Barbara Pflanzl & Martin Rothland (Hrsg.)

Lehrerbildung auf dem Prüfstand 2016 – 9 (1):

Quereinsteiger, Seiteneinsteiger, berufserfahrene Lehrpersonen

Auswahl, Qualifizierung und Bewährung im Beruf

19,90

Bibliographische Angaben

Herausgeber Martin Rothland
Barbara Pflanzl
Autoren Dilan Aksoy
Catherine Eve Bauer
Axel Gehrmann
Uwe Hericks
Ueli Hostettler
Christa Kappler
Manuela Arslan Keller-Schneider
Friederike Korneck
Marvin Krüger
Jan Lamprecht
Lars Oettinghaus
Barbara Pflanzl
Rolf Puderbach
Martin Rothland
Lydia Schulze Heuling
Martin Stadelmann
Kristin Stein
Larissa Maria Troesch
Alexander Wettstein
Steffen Wild
Band/Heft 1
Erscheinungsjahr 2016
Jahrgang 9
ISBN-13 978-3-944996-27-1
ISBN-10 3-944996-27-5
ISSN 1867-2779
Seiten ca. 160
Sprache Deutsch
Bindung Softcover

Inhaltsverzeichnis


Editorial

Martin Rothland und Barbara Pflanzl
Quereinsteiger, Seiteneinsteiger, berufserfahrene Lehrpersonen. Zur Einführung in das Themenheft


Beiträge

Rolf Puderbach, Kristin Stein und Axel Gehrmann
Nicht-grundständige Wege in den Lehrerberuf in Deutschland – Eine systematisierende Bestandsaufnahme

Christa Kappler
„Da überlegte ich mir: Warum eigentlich nicht Lehrerin?“ – Motive der Entscheidung für den Lehrberuf als zweiten Bildungsweg

Manuela Keller-Schneider, Elif Arslan und Uwe Hericks
Berufseinstieg nach Quereinstiegs- oder Regelstudium – Unterschiede in der Wahrnehmung und Bearbeitung von Berufsanforderungen

Lars Oettinghaus, Friederike Korneck, Marvin Krüger und Jan Lamprecht
Lehrerüberzeugungen von Quereinsteigern und Lehramtsabsolventen im Physikreferendariat

Lydia Schulze Heuling und Steffen Wild
Haben Quereinsteiger ein anderes Wissenschaftsverständnis als grundständig ausgebildete Lehrpersonen? Eine heuristische Typologisierung aktiver Physiklehrkräfte mittels Cluster- und multipler Korrespondenzanalyse

Catherine Eve Bauer, Larissa Maria Troesch, Dilan Aksoy und Ueli Hostettler
Kompetenzeinschätzungen, Beanspruchung und subjektive Bedeutung von Berufsanforderungen bei Lehrkräften mit Vorberuf

Martin Stadelmann und Alexander Wettstein
Das Studienmodell 30+ für Quereinsteigende: ein Portrait


Beschreibung der Beiträge

Nicht-grundständige Wege in den Lehrerberuf in Deutschland – Eine systematisierende Bestandsaufnahme

Rolf Puderbach, Kristin Stein und Axel Gehrmann

In Phasen lehramts-, fächer- oder regionalspezifischen Lehrermangels wird in Deutschland, um den Lehrkräftebedarf zu decken, immer wieder auf Personen ohne Lehramtsausbildung zurückgegriffen. Bei der Qualifizierung dieser sogenannten Quer- und Seiteneinsteiger wird in der Regel auf die Inhalte der ersten, universitären Phase der Lehrerbildung verzichtet. Eine pädagogische Ausbildung findet entweder im Rahmen des Vorbereitungsdienstes (Quereinstieg) oder berufsbegleitend nach Einstellung in den Schuldienst (Seiteneinstieg) statt. Der Umfang und die konkrete Ausgestaltung der einzelnen, häufig ad hoc konstruierten Qualifizierungsprogramme variiert in den deutschen Bundesländern stark. Auch eine einheitliche Terminologie hat sich bislang nicht durchgesetzt. Der vorliegende Beitrag leistet eine systematisierende Bestandsaufnahme der verschiedenen Quer- und Seiteneinstiegsprogramme in Deutschland, bei der es weniger darum geht, eine vollständige Erhebung der praktizierten Programme vorzulegen, als vielmehr darum, zentrale Gestaltungsmerkmale zu identifizieren und die Bandbreite der Maßnahmen aufzuzeigen und zu systematisieren. Neben einer definitorischen Unterscheidung von Quer- und Seiteneinstieg wird der Terminus des Qualifizierten Quereinstiegs für Qualifizierungsangebote vorgeschlagen, die neben den Inhalten des Vorbereitungsdienstes auch die Inhalte der universitären Lehrerausbildung umfassen. In Abgrenzung zu den nicht-grundständigen Wegen in den Lehrerberuf in Deutschland wird ein Überblick über die Situation in der Schweiz und Österreich gegeben.

