Corinne Wyss, Meike Raaflaub und Nina Hüsler
2020

In: Empirische Pädagogik 2020 – 34 (1) [digital]:

Selbst- und Fremdwahrnehmung von Unterricht anhand von Schülerrückmeldungen

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Inhaltsverzeichnis

Schülerfeedback bietet für Lehrpersonen eine wichtige Zusatzinformation zur eigenen Unterrichtsbeurteilung und kann sehr wertvoll für die Reflexion des Unterrichts, die Unterrichtsqualität sowie die Entwicklung der professionellen Kompetenz der Lehrperson sein. Für Lehrpersonen kann dabei insbesondere die Auseinandersetzung mit der Fremdbeurteilung, dem Feedback der Schülerinnen und Schüler, im Vergleich zur eigenen Wahrnehmung, aufschlussreich sein. Blinde Flecken in der Eigenwahrnehmung können dadurch aufgedeckt, das Selbstbild erweitert sowie der Unterricht weiterentwickelt werden. Im Projekt SelFreflex haben Studierende im Rahmen des Quartalspraktikums Schülerrückmeldungen zum eigenen Unterricht eingeholt und zeitgleich auch eine eigene Einschätzung des Unterrichts vorgenommen. Am Projekt nahmen zwei Studienjahrgänge der Sekundarstufe I der PH Zürich teil (FS17 & FS18, total N = 235). Die Erkenntnisse der Schülerbefragung mussten die Studierenden in einem vorstrukturierten Reflexionsbogen erläutern, wobei der Vergleich von Fremd- und Selbsteinschätzung explizit eingefordert wurde. Die Reflexionsbögen wurden anschliessend eingesammelt und inhaltsanalytisch anhand eines sowohl induktiv als auch deduktiv gebildeten Kategoriensystems ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die angehenden Lehrpersonen die Arbeit mit Schülerfeedback grundsätzlich als wertvoll erachten. Bei der Analyse der Reflexionsbögen wird ersichtlich, dass die Studierenden ihren Unterricht überwiegend positiv bewerten und Aspekte thematisieren, die hauptsächlich die Sichtstruktur des Unterrichts betreffen. Eine Orientierung am Lernen der Schülerinnen und Schüler findet kaum statt. Viele Studierende berichten, dass der Unterricht von ihnen und den Schülerinnen und Schülern sehr ähnlich wahrgenommen wurde, fast ebenso viele Studierende haben unterschiedliche Wahrnehmungen des Unterrichts festgestellt. Eine Mehrheit der Studierenden fühlt sich jedoch in ihrer Unterrichtseinschätzung bestätigt. Unterschiedliche Wahrnehmungen werden zumeist auf interessensbezogene oder andere persönlichkeitsabhängige Gründe zurückgeführt und als dem Unterricht inhärent angesehen. Es bleibt damit unklar, inwiefern die Schülerrückmeldungen eine kritische Reflexion der Selbstwahrnehmung anstossen und Unterrichtsentwicklung unterstützen konnten. Auf der Grundlage der Erkenntnisse sind weitere Bemühungen in Forschungs- und Entwicklungsprojekten notwendig und wünschenswert.

Schlagwörter: Schülerfeedback – Selbst- und Fremdwahrnehmung – Unterrichtsreflexion – qualitative Inhaltsanalyse

Bibliographische Angaben

Der Beitrag ist in folgendem Heft erschienen
Marten Clausen und Kerstin Göbel (Hrsg.)
2020

In: Empirische Pädagogik 2020 – 34 (1) [digital]:

Unterrichtsrückmeldungen durch Schüler*innen

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Herausgeber Marten Clausen
Kerstin Göbel
Autoren Corinne Wyss
Meike Raaflaub
Nina Hüsler
Band/Heft 1
Erscheinungsjahr 2020
Jahrgang 34
ISBN-13 978-3-944996-64-6
ISBN-10 3-944996-64-X
ISSN 0931-5020
Seiten 79-95
Sprache Deutsch
Dateiformat DRM-freies Portable Document Format (.pdf)