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Empirische Pädagogik

Zeitschrift zu Theorie und Praxis erziehungswissenschaftlicher Forschung

Zusammenfassung des Artikels: 2000, 14 (3), 255-285

Christian Bergmann & Ferdinand Eder

Geschlechtsspezifische Interessen in der Sekundarstufe II

Bergmann, C. & Eder, F. (2000). Geschlechtsspezifische Interessen in der Sekundarstufe II. Empirische Pädagogik,14, 255-285.

Auf der Basis vorliegender Befunde zur Interessenentwicklung werden Annahmen zum Interessenverlauf für den Altersbereich der 15- bis 19-jährigen formuliert und anschließend anhand von umfangreichen Quer- und Längsschnittdaten (N = 1676), die über einen Zeitraum von acht Jahren erhoben wurden, empirisch überprüft.

Die Analyse der Längsschnittentwicklung während der Sekundarstufe II zeigte entgegen den Erwartungen bei ca. 40% der Schüler und Schülerinnen bedeutsame strukturelle Veränderungen, die als Ausdifferenzierung (Kristallisation) und Neustrukturierung von Interessen beschrieben werden können, und nach Geschlechtern verschieden ablaufen.

Jungen treten – im Vergleich zu Mädchen – mit differenzierteren Interessen in weiterführende Schulen ein. Dort kommt es häufig zu einer Auflösung oder Umstrukturierung dieser Interessen, aber auch zu Veränderungen im Interessenniveau. Die Interessen der Mädchen sind häufig noch unstrukturiert, besonders beim Eintritt in berufsbildende Schulen, und es kommt während der Schulzeit zu einer Ausdifferenzierung (Kristallisation). Ein beträchtlicher Teil behält jedoch über Jahre eine undifferenzierte Struktur bei.

Die geschlechtspezifischen Interessen entwickeln sich gegensätzlich. Bei Jungen geht die Betonung „männlicher“ (realistischer, intellektuell-forschender) Interessen zurück und „weibliche“ (soziale und sprachlich-künstlerische) Interessen nehmen zu. Bei Mädchen nehmen ebenfalls „weibliche“ Interessen zu und „männliche“ ab; die geschlechtsspezifischen Interessen werden also deutlicher. Dieser Prozess setzt sich auch nach der Schule noch fort.

Der Rückgang geschlechtsspezifischer Interessen ist bei den Jungen dann am größten, wenn in ihrer Schulklasse keine Mädchen sind; bei den Mädchen lässt sich eine analoge Tendenz nicht feststellen.

Bergmann, C. & Eder, F. (2000). Gender specific interests at upper secondary level. Empirische Pädagogik,14, 255-285.

Based on previously collected data concerning the development of interests, assumptions were formulated on interest progress for adolescents aged 15 to 19 and empirically examined on the basis of extensive cross-sectional and longitudinal data collected over a period of eight years.

The analysis of the longitudinal data from the upper secondary level showed, contrary to expectations, that significant structural changes in pupils, which can be described as crystallization and renewed structuring of interests, occur differently according to gender.

Boys enter, in comparison to girls, continuing schools with differentiated interests. There a frequent dissolution or reorganization of these interests occurs, but also changes in the interest level are noticeable. Girls’ interests are often still unstructured, especially in the case of entry into a vocationally oriented school type, and crystallization during this schooling takes place. A not insignificant part of the female subjects, however, retains an undifferentiated structure for years.

Gender specific interests develop in opposite directions. With boys there is a noticeable decrease in specific “male” interests (realistic, investigative) and “female” interests, such as social and artistic, increase. In girls “female” interest increase likewise while “male” interests decline. Gender specific interests, therefore, become clearer. This process continues after schooling.

The decrease of gender specific interests for male adolescents is greatest in school classes where there are no girls; an analogous tendency with females cannot be ascertained.

 

Stand: 10.12.03