Lehrerbildung auf dem Prüfstand 2017 – 10 (1)

19,90

Bibliographische Angaben

Autoren Karl-Heinz Arnold
Sebastian Barsch
Nina Glutsch
Bernhard Hauck
Michael Hirth
Denise Kahlert
Manuela Keller-Schneider
Katrin B. Klingsieck
Jochen Kuhn
Alexander Molz
Raphaela Porsch
Josina Schriek
Matthias Schäfer
Christoph Schüle
Roland Ulber
Felix Walker
Leo van Waveren
Band/Heft 1
Erscheinungsjahr 2017
Jahrgang 10
ISSN 1867-2779
Seiten ca. 136
Sprache Deutsch
Bindung Softcover

Inhaltsverzeichnis


Beiträge

Felix Walker, Jochen Kuhn, Bernhard Hauck, Roland Ulber, Michael Hirth, Alexander Molz, Matthias Schäfer und Leo van Waveren
Erfassung von technologisch-pädagogischem Inhaltswissen in Lehrerfortbildungen zum naturwissenschaftlich-technischen Experimentieren unter Entwicklung und Verwendung neuer Smartphone-Experimente: Erste Ergebnisse einer Pilotierung

Manuela Keller-Schneider
Die Bedeutung der Nutzung eines digitalen Lernobjekts für die Wahrnehmung und Nutzung von Lerngelegenheiten zum Aufbau von professionellen Kompetenzen im Lehramtsstudium – eine Frage von Angebot, der Nutzung oder Merkmalen der Nutzenden?

Katrin B. Klingsieck
Selbstwirksamkeit zum Diagnostizieren lern- und leistungsrelevanter Merkmale in der Schule – Entwicklung und Erprobung einer Skala

Nina Glutsch und Sebastian Barsch
Berufsbiografische Reflexion im Schulpraktikum – Eine Analyse schriftlicher E-Portfolioelemente von Lehramtsstudierenden

Christoph Schüle, Josina Schriek, Denise Kahlert und Karl-Heinz Arnold
Die Beanspruchungsregulation von Lehramtsstudierenden im Praxissemester

Raphaela Porsch
Mathematik als Pflichtfach in der Primarstufenlehrerausbildung – Mathematikangst, Enthusiasmus und Gründe der Schwerpunktwahl angehender Grundschullehrkräfte


Beschreibung der Beiträge

Erfassung von technologisch-pädagogischem Inhaltswissen in Lehrerfortbildungen zum naturwissenschaftlich-technischen Experimentieren unter Entwicklung und Verwendung neuer Smartphone-Experimente: Erste Ergebnisse einer Pilotierung

Felix Walker, Jochen Kuhn, Bernhard Hauck, Roland Ulber, Michael Hirth, Alexander Molz, Matthias Schäfer und Leo van Waveren

Bei Lehrkräften wird aus einer wissenschaftlichen Perspektive neben den Dimensionen des pädagogischen und inhaltlichen Wissens deren Zusammenspiel, das fachdidaktische Wissen, als Facetten des Professionswissens betrachtet. Im Rückgriff auf den TPIW-Ansatz von Mishra und Koehler (2006) weist der vorliegende Artikel auch auf die Bedeutung des technologischen Wissens für die erfolgreiche Anwendung digitaler Medien beim Einsatz im Unterricht hin. Der Einsatz von Smartphones in vier Themenbereichen (Belastung mit Schwermetallen, Feinstaub sowie Lärm und Radioaktivität) als Experimentiergegenstand für den Unterricht war Inhalt von Lehrerfortbildungseinheiten, die mit einem übersetzten und adaptierten Instrument zur Selbsteinschätzung evaluiert wurden. Der im Prä-Posttest-Design eingesetzte Fragebogen erfasste dabei jeweils neben den drei eingangs genannten Dimensionen auch das technologische Wissen der Lehrkräfte. In der ersten Auswertung der Pilotierung wurden hohe Zusammenhänge der inhaltlich verbundenen Dimensionen von Inhaltswissen, fachdidaktischem Wissen und technologischem Inhaltswissen nachgewiesen. Darüber hinaus konnte ein deutlicher Zugewinn beim Inhaltswissen und dem fachdidaktischen Wissen festgestellt werden. Vor allem jedoch im Bereich des technologischen Inhaltwissens gaben die Lehrkräfte einen deutlichen Wissensaufbau an.

