude die positiven Ef­fekte von subjektiver Kontrolle und subjektiver Valenz auf das lernbezogene Engagement in Mathe­matik vermittelt. Es wurden die im Zeitraum eines Jahres mittels Fragebogen erhobenen Daten von 431 Schülern der 7. und 8. Schulklasse (drei Erhebungszeitpunkte) mittels konfirmato­rischer Faktorenanalysen sowie Strukturgleichungsmodellen ausgewertet. Multigruppenverglei­che be­stätigten, dass bezogen auf Mädchen und Jungen partielle skalare Messinvarianz besteht. Wie in bisherigen Studien wiesen Jungen höhere Mittelwerte in mathematikbezogener subjekti­ver Kon­trolle, subjektiver Valenz und Lernfreude auf als Mädchen. Der erwartete, inverse Mittel­wertun­terschied im lernbezogenen Engagement im Fach Mathematik bestätigte sich jedoch nicht. Viel­mehr berichteten die Jungen auch hier einen höheren Mittelwert als Mädchen. Wie an­genommen erwiesen sich die strukturellen Zusammenhänge der Konstrukte für Mädchen und Jungen als in­variant. Auch bestand datenbasierte Evidenz für die postulierte Mediationshypo­these. Letzteres impliziert, das (schulische) Interventionen zur Verbesserung des lernbezogenen Engagements in Mathematik sowohl direkt beim Engagement als auch bei seinen motivational-affektiven Anteze­denzien ansetzen können.

Schlagwörter: geschlechtsbezogene Invarianz – lernbezogenes Engagement in Mathematik – Mediation – motivational-affektive Antezedenzien des Engagements

Diese Studie wurde vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF; Beitrag Nr. 100014-122409) unterstützt (Projekt “TRANSITION: Elterliche Unterstützung und motivational-affektive Entwicklung beim Übertritt in die Sekundarstufe I”). Es handelte sich um ein gemeinsames Projekt der Pädagogischen Hochschule Zürich und der Universität Zürich, Institut für Erziehungswissenschaft (Leitung: Prof. Dr. Alex Buff und Prof. Dr. Kurt Reusser).

Motivated, happy and engaged in mathematics?
An investigation of potential gender differences and a mediation hypothesis

On the basis of Pekrun’s Control Value Theory of Achievement Emotions (CVTAE), this study first examined potential gender differences in terms of subjective control, subjective value, enjoyment of learning and learning-related engagement in mathematics (measurement invari­ance, invariance of latent means and invariance of structural relationships). It additionally focused on the hypothesis formulated by the CVTAE which claims that enjoyment of learning mediates the positive effects of subjective control and subjective value on learning-related engagement in mathematics. Data collected from 431 grade 7 and 8 students via questionnaires (three mea­s­urement time points) was analyzed using confirmatory factor analyses and structural equation modeling. Multiple-group analyses confirmed that partial scalar measurement invariance exists with respect to boys and girls. As in previous studies, on average, boys reported higher levels of mathematics-related subjective control, subjective value and enjoyment of learning than girls. However, the expected inverse mean difference in learning-related engagement in mathematics was not confirmed. In fact, boys reported more learning-related engagement than girls. As ex­pected, the structural relationships of the constructs proved to be invariant across gender. There was also data-based evidence for the postulated mediation hypothesis. The latter implies that (school) intervention strategies to promote learning-related engagement in mathematics can be directly applied to the engagement itself, as well as to its motivational-affective antecedents.

