Lehrerbildung auf dem Prüfstand 2014 – 7 (1)

19,90

Bibliographische Angaben

Autoren Beat Bertschy
Simone Berweger
Christine Bieri Buschor
Sandra Frei
Roger Gut
Ludwig Haag
Jan-Hendrik Hinzke
Christa Kappler
Andrea Keck Frei
Sandra Moroni
Alois Niggli
Angelika Paseka
Niclas Schaper
Andrea D. Schwanzer
Band/Heft 1
Erscheinungsjahr 2014
Jahrgang 7
ISSN 1867-2779
Seiten 100
Sprache Deutsch
Bindung Softcover

Inhaltsverzeichnis


Editorial

Niclas Schaper und Ludwig Haag
Editorial


Beiträge

Christa Kappler, Christine Bieri Buschor, Simone Berweger und Andrea Keck Frei
Berufswahlverläufe und Entscheidungsprozesse angehender Lehrer

Sandra Moroni, Roger Gut, Alois Niggli und Beat Bertschy
Verbindung von Theorie und Praxis bei der Begleitung von Praxisphasen in der Lehrerbildung

Angelika Paseka und Jan-Hendrik Hinzke
Fallvignetten, Dilemmainterviews und dokumentarische Methode:
Chancen und Grenzen für die Erfassung von Lehrerprofessionalität

Andrea D. Schwanzer und Sandra Frei
Entwicklung eines Instruments zur Erfassung des Selbstkonzepts der Beratungskompetenz im Bildungsbereich


Beschreibung der Beiträge

Berufswahlverläufe und Entscheidungsprozesse angehender Lehrer

Christa Kappler, Christine Bieri Buschor, Simone Berweger und Andrea Keck Frei

Unter Schweizer Lehrkräften der Primarschule ist der Männeranteil mit 18 Prozent sehr niedrig. Es stellt sich die Frage, in welcher Berufswahlphase junge Männer diese Option ausschließen und zu welchem Zeitpunkt allenfalls noch Interessierte erreicht werden könnten. Im breit angelegten Forschungsprojekt „GUNST – Geschlechts(un)typische Studienwahl“ zeigte sich: Der Anteil am Lehrberuf interessierter Männer ist niedrig, jedoch setzen diese ihre Intention eher um als Männer mit anderen Studienplänen. An Informationsveranstaltungen der Pädagogischen Hochschule lassen sich zudem viele Teilnehmer finden, die noch unentschlossen über ihre Studien- und Berufswahl sind und die Lehrerausbildung in Betracht ziehen. Schließlich rekonstruieren Lehramtsstudenten ihre Berufswahl kaum als linearen Verlauf, sondern vielmehr als Abwägungsprozess. Dies deutet darauf hin, dass Eingrenzungsprozesse schon früh geschehen, die definitive Berufswahl aber erst relativ spät getroffen wird.

Schlagwörter: Berufswahl – Lehrerbildung – Lehrermangel – Studienwahl

Processes of career choice and decision making of prospective teachers

Considering the low quota of male primary teachers in Switzerland, it is of interest in which stage of career choice young men exclude this option and at which point potentially interested men still could be reached. Results from the broadly based research project „GUNST – counter-stereotypical career choice“ show: Yet at an early stage, the percentage of men with interest for primary school teaching is low, though these men realize their intention more frequently than men with other career aspirations. Furthermore there is a high amount of men visiting the information event of the University of Teacher Education who have not yet made their definite career choice and consider primary school teaching. In addition, students in the teacher training reconstruct their career choice not as a linear development, but rather as a „weighing up process“. These findings indicate an early containment process, even though the definite career choice is made rather late.

Keywords: career choice – study choice – teacher education – teacher shortage

Verbindung von Theorie und Praxis bei der Begleitung von Praxisphasen in der Lehrerbildung

Sandra Moroni, Roger Gut, Alois Niggli und Beat Bertschy

Die Begleitung von Praxisphasen in der Lehrerbildung mit deutlichem Bezug zur Verbindung von Theorie und Praxis verlangt, dass Maßnahmen von Hochschule und Praxisfeld aufeinander abgestimmt werden. Gemeinsame Anstrengungen sind notwendig auf struktureller, kommunikativer und auf der Ebene der Lernprozesse. Dabei erhofft man sich eine engere Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis. Am Beispiel der Kompetenzentwicklung zur Inneren Differenzierung untersucht die Studie Effekte koordinativer Maßnahmen bei der Begleitung von Praxisphasen (a) auf inhaltliche Relationen zwischen Lehre und Praxis sowie (b) auf die eingeschätzten Kompe-tenzen zu Beginn, während und am Ende des Lernprozesses. Die qualitativen Gesprächsdaten stammen von 25 Studierenden im fünften Semester ihrer sechssemestrigen Ausbildung zur Grundschullehrkraft. In die quantitative Analyse gingen Daten von 34 Studierenden ein. Gesprächsanalysen zeigten, dass die Themen, die im Kurs an der Hochschule erarbeitet worden waren, auch die Unterrichtsbesprechungen prägten. Ferner schätzten die Studierenden ihr Können, jedoch nicht die Wichtigkeit der fraglichen Kompetenzen im Verlauf des Lernprozesses zunehmend höher ein. Ihre subjektiven Einschätzungen zu Beginn und am Ende des Lernprozesses korrelierten im Weiteren statistisch signifikant mit der Fremdbeurteilung einer abschließenden schriftlichen Reflexionsarbeit.

