Martin Rothland & Niclas Schaper (Hrsg.)

Lehrerbildung auf dem Prüfstand 2018 – 11 (1) [digital]:

Forschung zum Praxissemester in der Lehrerbildung

14,90

Bibliographische Angaben

Herausgeber Martin Rothland
Niclas Schaper
Autoren Andreas Bach
Timo Beckmann
Anne Böhnert
Mathias Dehne
Jörg Doll
Timo Ehmke
Thomas Fischer
Cornelia Gräsel
Alexander Gröschner
Petra Herzmann
Simone Herzog
Martin Hänze
Armin Jentsch
Gabriele Kaiser
Kai Kaspar
Susi Klaß
Franz Klingebiel
Hans Peter Kuhn
Johannes König
Gerlinde Lenske
Tobias Leonhard
Anke B. Liegmann
Frank Lipowsky
Hendrik Lohse-Bossenz
Sarah Mertens
Dennis Meyer
Marius Mähler
Kathrin Rheinländer
Sabine Schlag
Miriam Vock
Andrea Westphal
Band/Heft 1
Erscheinungsjahr 2018
Jahrgang 11
ISSN 1867-2779
Seiten ca. 196
Sprache Deutsch
Dateiformat DRM-freies Portable Document Format (.pdf)

Inhaltsverzeichnis


Beiträge

Tobias Leonhard und Simone Herzog
Was Langzeitpraktika leisten (können) – empirische und konzeptionelle Erkundungen

Jörg Doll, Armin Jentsch, Dennis Meyer, Gabriele Kaiser, Kai Kaspar und Johannes König
Zur Nutzung schulpraktischer Lerngelegenheiten an zwei deutschen Hochschulen: lernprozessbezogene Tätigkeiten angehender Lehrpersonen in Masterpraktika

Petra Herzmann und Anke B. Liegmann
Studienprojekte im Praxissemester. Wirkungsforschung im Kontext Forschenden Lernens

Sarah Mertens, Sabine Schlag und Cornelia Gräsel
Die Bedeutung der Berufswahlmotivation, Selbstregulation und Kompetenzselbsteinschätzungen für das bildungswissenschaftliche Professionswissen und die Unterrichtswahrnehmung angehender Lehrkräfte zu Beginn und am Ende des Praxissemesters

Anne Böhnert, Marius Mähler, Franz Klingebiel, Martin Hänze, Hans Peter Kuhn und Frank Lipowsky
Die Entwicklung der berufsspezifischen Selbstwirksamkeitserwartung von Lehramtsstudierenden in schulischen Praxisphasen – Ein Vergleich von Lehramtsstudierenden im Praxissemester mit Studierenden in einem fünfwöchigen Blockpraktikum

Mathias Dehne, Susi Klaß und Alexander Gröschner
Veränderung motivationaler Orientierungen im Praxissemester: Eine videobasierte Studie auf Basis der Erwartungs-Wert-Theorie

Andrea Westphal, Hendrik Lohse-Bossenz, Miriam Vock und Gerlinde Lenske
Was wissen Studierende über Klassenführung? –
Lerngelegenheiten und Lerngewinne in Studium und Praxissemester

Thomas Fischer, Andreas Bach und Kathrin Rheinländer
Veränderung von Einstellungen zur Theorie- und Praxisorientierung des Lehramtsstudiums im Praxissemester

Timo Beckmann und Timo Ehmke
Kooperation von Lehrkräftebildnern im Langzeitpraktikum – Tandems und Fachnetze aus universitären und schulpraktischen Lehrenden


Beschreibung der Beiträge

Was Langzeitpraktika leisten (können) – empirische und konzeptionelle Erkundungen

Tobias Leonhard und Simone Herzog

Langzeitpraktika liegen im Trend. Doch die im Beitrag vorgestellten empirischen Befunde aus einem solchen Praktikum verweisen darauf, dass die Bewährung in der beruflichen Praxis die zentrale Strukturlogik dieses Formats darstellt und die wissenschaftsfundierte Distanzierung dabei systematisch unter Druck gerät. Die Ergebnisse einer objektiv-hermeneutischen Sequenzanalyse verdeutlichen, dass dies für Studierende durchaus attraktiv ist und das Selbstwirksamkeitserleben durchaus stärkt. Die damit aber aufgeworfene Frage nach konzeptionellen Konsequenzen wird auf der Basis einer alternativen theoretischen Grundlage zu beantworten versucht.