Keywords: gender-based invariance – learning-related engagement in mathematics – mediation – motivational-affective antecedents of engagement

Wirkung der globalen Textkohäsion auf das Leseverständnis von Schülern mit heterogenen Lesevoraussetzungen

Anke Schmitz

Mit einer experimentellen Studie wurde untersucht, ob die globale Textkohäsion ein Angebot für Schüler aus neunten Klassen darstellt, womit ihnen das Sachtextverständnis erleichtert wird. Analysiert wurde, welche Schüler hinsichtlich allgemeiner soziokultureller und migrationsspezifi­scher Lesevoraussetzungen von den Textoptimierungen profitieren. Zwei Versionen eines Sachtextes wurden als unabhängige Variable miteinander verglichen: eine global kohäsive und eine global inkohäsive Version. Als abhängige Variable wurde das Leseverständnis erhoben. Der Zeitpunkt des Deutscherwerbs, die Familiensprache und der häusliche Buchbesitz wurden als Le­sevoraussetzungen erfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schüler hinsichtlich dieser einbezoge­nen Lesevoraussetzungen unterschiedlich stark von der globalen Textkohäsion profitieren. Die Befunde werden hinsichtlich möglicher Konsequenzen für die Gestaltung von Unterrichtstexten und eines systematischen Leseunterrichts diskutiert.

Schlagwörter: Leseverständnis – Lesevoraussetzungen – Textkohäsion – Textverständlichkeit

Effect of global text cohesion on reading comprehension of students with heterogeneous reading prerequisites

In an experimental study it was investigated if global text cohesion serves a means to foster expository reading comprehension of students attending 9th grade. It was analyzed, which stu­dents profit from global text cohesion when sociocultural and migration-specific reading prerequisites are considered. The independent variable consisted of two expository text versions that were compared: a globally cohesive and a globally incohesive text. Reading comprehension was the dependent variable. The acquisition of the German language, the family language and the amount of books in the family were assessed as reading prerequisites. Results show that stu­dents profit differently from global text cohesion regarding these prerequisites. The findings are discussed in terms of potential consequences for producing texts for school and a systematic reading instruction.

Keywords: text cohesion – text comprehensibility – reading comprehension – readers’ prerequisites

Psychische Belastung und Beanspruchung von Studierenden in der Erzieherausbildung

Lucas Lohbeck

Alle einschlägigen Studien zeigen, dass sowohl die psychische Belastung von Erziehern als auch die damit verbundenen negativen Beanspruchungsfolgen im Vergleich zu vielen anderen Berufen weit überdurchschnittlich sind. Die empirischen Untersuchungen zur psychischen Belastung von Erziehern beschränken sich auf Querschnittsanalyen von Personen, die den Beruf ausüben. Ge­sundheitsgefährdende Verhaltens- und Erlebensweisen, die schon während der Ausbildung be­stehen, wurden bisher nicht berücksichtigt. In der vorliegenden Studie wird das Ausmaß von psy­chischer Belastung von Studierenden in der Erzieherausbildung untersucht und analysiert, inwie­weit die Tätigkeits- und Organisationsstruktur der Ausbildung als Belastungsfaktoren wahrge­nommen werden.

126 Studierende die sich in den ersten beiden, fachtheoretisch geprägten, Jahren der Erzieher­ausbildung befanden, haben sowohl Schaarschmidts und Fischers (2008) AVEM-Fragebogen zur Messung von arbeitsbezogenen Verhaltens- und Erlebensmustern als auch eine angepasste Ver­sion des von Prümper, Hartmannsgruber und Frese (1995) entwickelten Fragebogens zur Tätig­keitsanalyse ausgefüllt.

In der Auswertung wird deutlich, dass eine große Zahl der angehenden Erzieher schon vor dem Eintritt in den gewählten Beruf an Überforderung, einem eingeschränkten Lebensgefühl, vermin­derter Widerstandskraft gegenüber Belastungen, Erschöpfung und Resignation leidet. Im Ver­gleich mit Studierenden und Auszubildenden in anderen Ausbildungsgängen weisen sie in fast allen AVEM-Dimensionen ungünstigere Werte auf. Besonders deutlich sind die Unterschiede in der Verausgabungsbereitschaft und der Distanzierungsfähigkeit. Es lässt sich feststellen, dass Studierende mit Risikomuster nahezu alle Aspekte der Arbeits- und Organisationsstruktur der Ausbildung signifikant negativer bewerten als Studierende mit Gesundheitsmuster.