Schlagwörter: Lehramt – Lehrkräftemangel – Quereinstieg – Seiteneinstieg

Second career teachers in Germany. A categorizing inventory

In Germany, in times of teacher shortage the demand for new teachers is satisfied with persons without a completed teacher qualification. These second career teachers get qualified during the traineeship („Vorbereitungsdienst“) or parallel to their first months in the job. The pedagogical qualification is limited to the contents of the second phase of German teacher education: the mainly practical orientated traineeship. The contents of the university studies, the first phase of teacher education, are usually not included. There is a big variation in the design of qualification programs in the German federal states. Also the terminology of the programs’ labelling is very inconsistent. This article provides an inventory of different ways for second career teachers to get into the profession in Germany. This article should not first of all give a complete register of pro¬grams, but identifies essential criteria, illustrates and systematizes the range of variation of existing programs. Besides a defining differentiation of the two main forms of second career teacher arrangements, „Quereinstieg“ and „Seiteneinstieg“, the term of “Qualified Quereinstieg“ is proposed for programs, which additionally include the contents of university teacher education. In contrast to the non-regular ways into the teacher profession in Germany, a summary of the situation in Switzerland and Austria is given.

Keywords: „Quereinstieg“ – „Seiteneinstieg“ – teaching degree – teacher shortage

„Da überlegte ich mir: Warum eigentlich nicht Lehrerin?“ – Motive der Entscheidung für den Lehrberuf als zweiten Bildungsweg

Christa Kappler

Mit dem Aufbau von Studiengängen für Quereinsteigende an Pädagogischen Hochschulen in der Schweiz trat ein neues Studierendensegment in die Lehrpersonenausbildung ein. Damit sind Personen unterschiedlichen Alters aus verschiedensten Berufsfeldern und mit vielseitigen Berufs- und Lebenserfahrungen Teil der Studierendenschaft geworden. Für die optimale Abstimmung der Studienangebote mit den neuen Studierenden stellt sich die Frage, mit welchen Motiven die Quereinsteigenden in die Ausbildung zur Lehrperson treten. Mittels kodierendem Verfahren der Grounded Theory wurden 30 narrative Interviews mit Quereinsteigenden analysiert. Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, dass pädagogische Vorerfahrungen und darauf basierende Fähigkeitsüberzeugungen sowie das Interesse am Lehrberuf überaus bedeutsame Motive für den Quereinstieg darstellen. Insbesondere der Wunsch nach mehr Sinnhaftigkeit sowie das Bedürfnis nach einem Umbruch sind vor dem Hintergrund des bisherigen (berufs-)biografischen Verlaufs zu lesen und scheinen Ausdruck hoher Erwartungen bezüglich des neuen Berufes zu sein.

Schlagwörter: Berufswechsel – Lehrberuf – Motive – Quereinstieg

“So, I thought: Why not become a teacher?” – Motives of second-career teachers for the career change

With the introduction of new study courses at universities for teacher training in Switzerland for those changing their careers, a new segment of students in teacher training has been created. The result is a heterogeneous population of students in relation to age, work and job back¬ground, as well as personal experience. In order to appropriately adjust the programme of study to meet the needs of this new type of student, the question must be asked as to the reasons why they have chosen to change their careers to that of teaching.
By using the Grounded Theory approach, the analysis of thirty narrative interviews with career changers shows that previous teaching experience and the resulting self-belief in the ability to teach, along with an interest in the teaching profession, play a central role in the decision. When reading about the professional and personal backgrounds of people in their second careers it can be observed that, in particular, the desire to have a meaningful occupation, as well as the need for a considerable change in life, greatly influences the high expectations the individuals have in regard to the new job.