Schlagwörter: Lehrerfortbildung – naturwissenschaftlich-technisches Experimentieren – Professionswissen – technologisch-pädagogisches Inhaltswissen

Assessment of technological pedagogical content knowledge within a teacher training about scientific-technological smartphone-based experiments: First results of a pilot study

To assess the professional competence of teachers mainly the domains of pedagogical knowledge, content knowledge and the pedagogical content knowledge are reflected upon. Taking a TPCK-based approach (Mishra & Koehler, 2006) this article stresses the importance of technological pedagogical content knowledge (TPCK) for a successful employment of digital technology in school. Training for teachers concerning smartphone experiments from four subjects (heavy metal polluted water samples, particulate matter, noise and radioactivity) were evaluated with a translated self-assessment-survey to assess TPCK in a pre-post-test design in addition to the aforementioned domains. First results suggest close correlations between the related domains of content knowledge, technological content knowledge and the pedagogical content knowledge. Teachers showed a strong increase in the pedagogical content knowledge and content knowledge after the training, but even more so for the domain of technological content knowledge.

Keywords: professional competence – scientific-technological experimentation – technological pedagogical content knowledge – training for teachers

Die Bedeutung der Nutzung eines digitalen Lernobjekts für die Wahrnehmung und Nutzung von Lerngelegenheiten zum Aufbau von professionellen Kompetenzen im Lehramtsstudium – eine Frage von Angebot, der Nutzung oder Merkmalen der Nutzenden?

Manuela Keller-Schneider

Im Rahmen der Schwerpunktverlagerung „from teaching to learning“ wurden an der Pädagogischen Hochschule Zürich Module entwickelt, in welchen dem Inverted-Classroom-Ansatz folgend der Wissenserwerb in die Vorbereitungsarbeiten verlagert wurde, um im Rahmen der Plenumsveranstaltungen Vertiefungen zu ermöglichen. Zur Unterstützung des selbstregulierten Wissenserwerbs wurde eine digitale Lernumgebung mit einem didaktisch aufbereiteten Lernobjekt bereitgestellt, das über deduktive und induktive Zugänge den Erwerb des modulspezifischen Wissens ermöglicht. Untersucht wird die Bedeutung des Lernobjekts für das Lernergebnis sowie Fragen nach der Bedeutung von individuellen Merkmalen der Studierenden für die Nutzung dieses Lernobjekts.
Mittels einer Online-Umfrage wurden 765 Studierende nach Einschätzungen von Angebot, Nutzung, individuellen Ressourcen und Lernertrag befragt. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass die Nutzung des Lernobjekts den Lernertrag unterstützt, dass sich aber die Studierenden, welche das Lernobjekt nutzen, insgesamt intensiver mit den Anforderungen der Lehrveranstaltung auseinandersetzen. Nach Neigung, Intensität und wahrgenommener Qualität des Lernobjekts clusteranalytisch identifizierte Typen unterscheiden sich nicht nur in den Profilen, sondern auch im Lernergebnis. Die Nutzung des Lernobjekts wird durch die Neigung, mit digitalen Lernobjekten zu arbeiten, unterstützt. Das Lernergebnis wird jedoch auch durch weitere Faktoren mitbestimmt, die auf eine intensive Auseinandersetzung mit den Anforderungen hinweisen.

Schlagwörter: digitale Lernumgebung – Lernstrategien – Nutzung von Lernangeboten – Selbstregulation

The impact of the use of a digital learning object on the perception and the use of learning opportunities to build up professional competences during teacher education – a question of the learning opportunity, its use or characteristics of the student?

Due to the shift ‚from teaching to learning’ at Zurich University of Teacher Education new learning settings were developed. According to the Inverted-Classroom-Approach students must prepare themselves to be ready for plenary and counseling sessions. To acquire knowledge a digital learning environment was prepared, including a digital learning object with learning material, using deductive and inductive approaches. This article investigates on the impact of the learning object on the learning output of the students, in addition to individual characteristics and factors of the use of the learning environment in general. 765 students of teacher education were asked by an electronic survey to assess the quality of the course, their use of different learning settings and learning strategies and individual characteristics.
Results show an influence of the use of the digital learning object. Students, who worked with this tool, show a higher intensity in their work on the tasks in general. Types, identified by the intensity of the use of the learning object, the interest to work with it and the perceived quality of it, differ in their profiles over these three factors. A high interest, to work with this learning object facilitates the output. But there are several factors that contribute to a high commitment to work on the tasks and to a high learning output.