Schlagwörter: Langzeitpraktika – Praxistheorie – Sequenzanalyse – Theorie und Praxis

The (potential) impact of long term internships – empirical and conceptual perspectives

Long term internships in teacher education are in vogue. Results from a qualitative study on this type of internship show the predominance of student teachers orientation towards proving their worth in coping with the challenges of professional practice. Conceptual consequences of these findings are discussed from an alternative framework based on theories on social practices.

Keywords: long term internships – sequential analysis – theories on social practices – theory and practice

Zur Nutzung schulpraktischer Lerngelegenheiten an zwei deutschen Hochschulen: lernprozessbezogene Tätigkeiten angehender Lehrpersonen in Masterpraktika

Jörg Doll, Armin Jentsch, Dennis Meyer, Gabriele Kaiser, Kai Kaspar und Johannes König

Die Ausgestaltung von Schulpraktika (bzw. Praxissemestern) variiert beträchtlich zwischen unterschiedlichen Standorten. Trotzdem liegen bisher kaum empirische Vergleiche zwischen unterschiedlichen Formen von Praktika an unterschiedlichen Standorten vor. Diese Lücke will die vorliegende Studie schließen. Die Masterpraktika an den Universitäten von Hamburg und Köln werden als komplexe Lerngelegenheiten im Lehramtsstudium miteinander verglichen. Dazu werden zum einen die intendierten Curricula in zentralen Merkmalen wie den geforderten Lernzeiten, den curricularen Zielen und den praktikumsbegleitenden Seminaren miteinander verglichen. Zum anderen werden die lernprozessbezogenen Tätigkeiten der Studierenden in den Praktika gemäß der Angebots-Nutzungs-Konzeption als Nutzung der schulpraktischen Lerngelegenheiten erhoben. Diese schulpraktischen Tätigkeiten werden durch ein fünfdimensionales Modell lernprozessbezogener Tätigkeitsdimensionen beschrieben. Insgesamt N = 482 Lehramtsstudierende der beiden Hochschulen beurteilten die Angebotsmerkmale und ihre Nutzung der schulpraktischen Lerngelegenheiten. In allen Merkmalen treten große interindividuelle Unterschiede innerhalb beider Standorte auf, die auf die Komplexität der schulpraktischen Lerngelegenheiten und die Bedeutung individueller Lernorientierungen bei ihrer Nutzung hinweisen. Die abgestimmte Begleitung der Praktika durch die Universität Hamburg und das dortige Institut für Lehrerbildung erweist sich als besonders förderlich für die Auslösung von Reflexionen über Theorie-Praxis- Beziehungen.

Schlagwörter: Angebots-Nutzungs-Modell – intendiertes Curriculum – Lerngelegenheiten – lernprozessbezogene Tätigkeitsdimensionen

The use of in-school opportunities to learn at two German universities: Learning process-related activities of future teachers in internships at the master level

The arrangement of school internships (or internship semesters) varies considerably between different institutions. However, empirical comparisons of different internships at different institutions are missing so far. The present study aims to close this gap by comparing the master internships of the universities of Hamburg and Cologne, which are considered as complex learning opportunities in teacher education. The intended curricula of the two universities are compared with regard to key features, such as the required learning time, curricular goals, and the seminars accompanying the internship. Additionally, and in accordance with the so-called offer-use model, the learning process-related activities of the students in the internships are assessed in terms of in-school learning opportunities. These activities are described by a fivedimensional model of learning process-related activities. A total of n = 482 teacher students from the two universities rated characteristics of the offered in-school opportunities to learn and the characteristics of their usage. With respect to all variables, large individual differences at both universities were found, reflecting the complexity of learning opportunities in school practice and the importance of individual learning orientations. The concerted support of the internships at the University of Hamburg and its Institute for Teacher Education proves to be particularly beneficial for the support of reflections on theory-practice relations.