Keywords: career change – motives – second-career teachers – teaching profession

Berufseinstieg nach Quereinstiegs- oder Regelstudium – Unterschiede in der Wahrnehmung und Bearbeitung von Berufsanforderungen

Manuela Keller-Schneider, Elif Arslan und Uwe Hericks

Zyklisch wiederkehrende Zeiten von Lehrermangel führen zur Entwicklung von Quereinstiegs-programmen. Um die Schulqualität nicht zu gefährden, stellt sich die Frage, inwiefern sich Lehrpersonen nach Quereinstiegsprogrammen von Lehrpersonen nach Regelstudiengängen unterscheiden. Der Beitrag prüft, inwiefern sich Lehrpersonen der Primarstufe nach Abschluss von Regel- und Quereinstiegsstudiengängen der PH Zürich in den ersten Wochen ihrer Berufstätigkeit in der Bewältigung von beruflichen Anforderungen und in individuellen Merkmalen, die als Ressourcen zur Bewältigung beitragen, unterscheiden. Ergebnisse zeigen, dass sich in den mittels Fragebogen erhobenen Einschätzungen der Bewältigung von Berufsanforderungen sowie in den Motiven und Überzeugungen keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den Gruppen ergeben. Einzig in der Konstellation von Berufswahlmotiven insgesamt sowie in einzelnen Motiven lassen sich Unterschiede erkennen, die sich jedoch nicht auf die Bewältigung von Berufsanforderungen niederschlagen.

Schlagwörter: Berufseinstieg von Lehrpersonen – Berufswahl-Motive – Quereinstieg – Überzeugungen

Teachers’ perception and mastering of professional requirement in their career entry phase – differences between teachers of regular and career change teacher education programs

Lack of teachers leads to special teacher education programs for teacher students with a first profession. The question is, if such shortened program lead to teachers, who possess over equivalent competences to master the requirements of career entry phase and of the profession in general. This paper investigates the question, if teachers differ after having finished a career change program from teachers after having completed a regular program in their perception of professional requirements and in individual resources. Teachers of primary schools in Switzerland (canton Zurich) were asked by a questionnaire about their perception of professional requirements and individual characteristics. Results show, that concerning their perception of requirements and motives as well as beliefs no differences can be identified. Only in their career decision motives some differences are visible, but this difference has no effect on their perception and mastering of professional requirements.

Keywords: beliefs – career change – (career decision) motives – teachers’ career entry phase

Lehrerüberzeugungen von Quereinsteigern und Lehramtsabsolventen im Physikreferendariat

Lars Oettinghaus, Friederike Korneck, Marvin Krüger und Jan Lamprecht

Aufgrund des Lehrermangels in der Physik treffen im Referendariat Absolventen verschiedener Studiengänge zusammen, neben den regulären Lehramtsabsolventen sind dies insbesondere Quereinsteiger aus der Physik oder aus physiknahen Wissenschaften. Die Lehrerüberzeugungen, denen ein wichtiger Einfluss auf unterrichtliche Entscheidungsprozesse zugeschrieben wird, sind unter den Referendaren aufgrund ihrer spezifischen Lerngelegenheiten und persönlichen Voraussetzungen unterschiedlich stark ausgeprägt. Um diese Unterschiede zu untersuchen, wurden die Überzeugungen von 368 Physikreferendaren aus fünf deutschen Bundesländern erhoben. Die drei untersuchten Überzeugungsbereiche „Überzeugung zum selbstständigen Lernen“, „Überzeugung zum transmissiven Lernen“ und „Wissenschaftsverständnis“ konnten in Raschmodellen latent modelliert und der Einfluss der Absolventengruppe auf die Überzeugungen so unter Kontrolle des Bundeslands beschrieben werden. Bezüglich der „Überzeugung zum selbstständigen Lernen“ konnten dabei kaum substanzielle Unterschiede zwischen den Gruppen gefunden werden. Im Vergleich zu den gymnasialen Lehramtsabsolventen, denen theoretisch hinsichtlich der Unterrichtsqualität die besten Überzeugungsausprägungen zugesprochen werden können, kann jedoch in der „Überzeugung zum transmissiven Lernen“ und dem „Wissenschaftsverständnis“ ein relativer Qualifizierungsbedarf für die anderen Absolventengruppen abgeleitet werden, der sowohl fachdidaktischer als auch fachlicher Natur ist. Dieser zeigt sich am deutlichsten für die Quereinsteiger ohne Physikstudium, im Bereich des „Wissenschaftsverständnisses“ auch für die Lehramtsabsolventen im Haupt- und Realschulbereich. Die Ergebnisse stützen die Forderung nach Lerngelegenheiten in der Aus- und Fortbildung, die in der Lage sind, die als sehr stabil geltenden Lehrerüberzeugungen zu verändern.