Keywords: digital learning environment – learning strategies – self-regulation – use of learning possibilities

Selbstwirksamkeit zum Diagnostizieren lern- und leistungsrelevanter Merkmale in der Schule – Entwicklung und Erprobung einer Skala

Katrin B. Klingsieck

Dieser Beitrag stellt eine Skala zur Erfassung der Selbstwirksamkeit zum Diagnostizieren lern- und leistungsrelevanter Merkmale in der Schule vor. Die Skala umfasst insgesamt 21 Items, die sowohl schülerbezogene als auch kontextbezogene Merkmale erfassen. Die Items sind so formuliert, dass die Skala in allen Abschnitten der Lehrerausbildung eingesetzt werden kann, um die Entwicklung der diagnostischen Kompetenz zu reflektieren sowie zu überprüfen und die Ausbildung dementsprechend fortlaufend zu optimieren. Die Skala wurde im Rahmen von drei Studien in pädagogisch-psychologisch orientierten Seminaren im bildungswissenschaftlichen Studium auf ihre Reliabilität, faktorielle Validität und Konstruktvalidität geprüft. Die Ergebnisse zeigen, dass eine reliable und valide Skala zur Verfügung steht. Die Einsatzmöglichkeiten als Reflexions- und Evaluationsinstrument werden diskutiert.

Schlagwörter: adaptive Lehrkompetenz – diagnostische Kompetenz – Heterogenität – Selbstwirksamkeit

Self-efficacy for diagnosing characteristics relevant for learning and achieving in school – development and testing of a scale

This article introduces a scale for assessing teacher self-efficacy for diagnosing characteristics relevant for learning and achieving in school. The scale consists of 21 items that tap into student and context characteristics. The items’ wording allows for an application in all sections of teacher education. Its application aims at supporting the reflection and assessment of diagnostic competence in order to continuously improve teacher education. Its reliability, factorial validity, and construct validity were tested in the realm of three studies in educational-psychological seminars. Results support the notion of a reliable and valid scale. Suggestions with regard to using it for reflecting on and evaluating teacher education are discussed.

Keywords: adaptive teaching competency – diagnostic competence – heterogeneity – self-efficacy

Berufsbiografische Reflexion im Schulpraktikum – Eine Analyse schriftlicher E-Portfolioelemente von Lehramtsstudierenden

Nina Glutsch und Sebastian Barsch

Noch ist wenig darüber bekannt, inwieweit sich Lehramtsstudierende zu Beginn ihres Studiums reflektiert mit ihrer eigenen Person auseinandersetzen sowie mit ihren Motiven und ihrer Motivation, den Beruf ergreifen zu wollen. In diesem Beitrag werden die Berufswahlmotive von Lehramtsstudierenden und der Einfluss des Praktikums auf die Berufs- bzw. Studienwahl anhand von schriftlichen Dokumenten aus der E-Portfolioarbeit untersucht. Die Daten stammen von einer Kohorte Berufsfeldpraktikant/-innen aus dem Wintersemester 2013/14 der Universität zu Köln. Dokumente von 131 Studierenden wurden mit Hilfe der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2010) ausgewertet. Die Berufswahlmotive wurden nach Kategorien differenziert, die aus Studien zur Berufswahlmotivation bereits bekannt sind. Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung zeigen, dass die erwähnten Berufswahlmotive vor allem sozial-altruistischer und intrinsischer Natur sind und die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in den Vordergrund stellen. Zudem findet sich in den Dokumenten mehrheitlich eine Bestätigung der Berufswahl nach dem Absolvieren des Berufsfeldpraktikums.

Schlagwörter: berufsbiografische Reflexion – Berufswahlmotivation – E-Portfolio – Praxisphasen Lehrer/-innenbildung

Reflection of the occupational choice during internships – an analysis of e-portfolio documents written by teacher education students

Very little is still known regarding students’ ability, at the onset of their studies, to reflect their own personality, their motives and motivations for choosing teaching as a career. This paper takes a closer look at teacher students’ reasons for choosing the teaching profession as well as the influence of the field experience on the occupational choice by analyzing written e-portfolio elements. Data was generated from a group of teacher students who did a mandatory internship in pedagogical and neighbouring professional fields during the 2013/14 winter semester. Documents from 131 students were surveyed and evaluated via qualitative content analysis. Motives for choosing teaching as a career were classified along categories which recent research has shown to be relevant. Results show that students’ motivations for choosing the teaching profession were mainly social, altruistic and intrinsic such as working with children and youths. Furthermore, this second field experience seems to confirm the occupational choice in many cases.

Keywords: e-portfolio – field experience in teacher education – motivations for choosing teaching as a career – reflection