Keywords: intended curriculum – learning process related activities – offer-use model – opportunity to learn

Studienprojekte im Praxissemester. Wirkungsforschung im Kontext Forschenden Lernens

Petra Herzmann und Anke B. Liegmann

Die Dokumentenanalyse von Studienprojekten aus drei Fachdidaktiken (Deutsch, Geschichte, Physik) und zwei sonderpädagogischen Schwerpunkten zeigt, dass unabhängig von der fachlichen Ausrichtung überdurchschnittlich häufig Forschungsvorhaben von den Studierenden realisiert werden, die dem Paradigma der Wirkungsforschung zugeordnet werden können. Ausgehend von diesem inhaltsanalytischen Befund zur Forschungsausrichtung der Studienprojekte rekonstruieren wir einerseits, welche Varianten von Wirkungsforschung sich in den Studienprojekten zeigen. Andererseits gehen wir in Anlehnung an konzeptionelle Überlegungen zum Forschenden Lernen der Frage nach, inwiefern sich für Studierende über die Bearbeitung von Studienprojekten eine berufspraktische Bedeutsamkeit ihrer Forschungen ergibt. Wir diskutieren abschließend, welche strukturlogischen Zusammenhänge sich zwischen den konzeptionellen Überlegungen zum Forschenden Lernen und den Realisierungsformen in den Studienprojekten zeigen.

Schlagwörter: Forschendes Lernen – Praxissemester – Professionalisierung – Studienprojekte

Project work and the teaching practice semester: Effectiveness research in the context of research-based learning

The paper reports results of document analyses from project work done by university students in subject didactics (German, history, physics) and special education. Findings from qualitative content analyses show that, irrespective of their major subject, the students very often choose research projects that are drawing on the effectiveness paradigm. Pursuant of this result concerning the research focus of the project work, we reconstructed the different approaches of effecttiveness research used in the projects. Based on conceptual considerations regarding researchbased learning, we also analyzed the extent to which working with research projects is relevant for the teaching practice of the students. We discuss the structural relations between the conceptual considerations regarding research-based learning and the ways that these are translated into project work.

Keywords: professionalization – project work – teaching practice semester – research-based learning

Die Bedeutung der Berufswahlmotivation, Selbstregulation und Kompetenzselbsteinschätzungen für das bildungswissenschaftliche Professionswissen und die Unterrichtswahrnehmung angehender Lehrkräfte zu Beginn und am Ende des Praxissemesters

Sarah Mertens, Sabine Schlag und Cornelia Gräsel

Die Lehrerbildungsforschung weist darauf hin, dass es systematische interindividuelle Unterschiede in den professionellen Kompetenzen angehender Lehrkräfte gibt. Insbesondere persönliche Voraussetzungen und bereits vorhandene Kompetenzen beeinflussen die Nutzung von Lerngelegenheiten. Die vorliegende Längsschnittstudie mit 142 Lehramtsstudierenden betrachtet das Verhältnis selbstbezogener Kognitionen, bildungswissenschaftlichen Professionswissens und professioneller Unterrichtswahrnehmung sowohl zu Beginn als auch am Ende des Praxissemesters. Mittels multipler Regressionsanalysen wurde untersucht, welchen Einfluss selbstbezogene Kognitionen in Form von (1) Berufswahlmotivation (2) Selbstregulation und (3) Kompetenzselbsteinschätzungen auf das (4.1) konzeptuelle bildungswissenschaftliche Wissen und die (4.2) professionelle Unterrichtswahrnehmung besitzen. Die Analysen zeigen, dass erst nach Absolvieren des Praxissemesters die subjektiven Kompetenzeinschätzungen in einem systematischen Zusammenhang zu der professionellen Unterrichtswahrnehmung standen. Beziehungen zwischen dem konzeptuellen bildungswissenschaftlichen Wissen und den anderen erfassten Kompetenzfacetten konnten nicht gezeigt werden.

Schlagwörter: Lehrerbildung – Motivation – Praxissemester – Selbstregulation

The relevance of preservice teachers’ professional motivation, selfregulation, and self-assessed competencies for educational knowledge and professional vision at the beginning and the end of an internship

Research on teacher education showed that there are systematic interindividual differences in preservice teachers’ professional knowledge. Especially, personal characteristics and existing competencies influence the use of learning opportunities. The present longitudinal study with 142 preservice teachers examines the relationship between self-referred cognitions, educational knowledge, and professional vision at the beginning and the end of an internship. Using multiple regression analyses, the influence of (1) motivation for choosing teaching as a profession, (2) selfregulation, and (3) self-assessed competencies on (4.1) conceptual educational knowledge as well as (4.2) professional vision awareness were examined. Analyses showed that the self-assessed competencies were only systematically related to the professional vision after completing the internship. Relations between the conceptual educational knowledge and other facets of competence could not be shown.

