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Empirische Pädagogik
Zeitschrift zu Theorie und Praxis erziehungswissenschaftlicher Forschung
2008, 22(4), 552-568
Margrit Stamm und Michael Niederhauser
Zusammenfassung: Dieser Beitrag
untersucht die Entwicklung überdurchschnittlich begabter Lehrlinge in der
Berufsbildung. Im Mittelpunkt steht die Frage, über welche
Merkmalsprofile sie verfügen und welche Faktoren ihre Leistungsexzellenz
beeinflussen. Im Ergebnis zeigt sich, dass sich überdurchschnittlich
begabte Auszubildende in erster Linie durch gradlinige Schullaufbahnen, positive
Einstellungsmuster und eine hohe Leistungs- und Arbeitsbereitschaft
auszeichnen, gleichzeitig jedoch durch eine höhere Stressbelastung im
Lehrbetrieb. Der allgemeinen Begabungsforschung widersprechend ist dabei der
Fakt, dass sie weniger aus Mittel- und Oberschichtfamilien stammen, sondern
bevorzugt aus Arbeiter- und Angestelltenmilieus, in denen Bildung keinen
besonders hohen Stellenwert hat. Mit Blick auf die Vorhersage von
Leistungsexzellenz erweist sich der Einfluss der kognitiven Fähigkeiten als
relativ unbedeutend, in der Tendenz sogar als gegenläufig. Ein hohes
Performanzniveau erreicht nicht, wer über die höchsten intellektuellen
Fähigkeiten verfügt, sondern, wer am besten Stress bewältigen kann, besonders
leistungsmotiviert ist und über günstige Umweltmerkmale wie ein gutes
Betriebsklima verfügt, in dem gute Leistungen gewürdigt und unterstützt werden.
Schlagwörter: Berufsbildung – Hochbegabung –
Leistungsexzellenz – Stressverarbeitung
Summary:
This article looks into the development of gifted
apprentices during their vocational training. Questions on the factors
influencing their excellence
as well as on the features composing their profiles are focused. Highly gifted
apprentices prove to distinguish themselves by straight school careers, positive
attitudes and a high willingness to perform. At the same time, however, they
show a higher stress-related psychological strain in their firms. Contradictory
to general research on giftedness, gifted apprentices come from upper-class or
middle-class families to a lesser extent than with working-class-background and
employees’ families who do not consider education a significant necessity.
Cognitive abilities turn out to be a relatively weak predictor for excellence
with a trend even to the opposite direction. In fact, not those having the
highest intellectual abilities do achieve at a high performance level, but those
who are especially motivated in performance and possess advantageous environment
factors like a good working atmosphere in which outstanding work is appreciated
and supported.
Key words:
giftedness –
performance excellence –
stress management –
vocational training