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Empirische Pädagogik
Zeitschrift zu Theorie und Praxis erziehungswissenschaftlicher Forschung
2009, 23(4), 460-479
Jean-Marc Falter und Cyril Pasche
Zusammenfassung:
Einer der bekanntesten empirischen
Fakten in der Arbeitsmarktökonomie ist, dass ein höherer Bildungsabschluss zu
höheren Löhnen führt. Die Gründe für diese Bildungsprämien sind jedoch weniger
bekannt. Gemäß den theoretischen Modellen des employer learning stellen
Bildungsabschlüsse ein Signal dar, mit dem die Arbeitnehmer ihre Fähigkeiten
den Arbeitgebern signalisieren. Die Arbeitgeber gewinnen im Laufe einer
Anstellung zunehmend bessere Informationen über die tatsächliche Produktivität
der Mitarbeiter, was gemäß Theorie dazu führen sollte, dass die Rendite auf
Bildungsabschlüsse über die Zeit abnimmt, während die Rendite für anfänglich
nicht beobachtbare Fähigkeiten zunimmt. Frühere Studien aus den USA haben
gezeigt, dass dieses employer learning hauptsächlich bei Arbeitnehmern
mit mittlerer Ausbildung stattfindet. Dies mag jedoch auf Länder wie Deutschland
oder die Schweiz nicht zutreffen, die standardisierte Berufsausbildungen kennen.
In der vorliegenden Studie testen wir die theoretischen Vorhersagen mit
schweizerischen Daten. Wir verwenden Leistungstestdaten (zu Lesekompetenzen,
Alltagsmathematik und Problemlösekompetenzen) und finden, dass die Rendite für
die gemessenen Kompetenzen mit der Arbeitserfahrung der Arbeitnehmer zunimmt,
während die Rendite für formale Bildungsabschlüsse abnimmt. Unsere Resultate
legen nahe, dass employer learning in der Schweiz stattfindet, besonders
unter Arbeitnehmern mit einer beruflichen Grundbildung. Unsere Befunde
bestätigen sich, wenn die Analyse statt auf Löhne auf die Nutzung bestimmter
Fähigkeiten am Arbeitsplatz fokussiert.
Schlagwörter:
Berufsbildung – Bildungsrenditen
– Employer Learning
Summary:
One of the most well-known
empirical facts in labor economics is that higher educational attainment
provides higher wages. However the drivers behind these educational premiums are
less well known. According to theoretical models of employer learning, education
is an important signal of ability to employers. As employers obtain gradually
better information on the productivity of workers, the return to schooling
should decrease over time while the return to initially unobserved ability
should increase. Earlier results from the US have shown that employer learning
primarily takes place among workers with intermediate education. However, this
result may no longer be valid in countries providing standardized vocational
education, such as Germany or Switzerland. In this study, we test these
theoretical predictions with Swiss data. We make use of functional literacy
scores and find that the return to functional literacy increases with experience
while the reverse is true with respect to formal education. Our results suggest
that employer learning takes place in Switzerland, particularly among workers
holding secondary vocational degrees. Our findings are confirmed when we focus
our analysis on ability utilization in the workplace instead of on wages.
Key words:
employer learning –
returns to education –
vocational education