Schlagwörter: innere Differenzierung – koordinative Begleitung von Praxisphasen – Praktikum – Unterrichtsbesprechungen

Linkage between theory and practice through mentoring in teacher education

Supervision of practical periods in teacher education with clear reference to the linkage between theory and practice means that actions between the university and practice are being coordinated. Common efforts are needed at the structural, the communicative and at the level of the learning processes. One strives for an improved linkage between theory and practice. Using the development of the skill of inner differentiation as an example, the study examined effects of coordinative activities in mentoring on (a) substantive relations between theory and practice, and (b) on the assessed skills at the beginning, during and at the end of the learning process. The qualitative interview data was collected from 25 students in the fifth (of six) semesters of their training as a primary school teacher. In the quantitative analysis data from 34 students were used. Conversation analysis showed that the topics, which have been developed during the course at the university, did coin the discussions in the lesson meetings. Furthermore, during the course of the learning process the students estimated their skills increasingly higher, but the importance of the skills in question remained constant. The subjective assessments at the beginning and at the end of the learning process correlated statistically significantly with the external assessment of a final written reflection paper.

Keywords: coordinative supervision of practical periods – differentiated instruction – internship – lesson meetings

Fallvignetten, Dilemmainterviews und dokumentarische Methode:
Chancen und Grenzen für die Erfassung von Lehrerprofessionalität

Angelika Paseka und Jan-Hendrik Hinzke

Fallvignetten werden in der Lehrerforschung in vielfältiger Form genutzt. Im vorliegenden Beitrag wird eine explorative Studie präsentiert, in der Textvignetten eingesetzt wurden, um Facetten von Lehrerprofessionalität zu erfassen. Diese Fallvignetten beschreiben Problemsituationen aus dem beruflichen Alltag von Lehrpersonen und sind so formuliert, dass sie jeweils für eine dem Lehrberuf zugrunde liegende Antinomie symptomatisch sind. In sog. Dilemmainterviews wurden Lehramtsstudierende und berufstätige Lehrkräfte aufgefordert, Handlungsstrategien zur Problemlösung diskursiv darzulegen. Die Auswertung erfolgte mit Hilfe der dokumentarischen Methode. Es lassen sich unterschiedliche Herangehensweisen ebenso rekonstruieren wie jene zwei Logiken, die das Handeln von Lehrpersonen strukturieren. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Fallvignetten und Dilemmainterviews in Kombination mit der dokumentarischen Auswertung großes Potenzial besitzen, das auch für die Lehrerbildung genutzt werden könnte.

Schlagwörter: Dilemmainterviews – dokumentarische Methode – Fallvignetten – Lehrerprofessionalität

Case vignettes, dilemma interviews and documentary method:
Chances and limits to assess teacher professionalism

Case vignettes are used in various forms in teacher research. In this article an exploratory study is presented in which text vignettes were developed to assess aspects of teacher professionalism. The case vignettes describe problem situations of teachers’ work in school. Different antinomies are embedded in these situations which are typical for teaching. In so-called dilemma interviews teacher students as well as teachers were asked to tell and explain their problem-solving strategies. The answers were analyzed by using the documentary method. Results show that case vignettes and dilemma interviews combined with the documentary method contain great chances for the analyses of teacher professionalism as well as for teacher education.

Keywords: case vignettes – dilemma interviews – documentary method – teacher professionalism

Entwicklung eines Instruments zur Erfassung des Selbstkonzepts der Beratungskompetenz im Bildungsbereich

Andrea D. Schwanzer und Sandra Frei

Auf Grundlage eines performanzorientierten Kompetenzmodells von Beratung wurde ein Instrument zur Erfassung des Selbstkonzepts von Beratungskompetenz entwickelt, das vier Facetten erfasst. In einer ersten Erprobung wurden Belege für die Güte des Instruments gefunden. So liegen die internen Konsistenzen der Skalen zwischen a = .65 und a = .88 (M = .80). Die Überprüfung der Faktorenstruktur deutet auf einen übergeordneten Faktor hin. Zusammen-hänge mit Außenkriterien wie Beratungsleistung, Freizeitaktivitäten, stressbezogenen Kognitio-nen und Selbstwirksamkeitserwartung weisen auf eine zufriedenstellende Validität der Skalen hin.

Schlagwörter: Beratungskompetenz – Bildungsberatung – Lehrer – Selbstkonzept

Development of a questionnaire to measure the self concept of educational counseling ability

Based upon a performance-orientated model of counseling ability we developed an instrument to measure four facets of self concept in counseling. In a first test the scales showed satisfactory reliabilities, with Cronbach’s Alpha ranging from a = .65 to a = .88 (M = .80). Significant correlations between the scales and external criteria, such as counseling results, leisure activities, stress related cognition and self efficacy, provided evidence for the validity of the instrument.

Keywords: counseling ability – educational counseling – self concept – teachers