Die Beanspruchungsregulation von Lehramtsstudierenden im Praxissemester

Christoph Schüle, Josina Schriek, Denise Kahlert und Karl-Heinz Arnold

Für viele angehende Lehrpersonen stellt das Praxissemester eine besonders anspruchsvolle Phase ihrer beruflichen Professionalisierung dar, in der sie mit einer Vielzahl von Diskrepanzen zwischen ihren unterrichtlichen Zielen sowie Idealen und der praktischen Realität im Klassenzimmer konfrontiert werden. In Anlehnung an das Zwei-Prozess-Modell der Entwicklungsregulation wird hierzu untersucht, inwiefern assimilative und akkommodative Regulationsmodi die Beanspruchung von Studierenden im Praxissemester abpuffern können. Im Verlauf einer Längsschnittstudie nahmen 99 Lehramtsstudierende an zwei Messzeitpunkten teil. Zur Operationalisierung der Beanspruchung wurde die emotionale Erschöpfung auf Basis des Maslach Burnout Inventory (MBI) erhoben; zur Erfassung der assimilativen und akkommodativen Regulationsmodi wurden die Tenacious Goal Pursuit (TGP)- und Flexible Goal Adjustment (FGA)-Skalen genutzt. Die Ergebnisse zeigen eine mittelgroße Beanspruchungszunahme. Diese wird durch die Nutzung assimilativer Regulationsstrategien zu Beginn des Praxissemesters negativ vorhergesagt und steht mit dem zunehmenden Einsatz akkommodativer Strategien in einem negativen Zusammenhang.

Schlagwörter: assimilative und akkommodative Bewältigung – Beanspruchung – Lehrerbildung – Selbstregulation

Student teachers’ strain regulation during their student teaching semester

For many student teachers, their student teaching semester can be regarded as a challenging part of their professional development wherein they are confronted with a multitude of discrepancies between their educational goals and ideals on the one hand and their real life experience in class on the other hand. On the basis of the dual-process model, it is examined to what extent assimilative and accommodative strategies cushion student teachers’ strain during a student teaching semester. Therefore, 99 student teachers participated in a longitudinal study including two time points of measurement. To operationalize student teachers’ strain, their emotional exhaustion was gathered using the corresponding subscale of the Maslach Burnout Inventory (MBI) and the Tenacious Goal Pursuit (TGP) and Flexible Goal Adjustment (FGA) scales were employed to measure the assimilative and accommodative modes of regulation. The results show a medium-sized increase of student teachers’ strain, which can be negatively predicted by their assimilative regulation at the beginning of their student teaching semester and which is negatively correlated with an increase of their accommodative regulation over time.

Keywords: assimilative and accommodative coping – self-regulation – strain – teacher education

Mathematik als Pflichtfach in der Primarstufenlehrerausbildung – Mathematikangst, Enthusiasmus und Gründe der Schwerpunktwahl angehender Grundschullehrkräfte

Raphaela Porsch

Im Beitrag werden Ergebnisse einer Befragung von 284 Studierenden für das Lehramt an Grundschulen in Berlin vorgestellt. Anlass der Studie ist die seit 2014 gültige Änderung der Lehramtsausbildung, die festlegt, dass alle zukünftigen Primarstufenlehrkräfte in Deutsch und Mathematik sowie einem weiteren Fach ausgebildet werden. Zahlreiche Studien konnten jedoch zeigen, dass die Bearbeitung von Mathematikaufgaben sowohl bei Schülerinnen bzw. Schülern als auch bei Lehramtsstudierenden Angst auslösen kann. Arbeiten zur Studien- und Kurswahl verweisen ferner auf die Bedeutung des Fachinteresses für den Studienerfolg. Mit diesem Hintergrund wird der Frage nachgegangen, ob sich Unterschiede im Enthusiasmus für das Unterrichten von Mathematik und der Ausprägung von Mathematikangst bei Studierenden für die Tätigkeit an Grundschulen nach Kursniveau im Abitur und Schwerpunktfach im Studium zeigen. Zudem werden die Gründe klassifiziert und beschrieben, die die Studierenden zur Frage der Ablehnung von Mathematik als Schwerpunktfach im Studium angegeben haben. Die Ergebnisse werden in Bezug auf mögliche Konsequenzen für die Lehrerausbildung und zukünftige Forschungsarbeiten diskutiert.

Schlagwörter: Enthusiasmus – Grundschullehrpersonen – Lehrerbildung – Mathematikangst

Math as a compulsory subject in primary teacher education – math anxiety, enthusiasm, and reasons for major subject choice of student teachers

This article presents results from a survey of 284 future primary school teachers in Berlin. The reason for undertaking the study is the change of the curriculum for teacher training in Berlin in 2014 that requires that German and Mathematics along with a further subject are compulsory subjects in primary teacher education at university. However, several studies point out that solving mathematical problems can cause anxiety amongst students and student teachers alike. Research on course choices at university and in secondary education underlines the importance of subject interest for academic success. With this background, the question is whether there are differences among pre-service teachers in enthusiasm for teaching mathematics and in mathematics anxiety by high school course and major at university. In addition, reasons are classified and described given to the answer why mathematics was not chosen as a major. The results are discussed with regard to possible consequences for teacher education and further research questions.

Keywords: enthusiasm – maths anxiety – primary school teachers – teacher education