Psychische Erkrankungen von Lehrkräften:
Berufsbezogene Therapie- und Präventionsangebote

Andreas Hillert, Stefan Koch, Ewald Kiel, Sabine Weiß und Dirk Lehr

Entgegen der verbreiteten Annahme ist nicht konsistent belegt, dass Belastungen des Lehrerberufes zu einer erhöhten Rate psychischer Erkrankungen führen. Burnout-Erleben und Frühpensionierungszahlen werden vielmehr auf komplexe Weise durch soziale und beamtenrechtliche Rahmenbedingungen beeinflusst. Ergänzend zu einer fachgerechten symptombezogenen Therapie bietet sich, mit Blick auf die von vielen Lehrer-Patienten als für ihre Erkrankung (mit-)entscheidend erlebten beruflichen Belastungen, das Angebot zusätzlicher berufsbezogener Therapiebausteine an. AGIL (Arbeit und Gesundheit im Lehrerberuf) ist ein speziell auf die Belastungen von Lehrpersonen hin ausgerichtetes Gruppentherapie- bzw. Präventionsprogramm. Psychisch erkrankte Lehrer sind unter den Patienten psychotherapeutischer Kliniken häufig. Die meisten von ihnen, entsprechend den 2012 in der Schön Klinik Roseneck erhobenen Daten, kommen aufgrund von Depressionen (76.8 %) zur Aufnahme, 67.9 % können nach 4-6 Wochen mit signifikant verbesserten Depressionswerten entlassen werden. Behandlungseffekte von AGIL werden anhand einer kontrollierten Studie bei psychosomatisch erkrankten Lehrkräften berichtet. Ergänzend werden erste Ergebnisse einer Präventionsstudie mit einem modifizierten AGIL-Programm dargestellt: Erhöht belastete Lehrer (indizierte Prävention) berichten im Verlauf eine deutliche Reduktion subklinischer Depressionssymptome (d = .58), die auch nach 12 Monaten (Katamnese) nachweisbar sind. Strategien des professionellen Stressmanagements sollten Bestandteil der Lehrerausbildung bilden und berufsbegleitend trainiert werden.

Schlagwörter: berufsbezogene Therapie – Burnout – Lehrergesundheit – Präventionsprogramm – psychische Erkrankungen

Mental disorders in teachers: job related therapy and prevention programs

In contrast to popular assumptions there is no consistent evidence that vocational demands in teachers result in elevated rates of psychiatric disorders. In fact elevated burnout experience and early retirements reflect complex social and legal conditions in the public sector. With the AGIL program a job-specific group therapy concept for mentally stressed teachers is available, in addition to symptom-specific treatment-as-usual. Naturalistic inpatient treatment of teachers in 2012 (76.8 % depression) achieved 67.9 % response in depression scores. Specific treatment effects of AGIL are reported. In addition first results of a current prevention study at schools can demonstrate that a modified AGIL concept is well accepted. Especially teachers with high levels of mental stress (indicated prevention) could achieve a reduction in subclinical depressive symptoms (d = .58) that could be maintained until twelve months post-treatment (follow-up). Issues of teacher health should increasingly be incorporated in education and continuous training of teachers.

Key words: Burnout – job-related therapy – mental disorders – prevention program – teacher health