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Rainer Bodensohn
Die inflationäre Anwendung des Kompetenzbegriffs fordert die bildungstheoretische Reflexion heraus
Die große Vielfalt der Kompetenzkonzepte und der zunehmend unreflektierte Gebrauch der in deren Medium gebrauchten Begriffe fordert den Erziehungswissenschaftler heraus, mit Hilfe bildungstheoretischer Reflexion einen Beitrag zur Klärung von Grundbegriffen zu leisten. Der Klärungsbedarf kommt aus der Sache selbst: Die teilweise heftig geführte Debatte um Qualifikations- und Bildungskonzepte der letzten 50 Jahre prolongierte Ungelöstes in die Kompetenzkonzepte hinein. Schon an einfachen Beispielen werden Prämissen und Paradigmen sichtbar, die sich bereits in der Qualifikationsdebatte förderlich oder hinderlich entfaltet haben. Bildungstheorie möchte einen Beitrag zur Selbstreflexion leisten und bietet aufklärende, interpretative Hilfestellung in der hermeneutischen Arbeit mit dem Kompetenzbegriff. "Analyse und Interpretation", im besten Falle "Unterscheidungen", bedürfen der wissenschaftlichen Kriterien, die Bildungstheorie in den klassischen Bereichen von A = "anthropologische Bezüge" bis Z = "Ziel-Mittel-Relation" bereit hält. Zeitgeschichtlich aktuelle Kriterien, die aus dem normativ-regulativen Interesse der Bildungstheorie gewonnen werden können, runden das bildungstheoretische Instrumentarium ab. Kriterien kritisch-sozialwissenschaftlicher Relevanz fundieren den Interpretationsrahmen von Kompetenzkonzepten ebenso wie Kriterien zur Auswahl von Konzepten, die es bildungstheoretisch zu untersuchen lohnt.
Stand: 26.02.05