
Home: www.vep-landau.de
Empirische Pädagogik
Zeitschrift zu Theorie und Praxis erziehungswissenschaftlicher Forschung
Zusammenfassung des Artikels: 2006, 20(2), 218-219
Rezensionen
Standop, J. (2005). Werte-Erziehung. Einführung in die wichtigsten Konzepte der Werteerziehung. Weinheim: Beltz, ISBN 3-407-25375-3, 160 S., 18,90 €.
Werteerziehung ist in unserer schnelllebigen, pluralistischen und multikulturellen Gesellschaft eine Aufgabe der Schule, die nicht nur zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, sondern auch in wachsendem Maße als kaum bewältigbar angesehen wird. In dieser Situation ist es längst unzureichend geworden, in Lehrplänen und Unterrichtsgesetzen Werteerziehung zu postulieren. Es bedarf vielmehr einer professionellen Anleitung der Lehrerschaft auf der Grundlage des einschlägigen sozialwissenschaftlichen Forschungsstandes. Die Monografie Jutta Standops ist geeignet, einen wichtigen Beitrag dazu zu leisten.
In den ersten beiden Kapiteln schafft sie begriffliche Klarheit und führt in die prominentesten Konzepte der Werteentwicklung und Werteerziehung ein. Werte und Normen, Grundwerte und Wertesysteme werden ebenso instruktiv abgehandelt wie Pluralismus, Wertrelativismus, Wertewandel und moralische Urteilsfähigkeit. Es werden Funktionen von Werten und Wertesystemen aufgezeigt und die Entwicklungslinien der Werthaltungen von Kindern und Jugendlichen nachgezeichnet. An theoretischen Konzepten behandelt das Buch vor allem Kohlbergs Stufentheorie des moralischen Urteilens und den entwicklungstheoretischen Ansatz von Gilligan, wobei dies durchaus auch kritisch und mit Bezug auf die weiterführende Diskussion geschieht. Diese wird im zweiten Kapitel abschließend fokussiert auf die Bedeutung der Erziehung für das Wertebewusstsein des Individuums und auf die Erziehung zur Achtung vor dem Anderen.
In der zweiten etwas umfänglicheren Hälfte des Buches, welche die Kapitel 3 und 4 umfasst, setzt sich Jutta Standop mit der Werteerziehung in der Schule und ihren praktischen Realisierungsmöglichkeiten auseinander. Im dritten Kapitel wird zunächst die schulische Aufgabe der Werteerziehung umfassend und schlüssig begründet und es werden Bedingungen und Voraussetzungen einer solchen Werteerziehung aufgezeigt. Das vierte und umfangreichste Kapitel schließlich benennt Wege und methodische Möglichkeiten der Werteerziehung, angefangen von didaktischen Prinzipien über methodische Ansätze bis hin zu sehr aktuellen Konzepten, wie der Dilemmadiskussion, der Justcommunity und dem Childdevelopmentproject. Dass dabei ältere Konzepte wie Schröders wertorientierter Unterricht von 1978 ebenso ausführlich dargestellt werden, ist für Praktiker sicherlich kein Nachteil, unter wissenschaftlichen Gesichtspunkt hätte aber vielleicht doch zwischen neueren, durch Forschungsergebnisse fundierten und herkömmlichen, auf bloßem Praxiskonsens begründeten Ansätzen unterschieden werden müssen. Der an diesen Unterschieden interessierte Leser kann dem aber leicht dadurch abhelfen, dass er die Erscheinungsjahre der angeführten Literatur beachtet.
Das Buch ist durchgängig in einfacher, flüssiger und gut verständlicher Sprache geschrieben. Die Information ist gut strukturiert und durch Marginalien und Zusammenfassungen aufbereitet. In dieser Form eignet sich das Buch nicht nur hervorragend zur Vorbereitung auf Lehramtsprüfungen, es ist ebenso ein wertvolles Nachschlagewerk für interessierte Fachpraktiker des Lehrberufs, die ihren Kenntnisstand aktualisieren und auffrischen möchten.
Anschrift des Autors:
Prof. Dr. Werner Sacher, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erziehungswissenschaftliche Fakultät – Lehrstuhl für Schulpädagogik, Regensburger Straße 160, 90478 Nürnberg, Telefon: 0911/5302-527 (Sekretariat -586), Telefax: 0911/5302-718, E-Mail: wrsacher@ewf.uni-erlangen.de
Stand: 06.06.06