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Beiträge zur Fremdsprachenvermittlung

Zusammenfassung des Artikels: 2010, 16, 179-207

Sind Textsorten national geprägt?

Nachrichtensendungen im Vergleich

Martin Luginbühl

Die Vorstellung einer primär national geprägten Kulturalität von Textsorten ist weit verbreitet. Ich möchte im Folgenden dieses Konzept problematisieren, und zwar anhand einiger Befunde eines diachronen Vergleichs der Schweizer Tagesschau und der amerikanischen CBS Evening News. Zunächst gehe ich auf den aktuellen Stand in der textsortenlinguistischen und medienwissen­schaftlichen Forschung ein (Kap. 1). Nach der Präsentation einiger Befunde (Kap. 2) werde ich in der Diskussion (Kap. 3) auf die Frage nach einer nationalen Prägung von Textsorten und den Kulturbegriff zurückkommen und am Ende (Kap. 4) methodische Fragen bezüglich der kontrastiven Textologie an­gehen. Es wird sich zeigen, dass eine primär nationale (und damit auch ten­denziell statische und lokale) Prägung der Textsorten im vorliegenden Material nicht nachgewiesen werden kann; dies ist aber erst durch eine diachrone Perspektive und durch eine umfassendere Analyse der Textsortenprofile ein­zelner Sendungs-Ausprägungen erkennbar. Ganz allgemein zeigt sich, dass sprachexterne Einflussfaktoren (wie etwa eine zunehmende Kommerzialisie­rung des Mediensystems) nicht bestimmte, vorhersagbare Textsortenstile nach sich ziehen. Viel eher handelt es sich hier um kulturelle Setzungen.

Inhalt:

1.  Textsorten-Kulturalität als nationale Kulturalität
2. Textsortenprofile und Textsortenstile in der Tagesschau und der CBS Evening News
3. Diskussion
3.1. Nationale Prägung?
3.2. Kulturbegriff
3.3. Journalistische Kulturen
3.4. Sprachliche Etablierung von Kultur
4.  Methodische Konsequenzen
5. Fazit
  Literaturverzeichnis