Keywords: internship – motivation – self-regulation – teacher training

Die Entwicklung der berufsspezifischen Selbstwirksamkeitserwartung von Lehramtsstudierenden in schulischen Praxisphasen – Ein Vergleich von Lehramtsstudierenden im Praxissemester mit Studierenden in einem fünfwöchigen Blockpraktikum

Anne Böhnert, Marius Mähler, Franz Klingebiel, Martin Hänze, Hans Peter Kuhn und Frank Lipowsky

Studien zur Entwicklung der Lehrerselbstwirksamkeitsüberzeugung (LSWE) im Schulpraktikum zeigen uneinheitliche Ergebnisse. Während in einer Vielzahl von Studien Anstiege über die Praxisphase berichtet werden, finden sich in anderen Studien Rückgänge oder sowohl Anstiege als auch Rückgänge. Die unterschiedlichen Subfacetten der LSWE (Classroom Management, Instructional Strategies, Student Engagement) scheinen sich hierbei nicht gleichförmig zu entwickeln. Wenig untersucht ist, inwiefern Form und Länge der Praxisphase einen Einfluss auf die Entwicklung der LSWE bei Studierenden haben. Der vorliegende Beitrag analysiert, wie sich die LSWE in den drei Subfacetten Classroom Management, Instructional Strategies und Student Engagement bei Studierenden im Praktikum und darüber hinaus über den Zeitraum von insgesamt 12 Monaten entwickelt und ob sich dabei Unterschiede in Abhängigkeit von der Länge der Praxisphase ergeben. Hierfür wurden Studierende in unterschiedlichen Praktikumsformen (15-wöchiges Praxissemester, n = 203 vs. fünfwöchiges Blockpraktikum, n = 56) zu drei Messzeitpunkten vor, während und nach der Praxisphase befragt. Die Entwicklungen der LSWE werden mittels Varianzanalysen auf Unterschiede überprüft. Die Ergebnisse weisen auf unterschiedliche Verläufe der LSWE in den verschiedenen Facetten und Praxisformen hin. Dabei zeigen sich in der Gruppe des Praxissemesters eindeutigere Zuwächse der LSWE als in der Gruppe des kürzeren Blockpraktikums. Die Gruppen gleichen sich im Anschluss an die Praxisphase jedoch wieder an.

Schlagwörter: Längsschnittuntersuchung – Lehrerbildung – Lehrerselbstwirksamkeitsüberzeugung – Schulpraktikum

The development of teacher self-efficacy in student teaching field experiences – A comparison of student teachers in 15 weeks of field training vs. 5 weeks of field training

Recent research concerning the development of teachers’ self-efficacy (TSE) during student teaching field experiences show various results. While many studies report increases in field training, others report decreases or even both. Particularly the subdimensions of TSE (Classroom Management, Instructional Strategies and Student Engagement) show unequal developments. Furthermore, there is few research concerning the influence of form and duration of field experiences on TSE. The present study explores how TSE of preservice teachers develops during the field training and up to 12 months afterwards and if the duration of the field experience influences the development of TSE. Preservice teachers in two different forms of field experiences (15 weeks of field training, n = 203 vs. 5 weeks of field training, n = 56) were questioned at three various points in time before, during and after the training, using a three-dimension scale of TSE. Differential development was examined using a repeated measures ANOVA. The results show differential developments of TSE, depending on the dimension and the duration of field training. There are more changes in TSE for the 15 week group. However, the groups align after the field training.

Keywords: longitudinal study – student teaching field experience – teacher education – teacher self-efficacy

Veränderung motivationaler Orientierungen im Praxissemester: Eine videobasierte Studie auf Basis der Erwartungs-Wert-Theorie

Mathias Dehne, Susi Klaß und Alexander Gröschner

Die Forschung zur Lehrer/-innenbildung befasst sich selten mit der Leistungsmotivation im Praxissemester (PS). Der Beitrag fokussiert die Leistungsmotivation in den erziehungswissenschaftlichen Begleitveranstaltungen. Kern der Seminare ist die Reflexion eigenen Unterrichts der Studierenden in einer videobasierten Online-Lernumgebung. In der vorliegenden Studie wurde die Erwartungs-Wert-Theorie (EVT) verwendet, um Veränderungen der Leistungsmotivation während des PS in einem experimentellen Design (Unterrichtsreflexion mit Videografien vs. ohne Videografien) zu untersuchen. Konfirmatorische Faktorenanalysen bestätigen die Replikation der EVT im Kontext von Unterrichtsreflexionen. Es wird gezeigt, dass Studierende in der Interventionsgruppe, die mit dem videobasierten Ansatz reflektierten, nach Beendigung des PS punktuell Rückgänge in den Nützlichkeitswerten zeigen. Insgesamt können in beiden Gruppen Steigerungen der Wahrnehmungen von Kompetenz und Erfolgserwartung konstatiert werden. Die Ergebnisse weisen Ähnlichkeiten zu Befunden hinsichtlich der Kompetenzselbsteinschätzung oder Selbstwirksamkeitserwartung von angehenden Lehrpersonen auf. Implikationen aus emotionalen Anstrengungen für die weitere Forschung werden abgeleitet.