Schlagwörter: Lehrerbildung – Physik – Quereinsteiger – Überzeugungen

Teacher beliefs of lateral entrants and teacher graduates in the second phase of physics teacher education

Due to the shortage of physic teachers in Germany, many young teachers of different academic backgrounds find themselves in the second phase of teacher education. Besides the regular group of students that studied for becoming a teacher, there are lateral entrants who studied physics or physics related subjects. Teacher beliefs influence processes of teaching practice very differently depending on specific learning opportunities and personal prerequisites. In order to analyze those differences, beliefs of 368 teachers of the second phase of teacher education from five federal states were collected. Those three collected beliefs “learner oriented beliefs”, “transmission oriented beliefs” and “nature of science” were modeled as latent in a rasch-model and as a consequence the effect of the academic group on these beliefs could be described while controlling the federal state. Regarding the “learner oriented beliefs” substantial differences between the academic groups could hardly be found. The teachers who studied for grammar school (Gymnasium) can be attributed with more desirable values in each belief scale. As a consequence there is a need for further qualification in the belief scales of “transmission oriented beliefs” and “nature of science” for the other academic groups. The nature of this qualification would include topics of content as well as of pedagogical content. Especially lateral entrants who didn’t study physics and the group of teachers who studied for secondary school (Haupt- und Realschule) need to improve in “nature of science”. The results of this article support the demand for more learning opportunities in the education of teachers which are able to change beliefs that are generally considered to be very stable.

Keywords: lateral entrant – physics – teacher beliefs – teacher education

Haben Quereinsteiger ein anderes Wissenschaftsverständnis als grundständig ausgebildete Lehrpersonen? Eine heuristische Typologisierung aktiver Physiklehrkräfte mittels Cluster- und multipler Korrespondenzanalyse

Lydia Schulze Heuling und Steffen Wild

Da der Bedarf an Lehrkräften in einigen Unterrichtsfächern, insbesondere Physik, nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch in anderen Ländern nicht immer gedeckt werden kann, bieten viele Länder einen Quereinstieg in den Lehrerberuf an. Zahlreiche dieser Quereinsteiger mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung haben vor ihrem Berufswechsel in der fachwissenschaftlichen Forschung und Entwicklung gearbeitet. Dieser Sachverhalt wirft die Frage auf, ob der bildungsbiografische Hintergrund zu unterschiedlichen Wissenschaftsverständnissen führt. Mit Hilfe einer Clusteranalyse wurden zuerst typische Ausprägungen des Wissenschaftsverständnisses von Physiklehrkräften identifiziert. Im nächsten Schritt wurde dann mittels einer multiplen Korrespondenzanalyse untersucht, anhand welcher bildungsdemografischer Merkmale sich die Vertreter eines jeweiligen Wissenschaftsverständnisses charakterisieren und voneinander unterscheiden lassen. Die Analysen legen nahe, dass der Seiteneinstieg nicht das wesentliche Kriterium für die Ausbildung eines bestimmten Wissenschaftsverständnisses ist. Vielmehr scheinen von den erhobenen Variablen die Berufserfahrung und der akademische Grad entscheidend zu sein.

Schlagwörter: multiple Korrespondenzanalyse – Physiklehrer – Quereinsteiger – Wissenschaftsverständnis

Do lateral entrance physics teachers hold a different perspective on nature of science than traditionally educated ones? A heuristic typology of in-service physics teachers using cluster and correspondence analysis

There are signs of a developing teacher shortage in many countries worldwide. One response to filling the vacancies are preparation programs for career changers. This article focuses on lateral entry physics teachers. Many of the lateral entry teachers in the natural sciences have worked in the research and development sectors. This raises the question if the educational background of a science teacher leads to a different understanding of science. This study explored typical understandings of science using cluster analysis. The analysis led to a two-cluster solution. In the following step we aimed to inquire on behalf of which educational characteristics physics teachers could be assigned to one of the two characteristic groups. A correspondence analysis reveals that the lateral entry is not the crucial factor determining a particular understanding of science. More it seems that the understanding of science depends on the professional experience and the educational degree.

Keywords: correspondence analysis – nature of science – physics teachers – second career teachers

Kompetenzeinschätzungen, Beanspruchung und subjektive Bedeutung von Berufsanforderungen bei Lehrkräften mit Vorberuf

