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Empirische Pädagogik
Zeitschrift zu Theorie und Praxis erziehungswissenschaftlicher Forschung
Zusammenfassung des Artikels: 2000, 14 (3), 287-317
Jürgen Abel und Christian Tarnai
Abel, J. & Tarnai, C. (2000). Geschlechtsspezifische Interessen in ausgewählten Studienfächern. Empirische Pädagogik,14, 287-317.
Ausgehend von Ergebnissen der Interessenentwicklung gehen wir in diesem Beitrag der Frage nach: Unterscheiden sich die Interessenstrukturen Studierender in den jeweiligen Studiengängen nach Geschlecht oder wirkt die jeweilige Umweltstruktur der Studienfächer so, dass die Geschlechtstypik abnimmt? Hierzu wurden Studierende mit dem "Allgemeinen Interessen-Struktur-Test" (AIST) untersucht, der sechs Interessenorientierungen nach dem Modell von Holland erfasst. Zur Kontrolle des Einflusses anderer Merkmale auf die Geschlechtstypik werden das konkrete Studienfachinteresse, operationalisiert durch den "Fragebogen zum Studieninteresse" (FSI) und eine Skala zur "Sicherheit der Studienentscheidung" herangezogen. Die Stichprobe besteht aus Studierenden mit den Studienfächern Betriebswirtschaft, Rechtswissenschaft und Psychologie der Universität Münster sowie Psychologie der Universität Gießen.
Geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen sich durchgängig in der Verteilung der Kongruenz zwischen Person- und Umweltstruktur, nicht aber in denen der Konsistenz und Differenziertheit der Interessenorientierungen. Bei multivariaten Varianzanlysen ergeben sich durchgängig geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Profildaten des AIST, deren praktische Signifikanz bei den Studienfächern Betriebswirtschaft 20,1% und Rechtswissenschaft 26,9% beträgt. Zwischen Grund- und Hauptstudium zeigen sich, bis auf das Studienfach Psychologie in Münster, keine signifikanten Unterschiede. Der FSI und die Skala zur Studienwahlsicherheit zeigen keinerlei signifikanten Effekte. Diskriminanzanalysen pro Fach ergeben, dass Differenzen zwischen den Geschlechtern vor allem die "praktisch-technische" (R), die "künstlerisch-sprachliche" (A) und die "soziale" (S) Interessenorientierung betreffen.
Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Studieninteressen der Geschlechter den vorherrschenden Umweltstrukturen der Studienfächer angepasst sind. Je nach Umweltorientierung ist zu beobachten, dass die Interessenorientierung von der generellen Geschlechtstypik abweicht und der des Gegengeschlechts angenähert ist, wobei es aber weiterhin Unterschiede gibt.
Abel, J. & Tarnai, C. (2000). Gender specific interests in selected disciplines. Empirische Pädagogik,14, 287-317.
Taking studies in interest development as a starting point, we investigate following question in this contribution: Do student interest patterns in particular disciplines differ according to gender, or do environmental variables characterizing each discipline individually reduce gender patterns?
Undergraduates were given the "General Interests Pattern Inventory" ("Allgemeiner Interessen Struktur Test", AIST) wich covers six interest orientations following the model of Holland. In order to control the impact of other variables on gender patterns we focus on discipline related concrete student interests, operationalized by the "Questionnaire on Student Interest" ("Fragebogen zum Studieninteresse", FSI), as well as a scale on "Stability of Student Decicion" ("Sicherheit der Studienentscheidung"). The sample consists of undergraduates in economics, law and psychology at Münster University, and psychology at Gießen University.
Gender differences can be observed regularly in the congruence (i. e. the correspondence between personal and environmental variables), not however in the consistency and differentiation of interest orientations. Multivariate analyses of variance reveal persistent gender differences in the profile data of the AIST contributing for 20,1 % of the practical significance in economics and 26,9 % in law, respectively. Undergraduates in foundation courses do not differ significantly from those in upper courses, except for psychology at Münster University. The FSI and the scale for measuring stability of student decision do not show any significant effects. Discriminant Analyses concerning the different disciplines yield the result that gender differences primarily have to do with "realistic" (R), "artistic" (A) and "social" (S) interest orientation.
As a result we can say, that the interests of the male and female students are in accord with the prevailing environmental conditions of the disciplines. Interest orientations deviate from the general gender patterns and move toward the opposite depending on the environmental orientations. In this however, wide differences exist.
Stand: 10.12.03