Schlagwörter: Erwartungs-Wert-Theorie – Praxissemester – Unterrichtsreflexion – Video

Changes in motivational orientations during pre-service teacher practicum: A video-based study based on expectancy-value theory

Research on teacher education hardly focuses on achievement motivation during a long-term teaching practicum. The present study investigated achievement motivation during university courses accompanying the teaching practicum. The courses focus student teachers’ learning to reflect upon own teaching in a video-based online-environment. To study the effects on motivational development during reflection of classroom situations in an experimental design (with video vs. without video), expectancy-value theory served as theoretical background. Confirmatory factor analyses indicate the replication of expectancies and values regarding teaching reflection. Results of true change models show decreases in utility values regarding teaching reflection for student teachers in the video reflection group. Overall, student teachers’ perceptions of competences and success expectation increased in both groups. The results are in line with findings on pre-service teachers’ self-evaluations of competence and self-efficacy. Future research on emotional effort is needed.

Keywords: expectancy-value theory – teacher practicum – teaching reflection – video

Was wissen Studierende über Klassenführung? –
Lerngelegenheiten und Lerngewinne in Studium und Praxissemester

Andrea Westphal, Hendrik Lohse-Bossenz, Miriam Vock und Gerlinde Lenske

Klassenführung ist ein wesentlicher Aspekt erfolgreichen Unterrichts und sollte daher eine zentrale Rolle in der Lehramtsausbildung einnehmen. Der vorliegende Beitrag prüft, wie intensiv das Thema Klassenführung in Praxissemesterbegleitveranstaltungen und in früheren Studienphasen der Universität Potsdam besprochen wird. Zudem untersuchen wir das Wissen von N = 554 Lehramtsstudierenden über Klassenführung; dazu berichten wir über die Ergebnisse aus Befragungen und Wissenstestungen von Studierenden während der Bachelorstudienphase (n = 252), zu Beginn der Masterstudienphase (n = 145) und während des Praxissemesters (n = 157), die im Wintersemester 2016/17 durchgeführt wurden. Wir untersuchen auch den Wissenszuwachs dieser drei Studierendenkohorten im Verlauf eines Semesters. In erziehungswissenschaftlichen Veranstaltungen wurde, insbesondere zu Beginn des Studiums und im Praxissemester, intensiver über Klassenführung gesprochen als in fachdidaktischen Veranstaltungen. Latente Strukturgleichungsmodelle ergaben deutliche Wissensvorteile der Praxissemesterstudierenden gegenüber den Bachelorstudierenden. Im Verlauf eines Semesters war das Wissen recht stabil. Wir diskutieren Implikationen für die Lehramtsausbildung.

Schlagwörter: Lehramtsstudium – Lerngelegenheiten – Praxissemester – Wissen über Klassenführung

A comparison of how much teaching students know about classroom management

Classroom management is an essential element of successful teaching and should therefore play a central role in teacher education. This study examines how intensively classroom management is taught both in classes that accompany practical internships as well as in the initial stages of teacher training at the University of Potsdam. We also compare how much students knew about classroom management during their teaching placement (n = 157) with how much teaching students in bachelor programs (n = 252) or at an earlier stage of their master’s degree knew (n = 145). We then looked at how much knowledge these three student cohorts had acquired over the course of a single semester. Thus, the study was based on a sample of N = 554 students, who were questioned and tested during the winter semester 2016/17. Classroom management was taught more intensively in pedagogical courses than in didactic courses, especially in the bachelor program and during teaching internships. Latent structural equation models indicated that students on teaching placements knew much more about classroom management than bachelor students. Student knowledge remained relatively constant over the course of the semester. We discuss implications for teacher training.