Schlagwörter: Belastung – Erzieher – Stress – Verhalten

Psychological stress and strain of students of day care teaching

All relevant studies show that psychological stresses and related negative strains are far above average in day care teachers compared to many other occupational groups. Empirical research regarding psychological stresses of day care teachers, however, is limited to studies concerning persons already working in that occupation. Behavior and experience related health risks already existing during their training have not yet been considered. This study examines the magnitude of psychological stresses of students of day care teaching and analyses to what extent the occu­pational and organizational structure of their training are being experienced as stress fac­tors. 126 students in their first two years of training which mainly encompass theoretical aspects an­swered both Schaarschmidt’s and Fischer’s AVEM-Questionnaire for Measuring Work-Related Behavior and Experience Patterns as well as an adapted version of the Short Questionnaire for Work Analysis by Prümper, Hartmannsgruber and Frese (1995). The analyses of the questionnaire shows that a large number of prospective day care teachers feel over-challenged and experience a restricted satisfaction with life, reduced resilience, exhaus­tion and resignation even before working in day care. Compared to students and trainees of other courses, they show more unfavourable results in almost all dimensions of the AVEM-ques­tionnaire. The differences are most apparent regarding the willingness to work until exhaustion and distancing ability. It can be said that students with a risk pattern assess nearly all factors of the occupational and organizational structures more negatively than students with a health pat­tern.

Keywords: strain – stress – students of day care teaching – work-related behavior

Lernstrategieeinsatz von Schülern im Geschichtsunterricht – Aufgabenbezogene Erfassung der Nutzung kognitiver Lernstrategien im Schüler-Experten-Vergleich

Jutta Mägdefrau, Andreas Michler, Matthias Böhm und Katharina Jonas

Die Frage, ob Sekundarstufenschüler in der Lage sind, über ihren Lernstrategieeinsatz mittels Fragebögen Auskunft zu geben, wird kontrovers diskutiert. Es gibt Hinweise darauf, dass nah an der konkreten Lernsituation liegende Erfassungsmethoden validere Auskünfte ermöglichen als Verfahren, die Strategieeinsatz als allgemeine Strategieneigungen erheben. Für die vorliegende Studie wurde auf Basis bestehender Instrumente ein für die aufgabenbezogene Erfassung der kognitiven Lernstrategien (Elaborations-, Organisations- und Memorierstrategien) adaptierter Fragebogen entwickelt. Im Geschichtsunterricht von 10 Realschulklassen (N = 248; Jahrgangs­stufe 8) wurde bei drei Lernaufgaben, die den Schülern randomisiert zugewiesen wurden, ge­prüft, ob diese je nach Aufgabe unterschiedlichen Lernstrategieeinsatz berichten. Als Referenz­niveau wurde eine Experteneinschätzung (N = 11) des adäquaten Strategiegebrauchs zugrunde gelegt und die Diskrepanzen zwischen Expertenmaß und Schülerangaben mittels Differenzbil­dung berechnet. Die Nutzung kognitiver Lernstrategien variierte zwischen den Aufgaben bei ein­zelnen Items, nicht jedoch hinsichtlich der Gesamtskalen. Es fanden sich bedeutsame Unter­schiede im berichteten Strategiegebrauch der Schüler und den Strategieerwartungen der Exper­tengruppe. Der Einsatz eines aufgabenbezogenen Inventars wird vor dem Hintergrund der Be­funde diskutiert.

