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Empirische Pädagogik
Zeitschrift zu Theorie und Praxis erziehungswissenschaftlicher Forschung
Zusammenfassung des Artikels: 2007, 21(2), 240-241
Schmid, C. (2006). Lernen und Transfer: Kritik der didaktischen Steuerung. Bern: h.e.p. verlag ag. ISBN 978-3-03905-273-8, 439 S., 33,00 €.
„Die vorliegende Arbeit wurde von der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich im Sommersemester 2006 … als Dissertation angenommen.“ Hätte man diese Information aus dem Impressum des Buches weggelassen, man wäre vermutlich nicht sofort auf diesen Gedanken gekommen. So wohltuend hebt sich Christoph Schmids Arbeit von dem üblichen Erscheinungsbild dieser wissenschaftlichen Literaturgattung ab. Es sei deshalb auch erlaubt, das Anliegen dieser Arbeit etwas flapsig mit einem Spruch zu charakterisieren: „Alle reden vom Lernen, aber keiner (außer Schmid) tut etwas dagegen!“
Ausgangspunkt und Basis des Buches ist eine umfassende, bis 2005 aktuelle Literaturrecherche in den Domänen Pädagogik, Psychologie, Cognitive Science und Lehr‑/Lernforschung. Nicht zuletzt das gut 60 Seiten umfassende Literaturverzeichnis zeugt von dem Umfang und dem fast enzyklopädischen Anspruch dieses Unternehmens. Hier kann das Buch von Schmid leicht viele Lehrbücher zum Thema „Lernen“ ersetzen.
Im ersten Teil seines Buches beschäftigt sich der Autor mit dem Konstrukt „Lernen“. Und so wie er es tut, ist man fast versucht zu sagen: „Er knöpft es sich vor!“ Er zeigt auf, dass die vorhandenen Definitionen von Lernen, die Beschreibungen, Erklärungsversuche, Modelle und Theorien mit schwerwiegenden Mängeln behaftet sind. „Wir wissen nicht, wie wir Lernen aufschlüsseln sollen, welche Lernformen und -mechanismen zu unterscheiden sind“, ist der Schluss, zu dem Schmid (S. 193) kommt.
Analog zum ersten Teil widmet sich der Autor im zweiten Teil des Buches dem Konstrukt „(Lern-)Transfer“. Es geht um die alte, aber immer noch aktuelle Frage, ob und wie Lernerfahrungen nachfolgendes Lernen erleichtern und in welcher Weise Lernergebnisse bei neuen Aufgabenstellungen und in neuen Situationen wirksam werden. Dass die Antwort auf diese Frage eher ernüchternd ausfällt, dürfte kaum mehr überraschen. Schmid weist nach, „dass es bislang nicht gelungen ist, eine befriedigende Transfertheorie zu entwickeln“ (S. 282). Er zeigt auch, dass sich Transfereffekte empirisch nur in den engen Grenzen des Gelernten nachweisen lassen. Der „etablierten pädagogischen und politischen Zielrhetorik“ (S. 346) mit ihren überzogenen Hoffnungen und vollmundigen Versprechungen erteilt er eine klare Absage. Schließlich kommt er zu dem Ergebnis, dass die enge Verschränkung der beiden Konstrukte „Lernen“ und „Transfer“ eine Trennung unmöglich macht und Transfer unter Lernen zu subsumieren ist.
Vor dem Hintergrund des veränderten Transferverständnisses erfolgt im letzten Kapitel zunächst eine Auflistung von Variablen, die Einfluss auf den Transfer haben, sowie von Vorschlägen zur Förderung des Lerntransfers. Zum Schluss wird kurz, aber deutlich mit der verbreiteten Idee einer allgemeinen Kompetenzförderung ins Gericht gegangen.
Das Buch ist – für eine Dissertation durchaus unüblich – streckenweise spannend zu lesen. Die Tatsache, dass man vieles, wenn nicht das meiste, schon einmal gehört oder gelesen hat, tut dem keinen Abbruch. Gerade die Art und Weise, wie der Autor vertrautes, vermeintlich gesichertes Wissen kritisch hinterfragt und auf seinen eigentlichen Gehalt hin „abklopft“ macht den Reiz dieses Buches aus. Am Ende kommt man sich fast ein bisschen vor wie ein Kind, dem man sein Lieblingsspielzeug weggenommen hat. Das Buch hat aber in jedem Fall eine „immunisierende“ Wirkung. Es gemahnt zur Vorsicht, wenn demnächst wieder einmal von einer neuen Form des Lernens die Rede ist. Und es zeigt, dass Skepsis, Zurückhaltung und Bescheidenheit angesagt sind, wenn es um das Thema „Lernen“ geht. Aber vielleicht sind das ja auch für andere Themen keine schlechten Eigenschaften.
Fazit: Schmid hat ein Buch geschrieben, das man auch gerne geschrieben hätte. An diesem Buch kommt keiner vorbei, der sich ernsthaft mit dem Thema „Lernen“ und „Transfer“ beschäftigt.
Dr. Roland Arbinger, Zentrum für
empirische pädagogische Forschung, Universität Koblenz-Landau, Campus Landau,
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166,
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Stand: 26.06.07