Keywords: knowledge about classroom management – learning opportunities – practical – internship – teacher training

Veränderung von Einstellungen zur Theorie- und Praxisorientierung des Lehramtsstudiums im Praxissemester

Thomas Fischer, Andreas Bach und Kathrin Rheinländer

Der vorliegende Beitrag untersucht die Einstellungen von Studierenden zur Theorie-Praxisorientierung des Lehramtsstudiums im Verlauf eines 10-wöchigen Praxissemesters. Die Studie ist Teil des Projekts Intensität und Stabilität berufsbezogener Einstellungen im Lehramtsstudium (ISabEL) an der Europa-Universität Flensburg. Mit Blick auf Ziele verlängerter Praxisphasen wird überprüft, ob und inwiefern sich die Einstellungen der Studierenden im Laufe eines Praxissemesters verändern. Die Analysen erfolgen anhand einer neu entwickelten Skala, welche die Einstellungen zur Theorie-Praxis-Orientierung auf den Dimensionen „theoretisch-reflexive Professionalisierungsfunktion“ und „berufseinführende Professionalisierungsfunktion“ erfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass die Studierenden nach dem Praxissemester über weniger positive Einstellungen gegenüber einer „theoretisch-reflexiven Professionalisierungsfunktion“ verfügen, während sich die Einstellungen zur „berufseinführenden Professionalisierungsfunktion“ nicht statistisch bedeutsam nach dem Praxissemester unterscheiden.

Schlagwörter: Einstellungen – Lehrerbildung – Schulpraktika – Theorie-Praxis-Verhältnis

Attitude change towards the theoretical and practical orientation of teacher training during a practical semester

The present paper examines the attitudes of student teachers towards the theory-practice orientation of teacher training in the course of a 10-week internship. The study is part of the project ISabEL at the University of Flensburg. With regard to the objectives of extended practical phases, it is analyzed whether and to what extent the attitudes of student teachers change in the course of a practical semester. The analyzes are based on a newly developed scale, which measures the attitudes towards the theory-practice-orientation on the dimensions “theoretical-reflexive function of professionalization” and “professional introductory function of professionalization”. The results show that student teachers have less positive attitudes towards the dimension “theoretical- reflexive function of professionalization” after the practical semester, while the attitudes towards the “professional introductory function of professionalization” do not differ statistically significant after the practical semester.

Keywords: attitudes – internships – teacher education – theory-practice relationship

Kooperation von Lehrkräftebildnern im Langzeitpraktikum – Tandems und Fachnetze aus universitären und schulpraktischen Lehrenden

Timo Beckmann und Timo Ehmke

An der Ausbildung von Lehrkräften sind Lehrende der Universität, Schulpraxis und der Studienseminare beteiligt. Im Rahmen der Lehre zur niedersächsischen Praxisphase des GHR-Lehramtsstudiums kooperieren diese Akteure, um ihre unterschiedlichen Perspektiven einzubringen. In dieser Studie wurden an der Praxisphase beteiligte Lehrkräftebildner/-innen (N = 133) mittels Online-Fragebogen befragt, wie sie ihre Kooperation einschätzen. Es zeigt sich, dass die Akteure die Kooperation untereinander auf mehreren Ebenen wichtig finden und intensiv kooperieren. Weiterhin wird deutlich, dass es vergleichbare Einschätzungen hinsichtlich der Kooperation zwischen den Lehrkräftebildner/-innen der Universität und Lehrkräften in der Praxisphase gibt und dass die Befragten durch die gemeinsame Lehre ihre eigenen Lehrkonzepte verändert haben. Fachnetze – als Zusammenschlüsse aller an der Praxisphase beteiligten Lehrenden eines Faches – werden von den Befragten unterschiedlich stark als „kollektive Ressource“ wahrgenommen.

Schlagwörter: Langzeitpraktikum – Lehrkräftebildung – Niedersachsen – Phasenübergreifende Kooperation

Cooperation of teacher educators in the long-term internship – “teaching tandems“ and “subject networks“

University-level educators, teachers in schools, and internship supervisors (“Studienseminare”) are all involved in the education of teachers. Within the framework of the long-term school internship in Lower Saxony, these different teacher educators cooperate in seminars and during lesson observations as a “teacher tandem” in order to provide different perspectives to the teacher education process. Utilizing an online questionnaire, these tandems (N = 133 individuals) were asked to evaluate this approach. An analysis of the results reveals that the participants value the cooperation and that they cooperate extensively. These findings were consistent across the various groups of actors. In addition, they report that their participation in these tandems has effected changes in their own teaching concepts. At the same time, however, there are discrepancies regarding the perceived value of the subject-specific network, as a network of all tandems of a subject area, as a “collective resource”.

Keywords: cooperation of teacher educators – long-term internship – lower saxony – teacher education