Catherine Eve Bauer, Larissa Maria Troesch, Dilan Aksoy und Ueli Hostettler

Berufsleute aus anderen Berufsfeldern sind für die Lehrerbildung insbesondere in Zeiten des wiederkehrenden Lehrermangels eine wichtige Zielgruppe. Zum einen tragen diese Berufswechsler dazu bei, den Bedarf an qualifiziertem Lehrpersonal zu decken, zum anderen liefern die wenigen Studien zu Berufswechslern erste Hinweise darauf, dass Lehrkräfte mit Vorberuf durch ihre Vorbildung und Berufserfahrung Kompetenzen und Ressourcen in den Lehrberuf einbringen, die sich in ihrer beruflichen Entwicklung und ihren weiteren Karriereentscheidungen niederschlagen (vgl. z. B. Chambers, 2002; Tigchelaar, Brouwer & Vermunt, 2010). Dennoch gibt es bisher nur wenige gesicherte empirische Daten darüber, wie sich Lehrkräfte mit Vorberuf in ihrem neuen Beruf etablieren und wie sie mit den beruflichen Anforderungen umgehen. Um diese Frage anzugehen, wurden 297 regulär ausgebildete Lehrkräfte 7 bis 10 Jahre nach der Diplomierung zu Kompetenzeinschätzungen, Beanspruchungswahrnehmung und subjektiver Bedeutung von Berufsanforderungen befragt, davon gut ein Drittel Lehrkräfte mit Vorberuf. Diese fühlen sich im Vergleich zu Lehrkräften im Erstberuf ebenso kompetent und schätzen die Anforderungsbereiche als vergleichbar wichtig ein, fühlen sich aber insgesamt weniger stark beansprucht, insbesondere, was Elterngespräche und die individualisierende Vermittlung im Unterricht angeht. Als relevante Einflussfaktoren hierbei zeichnen sich das höhere Lebensalter und die höheren allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartungen der Lehrkräfte mit Vorberuf ab. Um zu untersuchen, welche weiteren Merkmale darüber hinaus zu der geringeren Beanspruchung beitragen, ist weiterführende Forschung notwendig.

Schlagwörter: Beanspruchung – Lehrkräfte mit Vorberuf – Professionalisierung von Lehrpersonen – Quereinsteiger

Self-assessment of professional skills, job strain and significance of job demands in second career teachers

Career changers have been an important recruitment resource pool for teacher education for a long time, especially during periods of teacher shortage. Besides this role in meeting staffing needs for instructional personnel, second career teachers seem to bring specific skills into the teaching profession that might have a positive effect for their professional development and further career decisions, due to their previous education and professional experience (e.g. Chambers, 2002; Tigchelaar, Brouwer & Vermunt, 2010). To date, there are only few empirical studies addressing how second career teachers establish themselves in their new career and how they cope with the demands of the teaching profession. In order to tackle this question, 297 teachers, a third of which were career changers, were questioned about their professional skills, their experience of job strain as well as the subjective importance of job demands 7 to 10 years after completing a regular teachers degree. Second career teachers felt as competent as their first career colleagues and rated the different job demands as comparably important, but felt significantly less strained by their job demands, particularly with regard to teacher-parent interaction and individualized teaching. Two factors of influence seem to be the higher age and the higher self-efficacy of the second career teachers. However, more research is needed to focus on alternative characteristics that might contribute to the less pronounced feelings of strain in second career teachers.

Keywords: second career teachers – teachers’ professional development – teacher strain – teacher stress

Das Studienmodell 30+ für Quereinsteigende: ein Portrait

Martin Stadelmann und Alexander Wettstein

Im vorliegenden Beitrag wird ein Studienmodell für Quereinsteigende vorgestellt, welches Ausbildung und teilzeitliche Unterrichtstätigkeit verbindet. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten der Verbindung von Praxiserfahrungen und wissenschaftlich angeleiteter Reflexion, wie sie in sequenziell angelegten Praktika kaum möglich sind. Die 30+-Studierenden stehen bereits im 2. Studienjahr mitten im realen Berufsfeld. Dies fordert eine hohe Belastbarkeit und Stressresistenz. In einem Assessment wird daher geprüft, ob die angehenden Studierenden den erhöhten Anforderungen des Studienmodells gewachsen sind und über grundlegende pädagogisch-didaktische Handlungskompetenzen verfügen.

Schlagwörter: Assessment – Praktika – Quereinsteigende – Theorie-Praxis-Verhältnis

The study model 30+ for career changers: a portrait

The present article introduces a study plan for students from a different professional background who are seeking a career change. The combination of training and part-time employment at a school offers new possibilities for relating practical experience to research-based reflection. Such a close relation between theory and practice is rarely possible in sequentially organised practical training. Already in their second year at the university of teacher education, 30+ students experience the reality of the profession. This requires the ability to work under pressure and a resilience to stress. Therefore, applicants for the study plan 30+ are assessed on their ability to cope with these additional challenges and whether they possess basic pedagogic and educational skills.

Keywords: assessment – career change – relation between theory and practice – teaching practice