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Lehrerbildung auf dem Prüfstand
2010, 3, Sonderheft, 173-193
Simone Bruder, Julia Klug, Silke Hertel und Bernhard Schmitz
Zusammenfassung: Das Beraten von Eltern und Schülern hinsichtlich des
Lernverhaltens der Schüler und damit einhergehend das Diagnostizieren des
Lernverhaltens gehören neben dem Unterrichten und Erziehen zu den Kernaufgaben
von Lehrern. Lehrer fühlen sich jedoch häufig nicht ausreichend vorbereitet auf
ihre Rolle als Berater und Diagnostiker. Bisher sind wenige empirische
Untersuchungen im Bereich der Elternberatung und der Diagnostik des
Lernverhaltens zu finden. In dem vorgestellten Forschungsprojekt werden die
Beratungs- und die Diagnostische Kompetenz von Lehrkräften gemessen und
modelliert. Ein fünfdimensionales Modell der Beratungskompetenz zeigte eine gute
Modellpassung. Als wichtige Komponenten für die Entwicklung der
Beratungskompetenz haben sich das Beratungswissen über und die
Selbstwirksamkeit in Bezug auf Beratung erwiesen. Ein vierdimensionales Modell
der Diagnostischen Kompetenz wird auf theoretischer Ebene vorgestellt. Wichtige
Entwicklungsfaktoren sind hier das Wissen über Diagnostik, die Professionelle
Identität in Bezug auf Diagnostik und insbesondere die 2. Phase der
Lehrerausbildung. An einer Stichprobe von n = 93 Lehrern, n = 107 Lehrkräften im
Vorbereitungsdienst (Liv) und n = 93 Lehramtsstudierenden konnten
Gruppenunterschiede zwischen Lehrkräften, Lehrkräften im Vorbereitungsdienst
und Lehramtsstudierenden bzgl. ihrer Beratungs- und Diagnostischen Kompetenz
nachgewiesen werden. Diese weisen für beide Kompetenzen das gleiche Muster auf:
Lehrer und LiV zeigen bessere Ergebnisse als Lehramtsstudierende. Hingegen
unterscheiden sich Lehrkräfte und LiV nicht in ihren Kompetenzen. Die
Erkenntnisse dienen als Basis für zu entwickelnde Fortbildungen zur Diagnostik
des Lernverhaltens und weiterzuentwickelnde Fortbildungen zur Lernberatung und
Ausbildungsinhalte, die adaptiv auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten sind.
Schlagwörter: Beratung – Diagnostik – Lehrerkompetenzen
Summary:
Counseling parents and students in regard to students’ learning behavior and
thereby diagnosing students’ learning are key tasks of teachers besides
teaching and educating. Teachers often don’t feel well prepared for managing
their role as counselors and diagnosticians. However, there are few empirical
studies in the field of counseling parents and diagnosing learning behavior yet.
In the presented research project teachers counseling and diagnostic competences
are measured and modeled. A five-dimensional model of counseling competence
fitted the data. Knowledge about and self-efficacy concerning counseling turned
out to be important components for the development of counseling competence. A
four-dimensional model of diagnostic competence will be presented on a
theoretical basis. For diagnostic competence again knowledge about diagnosing,
the professional identity concerning diagnosing and especially the second phase
of the German teacher education proved to be important components for the
development of this competence. Within a sample of n = 93 teachers, n = 107
pre-service teachers and n = 93 student teachers we found differences in three
groups’ counseling and diagnostic competence which showed the same pattern for
both competences. Teachers and pre-service teachers perform better than teacher
students, whereas teachers and pre-service teachers do not differ in their
competences. The findings serve as a basis for developing teacher education and
further education in diagnosing learning behavior and refining teacher education
and further education in counseling adaptively to the particular target group.
Key words:
counseling – diagnosing – teacher competences