Schlagwörter: Aufgaben – kognitive Lernstrategien – Lernstrategiegebrauch

Learning strategies of secondary school students in history classes – task-specific measurement of cognitive learning strategy use in a student- expert comparison

Whether or not students are able to report their use of learning strategies by means of question­naires is a problem widely being discussed in educational research. Usually strategy use is surveyed as a global strategy orientation. However, some recently conducted studies achieved more valid reports by measuring strategy use closely related to a specific task. Based on existing questionnaires in this study we designed a questionnaire as an adaptation of items to a task-specific version to measure the use of cognitive learning strategies (i. e. organization, elaboration, and memorization). The study was conducted in 10 secondary school history classes (N = 248 8th-graders) by randomly assigning the students to one of three tasks. The research question was whether students’ reported strategy use differs between the three tasks. In order to achieve external validation 11 experts (6 teachers, 5 university teachers) additionally assessed the tasks with regard to adequate strategies to successfully solve the task. Results show that the strategy use of students varied between the tasks concerning specific items, but not concerning the complete scale. We found significant differences between student strategy use and the expert assessment of the reasonable learning activities solving the task. Regarding the results, the suitability of a task specific inventory is discussed.

Keywords: cognitive learning strategies – learning task – use of learning strategies

Neue Formen der Leistungsmessung – Eine Untersuchung zur Einstellung von Lehrkräften in Baden-Württemberg zu kompetenzorientierten Prüfungsverfahren in der Sekundarstufe

Melanie Döring, Albrecht Wacker, Gabriele Strobel-Eisele, Jochen Kramer und Elke Heizmann

Mittlerweile werden in vielen Bundesländern neben fachlich-inhaltlichen Kenntnissen und Fähig­keiten auch überfachliche Kompetenzen in schulischen Abschlussprüfungen berücksichtigt und bewertet. Gleichwohl liegen bislang kaum empirische Befunde zur Umsetzungspraxis in den Schulen und zur Akzeptanz dieser neuen Prüfungsformate durch die beteiligten Akteure vor. Die hier vorgestellte Studie untersucht anhand querschnittlich erhobener Daten von 350 Realschul­lehrkräften in Baden-Württemberg zur Fächerübergreifenden Kompetenzprüfung, inwieweit sich die subjektive Einschätzung von Lehrpersonen zu strukturellen und organisatorischen Rahmen­bedingen der neuen Prüfung sowie individuelle Persönlichkeitsmerkmale auf die Einstellung zur Prüfung sowie auf die erlebte Belastung im Zusammenhang mit diesem Prüfungsformat auswir­ken.

Schlagwörter: Fächerübergreifende Kompetenzen – Lehrereinstellung – Prüfung – Realschule

New ways of performance measurement – A study about teachers‘ attitude towards compentency-based assessment in secondary schools in Baden-Württemberg, Germany

Apart from the subject-related knowledge and abilities, cross-curricula-competencies in school final examinations are taken into account and evaluated. Nevertheless, there is only a little em­pirical evidence of how these examinations are implemented in school practice, what experiences the participants have had so far and how they assess the benefits of these tests. On the basis of cross-sectional collected data from 350 high-school teachers in Baden-Württemberg, the present study analyzes the factors that influence teachers’ attitudes with regard to this new way of assessment and the experienced stress associated with this test format.

Keywords: cross-curricula-competencies – examination – teachers’ attitude – secondary school


Forum

„Die Kunst der manipulativen Berichtlegung“. Eine kritische Stellungnahme zur Expertise „Nachhilfeunterricht in Deutschland: Ausmaß – Wirkung – Kosten“ der Bertelsmann Stiftung [2]

Ludwig Haag und Reinhold S. Jäger

Ausgangspunkt der kritischen Auseinandersetzung mit der Thematik Nachhilfe ist die Studie von Klemm und Hollenbach-Biele (2016). Anhand von sieben Positionen, welche der Studie selbst entnommen wurden, werden deren Ausgangspunkte, Schlussfolgerungen und Einschätzungen kritisch hinterfragt und teilweise widerlegt.

Schlagwörter:

Titel einer gleichnamigen Publikation von Wottawa (1981)